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MotoGP

Marquez vs. Vinales: Windschatten-Streit eskaliert

Im MotoGP-Qualifying von Mugello legte sich Marc Marquez mit Maverick Vinales an. Für die skurrile Szene gab es viel Kritik.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez machte sich im MotoGP-Qualifying in Mugello einen prominenten Feind: Maverick Vinales. Denn der achtfache Motorrad-Weltmeister suchte in Q1 den Windschatten des Yamaha-Stars, was zu skurrilen Szenen und starken Emotionen führte.

Was ist passiert?

Als Vinales zu seinem zweiten Stint aus der Box aufbrechen wollte, fuhr Marquez direkt hinter ihm in die Boxengasse und wollte partout nicht überholen, als Vinales sich umdrehte und gestikulierte. Dieses Schauspiel ging über einige Kurven, bevor die Yamaha erneut an die Box abbog und die Honda ihr folgte.

Nach dieser Ehrenrunde durch die Pitlane musste sich Vinales eingestehen, dass er Marquez in seinem Heck nicht loswird und zog für zwei schnelle letzte Runden durch. Pikant: Beide Fahrer befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht auf einem der beiden Aufstiegsplätze für Q2. Während Marquez im Windschatten von Vinales zu Platz eins flog, verpasste er selbst den zweiten Rang um 21 Tausendstelsekunden.

Marquez und Vinales bekriegen sich im MotoGP-Q2 von Mugello: (09:47 Min.)

Wie reagierte Yamaha darauf?

In einem ersten Statement im offiziellen MotoGP-Livestream war Teamchef Massimo Meregalli außer sich: "Es sieht so aus als ginge es ihm immer besser, denn er verhält sich schon wieder ganz wie früher. Er hat schon wieder etwas getan, das er nicht hätte tun müssen. Ich werde hier nicht sagen, was ich mir gerade wirklich denke. Ich hoffe, dass die Rennleitung hier etwas unternehmen wird, denn für mich war das kein faires Verhalten."

Hat sich Marquez etwas zu Schulden kommen lassen?

Laut offiziellen MotoGP-Reglement nicht. Das immer wieder als "Bummeln" bezeichnete Warten auf Windschatten ist nicht generell verboten. Bestraft werden derartige Aktionen nur, wenn ein anderer Fahrer dadurch auf der Ideallinie behindert wird und damit unter Artikel 1.21.2 des Sportlichen Reglements ("Irresponsible Riding") fällt. Selbst wenn ein Fahrer behindert worden wäre, hätte wohl Marquez und Vinales eine Strafe geblüht, da beide gleich langsam unterwegs waren.

Jack Miller brachte es auf den Punkt: "Wenn sich jemand an dich hängen möchte, dann kannst du nicht viel dagegen unternehmen. Das Wichtigste ist, dass du deinen Gegner in einer derartigen Situation nicht in deinen Kopf lässt."

Wie reagierte Vinales auf die Aktion?

Maverick Vinales verweigerte eine Aussage zu der Situation. "Ich kann dazu nichts sagen. Wir waren nicht schnell genug", antwortete der Katalane in einem Videocall. Dass er sich von Marquez' Manöver ablenken ließ, wollte er so nicht stehen lassen: "Ich bin konzentriert geblieben und bin eine gute Runde gefahren. Leider war es nicht genug." Vinales scheiterte letztlich knapp an der Quali-Hürde und muss am Sonntag vom 13. Platz starten.

Wie rechtfertige sich Marquez?

Der ehemalige MotoGP-Dominator gab offen zu, dass er es im Qualifying darauf angelegt hatte: "Am Nachmittag ging es mir wirklich nicht gut, weshalb ich schon im 4. Training vorzeitig abbrechen musste. Daher habe ich zu meinem Team gesagt: Ich muss mich an jemanden hängen. Wir sind dann die Zeitenlisten durchgegangen und Vinales' erschien uns am schnellsten. Ihm zu folgen, war mein Ziel im Qualifying. Das war meine einzige Chance."

Allerdings hat er bereits die Aussprache mit Vinales gesucht: "Ich habe ihn vor den TV-Interviews getroffen und mich entschuldigt. Ich habe ihm gesagt, dass er allen Grund hat, sauer zu sein. Ich kenne auch die andere Seite, wenn du vorneweg fährst und alle dir folgen wollen. Das ist zwar am Limit, aber immer noch innerhalb unseres Reglements."

Wie äußerten sich die anderen MotoGP-Fahrer?

Von den MotoGP-Assen aus der ersten Startreihe hagelte es Kritik. So meinte Polesitter Fabio Quartararo: "Das war schwer am Limit. Für mich ist das ein absolut grenzwertiger Fall, denn Maverick ist zurück an die Box gefahren und er auch." Sein Titelrivale Francesco Bagnaia pflichtete ihm bei: "Es ist seltsam, derartige Dinge in der MotoGP zu sehen. Aber ich will Marcs Strategie eigentlich nicht weiter kommentieren."

Für Weltmeister Joan Mir war die Sache klar: "Marc liebt es herumzuspielen, während Maverick genau das hasst. Von außen mag das immer witzig aussehen, aber wenn dir jemand hinterherfährt, dann ist das kein angenehmes Gefühl."


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