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MotoGP

Brad Binder nach Spielberg-Sieg: Es war ein Kampf ums Überleben

Brad Binders MotoGP-Sieg beim Österreich-GP war an Coolness nicht zu überbieten. Seine Worte nach dem Slick-Poker im Regen.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Brad Binder war der vielumjubelte Sieger des MotoGP-Sonntags in Spielberg. Das KTM-Ass setzte sich mit einer starken Leistung bei einsetzendem Regen auf Slicks souverän durch und holte seinen zweiten Grand-Prix-Sieg. Vor allem Binders Leistung in den letzten beiden Runden, als die Strecke durchgehen nass war, rang seinen Konkurrenten großen Respekt ab.

"Das war am Ende kein Racing mehr, das war nur ein Kampf ums Überleben. Ich wollte bloß noch ins Ziel kommen", gestand Binder in der Pressekonferenz nach der Siegerehrung. "In den letzten beiden Runden wurde es richtig übel. Die Bremsen kühlten komplett ab, die Reifen auch. Irgendwann konnte ich kaum noch anhalten."

Im letzten Umlauf verlor Binder dadurch fast 15 Sekunden auf Francesco Bagnaia, der auf Regenreifen auf den letzten Metern den zweiten Rang hinter Binder erobern konnte. Die Zielflagge kam für den Sieger somit keine Runde zu früh, denn er brachte 12,9 Sekunden Vorsprung auf seine Verfolger ins Ziel.

Binders einzige Chance

Die Entscheidung hatte Binder wenige Minuten zuvor erzwungen. Der Südafrikaner lag kurz vor Ende der viertletzten Runde nur auf dem 6. Platz, als plötzlich alle Fahrer vor ihm an die Box abbogen. Einsetzender Regen hatte die von Marc Marquez angeführte Gruppe zu einem Motorrad-Wechsel für die letzten drei Runden bewogen. Binder entschied sich hoch zu pokern und war damit letztlich erfolgreich.

"Als ich sah, dass alle abbiegen, wusste ich, dass das meine Chance für einen Gamble war", führte der KTM-Fahrer aus. "Davor hatte ich ein schreckliches Rennen, denn ich habe meinen Hinterreifen nie zum Arbeiten gebracht. Ich bin überall gerutscht und hatte große Probleme. Erst als die ersten Regentropfen kamen, konnte ich ein wenig aufholen." Die Entscheidung draußen zu bleiben, traf Binder ganz spontan. "Ich habe mich im letzten Moment dazu entschieden. Das war meine Chance auf einen Vorteil, denn andernfalls wäre ich als Sechster oder Siebenter ins Ziel gekommen. Ich musste diesen Poker beim Heimrennen von KTM eingehen und bin glücklich, dass es sich ausgezahlt hat."

Spektakuläre Szenen

In den letzten eineinhalb Runden sorgte Binder damit für spektakuläre Bilder, als ihm in beinahe jeder Kurve das Heck kam und er sich kaum noch auf der Strecke halten konnte. Da er bei seinem Husarenritt an keine Track-Limits mehr halten konnte, bedachten ihn die FIM-Stewards kurz nach dem Zieleinlauf mit einer Drei-Sekunden-Strafe, die auf das Ergebnis aber keine Auswirkungen hatte. Nachträglich wurde diese Strafe sogar zurückgenommen, sodass die vollen 12,9 Sekunden des herausgefahrenen Vorsprungs auf Bagnaia in die Geschichtsbücher eingehen dürfen.

In der WM-Wertung machte Binder einen großen Sprung nach vorne und schwang sich als Sechster der Gesamtwertung sogar wieder zur Nummer eins von KTM auf. Teamkollege Miguel Oliveira musste in Spielberg die zweite Null anschreiben und liegt nun 14 Punkte hinter Binder zurück.


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