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MotoGP - Andrea Dovizioso und Repsol Honda: Comeback in Katar?

Repsol Honda sucht nach einem Ersatz für den verletzten Marc Marquez, Andrea Dovizioso gilt als heißester Kandidat. Nun spricht sein Manager.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Seit einigen Tagen zeigt sich Marc Marquez auf Social Media wieder beim Training. Sein MotoGP-Comeback nach dem Oberarmbruch im Juli und seither drei Operationen liegt aber noch in weiter Ferne. Die ersten Saisonrennen 2021 wird Marquez mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit versäumen, im allerschlimmsten Fall könnte sogar ein weiterer Totalausfall in diesem Jahr drohen.

Bei Honda sieht man sich deshalb zum Handeln gezwungen, denn Stefan Bradl kann und will man eine weitere Saison mit der Doppelbelastung als Test- und Einsatzfahrer nicht zumuten. Piloten, die den hohen Ansprüchen bei Repsol Honda gerecht werden, sind aber natürlich rar gesät. Männer dieses Kalibers haben ihre Verträge für 2021 bereits in der Tasche. Mit einer Ausnahme: Andrea Dovizioso.

Der Italiener trennte sich mit Ende 2020 ja nach acht gemeinsamen Jahren von Ducati und suchte anschließend noch nach Alternativen für die bevorstehende Saison - vergeblich. Deshalb entschloss sich Dovizioso eigentlich zu einer MotoGP-Auszeit 2021 und wollte sich auf seine zweite große Leidenschaft, den Motocross-Sport, konzentrieren. Durch die verlängerte Zwangspause von Marquez könnte sich das aber nun ändern.

Lockere Gespräche mit Repsol Honda, wo Dovizioso bereits von 2009 bis 2011 unter Vertrag war, soll es bereits gegeben haben. Ein konkretes Angebot liegt noch nicht auf dem Tisch, der dreifache Vizeweltmeister hält sich aber startklar. "Andrea ist bereit, falls der Anruf kommt", verrät Manager Simone Battistella im Gespräch mit 'Sky Italia'. "Er trainiert für Motocross-Rennen auf Amateur-Niveau, aber er macht das mit einer Intensität, als wäre er gerade in der Vorbereitung auf eine volle Saison in der MotoGP. Diese Hingabe und Ernsthaftigkeit machen ihn eben aus."

Battistella zeigt Verständnis für das Zögern von HRC und stellt klar, dass ein Engagement im erfolgreichsten Team der MotoGP-Geschichte für Dovizioso reizvoll wäre: "Es ist logisch, dass man sich bei Honda sehr genau überlegt, wann man Marc zurückholen kann. Sie haben natürlich Angst, in einer so schwierigen Situation Fehler zu machen. Das kommende Monat wird entscheidend sein. Wir haben jedenfalls alle Angebote für eine Testfahrerrolle abgelehnt, um etwas anderes machen zu können - dazu gehört auch eine Rückkehr in die MotoGP-Startaufstellung."

Katar-Test für Andrea Dovizioso?

Angedacht soll nun eine Art Probezeit für Dovizioso sein. Er könnte bei den Testfahrten am Losail International Circuit (6. bis 7. und 10. bis 12. März) auf der Honda RC213V Platz nehmen, womit man Team und Fahrer eine erste Standortbestimmung ermöglichen würde. "Zu einem ersten Kennenlernen und einem Test, wie sich Andrea auf dem Motorrad schlägt, würde ich nicht 'Nein' sagen. Wir sprechen hier immerhin von einem Siegermotorrad und einem Fahrer, der in Katar immer sehr stark war. Diese Kombination würde die Fans sicher begeistern." Zur Erinnerung: Dovizioso gewann die letzten beiden Rennen in Katar - jeweils in einem Showdown, ausgerechnet gegen Marc Marquez."

Dovizioso und Marquez lieferten sich in Katar geniale Duelle - Foto: Repsol

Die Situation bleibt aber auf jeden Fall kompliziert. Denn Dovizioso hat keine Lust, sein mit Unterstützung von Sponsor Red Bull aufgebautes Motocross-Projekt für einzelne Einsätze in der MotoGP sausen zu lassen. Er will wenn dann die gesamte Saison in der Königsklasse bestreiten. Das wiederum würde Honda vor Probleme stellen, sobald Marc Marquez wieder einsatzfähig ist. "Ich erwarte nicht, dass Honda mit Dovi in die Saison startet und dann Mitte des Jahres rauswirft. Die Idee, zusammen mit Pol Espargaro zu beginnen und dann ein drittes Motorrad für Marc hinzuzufügen ist nicht umsetzbar, das hat Carmelo Ezpeleta ja schon klargestellt", sagt Battistella.

Drei Repsol Honda? Dorna winkt ab

Diesen Antrag auf eine Ausweitung des Repsol-Honda-Teams auf drei Maschinen schmetterte der Dorna-Boss bereits ab. In der Vergangenheit gab eine solche Konstellation ja bereits, etwa 2011 mit Dovizioso, Casey Stoner und Dani Pedrosa. Mittlerweile ist das aber durch das Reglement verboten, Honda wird keine Ausnahmegenehmigung bekommen. Eine mögliche Alternative: Dovizioso und Pol Espargaro bilden 2021 das Repsol-Honda-Team, bei einem Comeback von Marc Marquez geht ein zusätzliches Team, gesponsert etwa von seinen persönlichen Partnern wie Tissot, Red Bull oder Oakley, an den Start. Ein Projekt, das aber freilich mit großem Aufwand und einer beträchtlichen Vorlaufzeit verbunden wäre.


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