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MotoGP

Petronas ohne Yamaha? Team ist für alles offen

Petronas-Yamaha avancierte zum besten Kundenteam der vergangenen beiden MotoGP-Saisons. Aus Malaysia gibt es nun aber auch Kritik für die Japaner.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Die gemeinsame Zukunft des Petronas Sepang Racing Teams mit Yamaha ist ungewiss. Das ging aus den Aussagen von Teamvorstand Razlan Razali in einem Videocall nach der offiziellen Team-Präsentation am Montag hervor. "Wenn ein anderer Hersteller an unsere Tür klopft, werden wir zuhören. Unsere Türen sind immer offen und wir sehen uns alle Möglichkeiten an", führte der Malaysier aus.

Es sei zwar immer noch das oberste Ziel, gemeinsam mit Yamaha weiterzumachen, in Stein gemeißelt ist eine Verlängerung der Zusammenarbeit aber keineswegs: "Wir würden gerne auch weiterhin mit Yamaha zusammenarbeiten, sind aber abhängig davon, was unser Titelpartner (der Petronas-Konzern; Anm.) ab 2022 machen will. Wir werden der Richtung folgen, die sie uns vorgeben."

Denn der malaysische Petro-Milliardenkonzern sorgt für die finanzielle Stabilität, auf der die Erfolge des jungen MotoGP-Rennstalls aufbauen. Für die Zeit ab 2022 gibt es aktuell noch keinen Vertrag, weshalb auch die Verhandlungen mit Yamaha stocken. "Seit Dezember des Vorjahres liegt uns ein Vertragsvorschlag von Yamaha vor, aber vor Mai oder Juni rechne ich nicht mit einer Entscheidung", so Razali.

Zu wenig Respekt von Yamaha

Sportlich war die Verbindung des malaysischen Teams mit Yamaha bislang ein voller Erfolg: Fabio Quartararo holten in den beiden Jahren des Bestehens der Truppe sechs Siege und neun weitere Podestplätze. Sowohl 2019, als auch 2020 war Petronas-Yamaha beste Privat-Mannschaft der Team-WM und stellte jeweils den besten Nicht-Werkspiloten in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Im Vorjahr brachte es Franco Morbidelli sogar zu den Ehren des Vizeweltmeisters.

Doch das malaysische Team und seinem wichtigster Geldgeber fühlen sich von Yamaha nicht respektvoll genug behandelt. "Wir haben Yamaha im vergangenen Dezember erklärt, dass wir uns bei ihnen nur wie ein zahlender Kunde fühlen, aber nicht wie ein echter Partner. Wir haben ihnen auch erklärt, dass wir das Gefühl haben, dass die Initiative zu engerer Zusammenarbeit eher von unserer Seite ausgeht als von deren", so Razali.

Vor allem der Ventilskandal und die daraus resultierenden Punkteabzüge für Hersteller- und Team-Wertung stießen den Malaysiern sauer auf: "Wir haben dadurch am ersten Valencia-Wochenende (dort wurde der nachträgliche Punkteabzug ausgesprochen; Anm.) die Chance auf den Team-Titel verloren und Yamaha jene auf die Konstrukteurs-WM. Leider hat es auf uns so gewirkt, als wären wir darüber aufgebrachter als Yamaha selbst."

Auch hätte man sich für seine beiden Fahrer im Vorjahr mehr Unterstützung erwartet: "Sobald es Upgrades gibt, wollen wir diese künftig schneller bekommen. Wir haben im Vorjahr zwar etwas bekommen, hatten aber den Eindruck, dass das schneller hätte gehen können. So zum Beispiel als Valentino für ein paar Rennen ausfiel und entsprechende Teile verfügbar gewesen wären", stellte Razali klar.

Masterplan oder Rossi-Jointventure?

Da der Rennstall Teams in allen drei Klassen sowie in Nachwuchsserien unterhält, würde Razali sich gerne enger an Yamaha binden und als eine Art Nachwuchsprogramm für den japanischen Hersteller fungieren. Ein ähnliches System unterhält etwa KTM mit dem Rennstall des Finnen Aki Ajo. "Sie sehen sich das genau an und würden natürlich gerne früh Fahrer an die Yamaha-Familie binden", führte Razali aus.

Während die Gespräche mit Yamaha laufen, hat man im Petronas-Team aber auch ein offenes Ohr für jeden anderen potenziellen Partner für die Zukunft. "Wir werden niemandem die Tür vor der Nase zuschlagen", so der Teamvorstand. In der Gunst um die beiden Kundenmotorräder der Japaner könnte mit Valentino Rossi ein Nebenbuhler erwachsen. Der Italiener fährt zwar 2021 für Petronas, bastelt aber an einem eigenen MotoGP-Team.

So stieg seine VR46 Academy bereits im Winter bei Avintia ein und bringt dort Rossis Bruder Luca Marini auf einem von Sky und VR46 gebrandeten Motorrad an den Start. Könnten die Ambitionen des MotoGP-Superstars am Ende gar zu einer Symbiose mit dem Petronas-Team führen? "Wir wären dafür grundsätzlich offen, doch es hängt letztlich davon ab, welche Strategie unser Titelsponsor für die kommenden fünf Jahre haben möchte."

Geld sollte für den Milliardenkonzern in diesem Fall nicht die entscheidende Rolle spielen. Mit den sportlichen Erfolgen hat das Team die beste Visitenkarte abgegeben. Diese beiden Faktoren sollten für Razali genügend Optionen für die Zukunft schaffen - ob mit oder ohne Yamaha.


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