MotoGP

MotoGP - Marc Marquez: Der Schnellste gewinnt nicht immer

Marc Marquez war auf Phillip Island deutlich langsamer als Maverick Vinales, holte dennoch den MotoGP-Sieg. Er verrät seine Strategie im Australien-GP.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Marc Marquez feierte auf Phillip Island seinen fünften MotoGP-Erfolg in Serie. Zum dritten Mal in dieser Phase fiel die Entscheidung erst in der letzten Runde. Nach zwei erfolgreichen Duellen mit Fabio Quartararo in Misano und Thailand war in Australien dessen Yamaha-Kollege Maverick Vinales Marquez' großer Gegenspieler.

Vinales hatte das gesamte Wochenende über brilliert. Er war schnellster Mann in den Freien Trainings und holte im auf Sonntag verschobenen Qualifying die Pole Position mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung, Marquez fehlten als Dritter bereits über sieben Zehntel.

Auch im Rennen hatte Vinales die beste Pace - und doch hieß der Sieger am Ende Marc Marquez, während sich Vinales in der letzten Runde im Kiesbett von Kurve zehn wiederfand. Er war bei einem Angriff auf Marquez im Kampf um den Sieg gestürzt. "Maverick war heute klar schneller, aber der schnellste Fahrer gewinnt nicht immer", meinte Marquez im Anschluss.

Marquez liefert taktisches Meisterwerk

Wie aber konnte Marquez Vinales auf Phillip Island knacken? Das Rennen begann turbulent. Am Ende des ersten Umlaufs lagen die beiden späteren Rivalen um den Sieg nur auf den Rängen vier (Marquez) und sechs (Vinales), während Valentino Rossi, Cal Crutchlow und Andrea Iannone Führungskilometer sammelten. Dann machten die beiden Spanier aber Boden gut, in Runde zehn übernahm Vinales die Spitze.

Und der Yamaha-Star zog die Pace direkt an, legte ein Höllentempo vor. Das zwang Marquez zu einem knallharten Manöver inklusive Berührung gegen Honda-Kollege Crutchlow. "Das war der entscheidende Moment", rechtfertigt sich Marquez. "Mir war klar, dass Maverick an der Spitze sofort Vollgas geben würde. Und genau so war es dann auch. Er ist niedrige 1:29er-Zeiten gefahren - das ist mir gerade einmal im Qualifying gelungen! Ich wusste, dass ich nur dann eine Chance auf den Sieg habe, wenn ich in dieser Phase im Windschatten bleiben kann. Also bin ich auch volles Risiko gegangen. Ich war wirklich am Limit. Wenn ich nicht sofort an Cal vorbeigekommen wäre und Maverick eine halbe Sekunde Vorsprung gehabt hätte, dann wäre das Rennen vorbeigewesen."

Vinales warf den möglichen Sieg weg - Foto: LAT Images

Marquez überstand aber den Zwischensprint von Vinales und konnte den Anschluss halten: "Ich habe dann angefangen, mein Süppchen für den Sieg zu kochen. Ich habe Maverick analysiert und versucht, den Zustand der Reifen zu verstehen." Der war bei beiden Fahrern in den letzten Runden katastrophal, aber Marquez konnte die überlegene Motorleistung seiner Honda ausspielen. "Mein Plan war, ihn auf der Geraden zu überholen und dann überall die Türen zuzumachen, denn im zweiten und dritten Sektor war Maverick viel stärker als ich. Er konnte die Linie dort perfekt halten, während ich viel mehr gerutscht bin", erklärt Marquez.

So kam Vinales in der letzten Runde mit etwas Tempoüberschuss hinter Marquez auf die vorentscheidende Kurve zehn zu. Dort unterlief dem Vorjahressieger aber der entscheidende Fehler und er landete mit seiner Yamaha im Kies. "Dass er gestürzt ist, habe ich nicht mitbekommen. Ich glaube aber, dass ich in noch einmal überholen hätte können, wenn er in Turn 10 an mir vorbeigegangen wäre", so Marquez. Dieser finale Konter war allerdings nicht mehr notwendig.


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