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MotoGP

MotoGP-Analyse Phillip Island: Vinales zu kurz übersetzt

Maverick Vinales hatte am MotoGP-Wochenende auf Phillip Island nur eine einzige Schwäche: Topspeed. Sein Yamaha-Team machte es ihm im GP zusätzlich schwer.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Was war das für ein überragendes MotoGP-Wochenende von Maverick Vinales - bis zur letzten Runde versteht sich. Er blieb von schwierigsten Wetterbedingungen mit immer wieder einsetzendem Regen, starkem Wind und kühlen Temperaturen völlig unbeeindruckt. In der kombinierten Zeitenliste der ersten drei Trainings brachte er 0,496 Sekunden zwischen sich und den Rest des Feldes, im auf Sonntag verschobenen Qualifying waren es sogar 0,551 und im Warm-Up 0,671.

Eine Dominanz, wie man sie sonst eigentlich nur von Marc Marquez kennt. Der Unterschied: Liegt Marquez in Training, Qualifying und Warm-Up bereits so weit voraus, dann kann ihm im Rennen niemand die Stirn bieten. Er fährt auf und davon, wie wir es in dieser Saison schon so oft erleben durften - oder mussten.

Doch am Sonntag auf Phillip Island stand am Ende nicht der scheinbare Dominator Vinales ganz oben am Podium, sondern einmal mehr Marquez. Wie war das möglich? Unsere Rennanalyse liefert die Antwort.

Yamaha bremst Vinales ein

Vinales' fahrerische Leistung im Rennen auf Phillip Island war um nichts schlechter als das, was er zuvor in Trainings, Qualifying und Warm-Up gezeigt hatte. Kein anderer Fahrer im Feld hatte seine Pace - auch nicht Marquez. Das musste der Repsol-Honda-Star nach dem Rennen offen zugeben: "Maverick war heute klar schneller als ich."

Vinales konnte sich vom zehnten Umlauf an - da lagen er und Marquez erstmals auf den ersten beiden Positionen - Runde für Runde in den Kurven einen Polster herausfahren, büßte den aber stets gegenüber Marquez auf der 900 Meter langen Start-Ziel-Geraden ein. Dass die Yamaha M1 der Honda RC213V in der Saison 2019 in puncto Topspeed klar unterlegen ist, ist keine Neuigkeit. Es scheint aber so, als hätte man den Unterschied von Seiten Yamahas deutlicher ausfallen lassen, als das nötig gewesen wäre.

Vinales' Rennen endete im Kies von Turn 10 - Foto: LAT Images

Denn ein Blick in die Topspeed-Werte von Vinales offenbart eine sehr ungewöhnliche Konstanz. Von Runde zehn bis 16 fuhr er jedes Mal exakt 333,4 km/h. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um einen Zufall handelt, geht gegen null. Viel eher hat Vinales' Crew wohl die Übersetzung seiner Yamaha zu kurz gewählt und 333,4 Stundenkilometer waren die schnellste Geschwindigkeit, die Vinales im Rennen erreichen konnte. Zum Vergleich: Marquez erreichte im GP 342,9 km/h.

Die richtige Übersetzung zu wählen, gestaltete sich an diesem Wochenende auf Phillip Island auch nicht ganz einfach. Denn der teils starke Wind drehte oft mehrmals täglich völlig. Gut möglich, dass er im Rennen aus einer Richtung kam, die man bei Yamaha so nicht erwartet hatte und somit Topspeeds möglich wurden, für die man nicht gerüstet war.

Yamaha-Schwäche ermöglicht Marquez den Sieg

Nur so konnte Marquez wohl überhaupt den Anschluss an Vinales halten. "Hätte Maverick eine Lücke von einer halben Sekunde aufreißen können, wäre das Rennen gelaufen gewesen", war der Weltmeister immerhin selbst überzeugt. "Ich konnte heute nur im Windschatten mithalten." So aber konnte Marquez in der letzten Runde mit Leichtigkeit auf der Gerade an Vinales vorbeifahren, nachdem er in den vorangegangenen Umläufen aus taktischen Gründen noch sichtlich zurückgesteckt hatte. Vinales Verzweiflungsangriff in Turn 10, der schließlich zum Sturz führte, ist in Anbetracht dieser Umstände durchaus verständlich. Ein Rennen mit derart überlegener Pace durch einen Kampf mit stumpfen Waffen zu verlieren, schmerzt einem Vollblut-Racer ungemein.


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