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MotoGP

Fabio Quartararo: Zeitstrafe wegen offenem Reißverschluss

Fabio Quartararo sorgte im MotoGP-Rennen in Barcelona für kuriose Szenen mit offener Lederkombi. Dafür erntete er harsche Kritik.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Für Fabio Quartararo endet ein turbulentes MotoGP-Rennen in Barcelona mit einer nachträglichen Strafe. Kurz nach 19 Uhr bekam der Franzose von den FIM-Stewards eine Zeitstrafe von drei Sekunden aufgebrummt, die ihn vom 4. auf den 6. Rang zurückwarf. Der Grund für die Sanktion war eine kuriose Szene in der Schlussphase des Rennens: Im TV-Bild war zu sehen, wie Quartararo mit offenem Reißverschluss seiner Lederkombi unterwegs war, einen Protektor herausfummelte und zur Seite warf.

Diese Aktion widersprach Punkt 2.4.5.2 des Technischen Reglements, der die Ausrüstung der Fahrer regelt. Dort steht geschrieben: "Das Equipment muss zu jeder Zeit auf der Rennstrecke korrekt fixiert getragen werden." Eine entsprechende Strafe für Verstöße wird an dieser Stelle im Regelwerk allerdings nicht aufgelistet, weshalb das Strafmaß im Ermessen der Stewards liegt.

Dem Urteil war ein Aufschrei quer durch die MotoGP-Community vorangegangen: Casey Stoner wagte auf Twitter den ersten Vorstoß und forderte lautstark eine Disqualifikation für Quartararo. "Ob er jetzt den Reißverschluss absichtlich geöffnet hat oder nicht - ich denke, dafür hätte man eine Schwarze Flagge zeigen müssen. Auf diesem Level darf es nicht erlaubt sein mit 350 km/h und mehr mit offener Lederkombi zu fahren", wetterte der Australier.

MotoGP-Fahrer stimmen Stoner zu

Einige von Quartararos MotoGP-Kollegen teilen diese Einschätzung. So meinte etwa der Zweitplatzierte Johann Zarco in der offiziellen Pressekonferenz nach dem Rennen: "Es war zwar nicht für uns gefährlich, aber für ihn. Wir dürfen nicht mit einer offenen Lederkomni fahren. Eine Schwarze Flagge aus Sicherheitsgründen hätte also Sinn gemacht." Sieger Miguel Oliveira pflichtete ihm bei: "Wann immer es um die Sicherheit von Fahrern geht, muss sich die Rennleitung drum kümmern. Das wäre in diesem Fall zu seiner eigenen Sicherheit gewesen."

Quartararos Lederkombi defekt: Warum keine Disqualifikation?: (11:54 Min.)

Jack Miller, der den dritten Platz geholt hatte, räumte ein: "Wir Rennfahrer scheren uns nicht um unsere Sicherheit, wir denken nur an unser Ergebnis. Daher muss jemand auf uns aufpassen, denn uns kann man nicht trauen." Joan Mir ging noch weiter: Der MotoGP-Weltmeister unterstellte ihm Gefährdung anderer Fahrer, da er seinen Protektor einfach bei voller Fahrt zur Seite geworfen hatte. Ein Überfahren des stabilen Teils hätte zu einem schlimmen Unfall führen können, so die Kritik. Die Konkurrenz überlegte deshalb sogar einen Protest einzubringen, der nun durch die Strafe aber obsolet sein dürfte.

Quartararo verteidigte sich

Fabio Quartararo konnte sich erst rund zwei Stunden nach Rennende zu dem Vorfall äußern: "Ich weiß nicht, wie das genau passiert ist, aber in der ersten Kurve ging plötzlich der Reißverschluss komplett auf. Das müsste so in etwa fünf Runden vor Schluss gewesen sein. Ich habe versucht, ihn wieder zu schließen, aber das ging zunächst nicht."

Aufgrund des einströmenden Windes blieb auch der Brustschutz nicht in seiner Position, weshalb Quartararo diesen entfernte. "Ich konnte meine Kombi erst ganz zum Schluss wieder schließen. Alpinestars untersucht nun, was genau passiert ist. Mehr kann ich dazu nicht sagen", erklärte der Franzose. Auf eine Diskussion über eine mögliche Disqualifikation wollte sich Quartararo nicht einlassen: "Das Rennen ist beendet und es geht allen gut. Daher brauchen wir uns nicht über irgendwelche Eventualitäten unterhalten", so der WM-Leader bevor er über die Strafe Bescheid wusste.

Von einigen Kollegen erhielt er aber auch Zuspruch. So meinte Aleix Espargaro: "Wenn das im Rennen passiert, was willst du tun: Ihn stoppen? Wäre das fair, nur weil irgendetwas an der Kombi kaputt gegangen ist?" Bruder Pol pflichtete ihm bei: "Ich hätte es genauso gemacht und wäre weitergefahren. Er hat die Kombi ja nicht freiwillig geöffnet. Es ist nicht meine Aufgabe, über Schwarze Flaggen zu bestimmen. Aber wir werden sicherlich in der nächsten Safety Commission darüber sprechen."

Quartararo musste im Katalonien-GP somit zwei Drei-Sekunden-Strafen hinnehmen. Die erste hatte er aufgrund des Abkürzens in der ersten Kurvenkombination bekommen und deshalb seinen 3. Rang an Jack Miller verloren. Durch die Strafe wegen des offenen Reißverschlusses sowie des weggeworfenen Protektors zogen auch Joan Mir und Maverick Vinales im Rennklassement an ihm vorbei. Sein Vorsprung in der WM-Wertung auf Johann Zarco beträgt somit nur noch 14 Punkte.


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