MotoGP

MotoGP-Streit: Honda führt FIM mit neuem Flügel vor

Im MotoGP-Streit um Ducatis Schwingen-Spoiler setzt Honda in Argentinien auf Aktionismus und führt die Regelhüter der FIM vor. Was ist passiert?
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Der Konflikt um Ducatis Schwingen-Spoiler wurde am Freitag um eine kuriose Facette reicher. Honda setzte mit einer gut durchdachten Aktion ein Statement gegen die aktuell gültigen MotoGP-Regelungen und führte die Regelhüter der FIM damit vor.

Wie sich vor dem 1. Training im Paddock herumsprach, hatten die HRC-Ingenieure dem Technischen Direktor Danny Aldridge am Donnerstag eine eigene Version des neuen Flügels vorgelegt. Als der Brite nach dem Nutzen des Teils fragte, gaben die Japaner bekannt, dass es Abtrieb generiere. Da genau das für Schwingen-Anbauteile laut MotoGP-Reglement verboten ist, bekam HRC keine Freigabe.

Am Freitag legte Honda nach dem Ende der Trainings die Konstruktion noch einmal vor, diesmal aber mit der Angabe, dass es der Kühlung des Hinterreifens diene. Aufgrund dieser Argumentation wurde Ducatis Flügel in Katar von Aldridge genehmigt und in zwei weiteren Instanzen offiziell für legal erklärt.

Honda führt FIM vor

Aldridge musste daher auch den Honda-Flügel freigeben, den er am Tag zuvor noch ablehnen musste. Honda schlägt mit diesem Aktionismus zwei Fliegen mit einer Klatsche: Einerseits darf man den Schwingen-Spoiler ab sofort einsetzen, andererseits zeigte man die Unzulänglichkeit der FIM-Methoden auf.

Demnach entscheide nämlich lediglich die Argumentation der Teams über den Nutzen von Teilen und nicht deren tatsächliche Auswirkung. Auf ihre aerodynamischen Auswirkungen wurde bislang nämlich keiner dieser Spoiler überprüft, was direkt vor Ort an der Strecke technisch auch kaum machbar ist.

Selbst Gigi Dall'Igna gab am Donnerstag in Argentinien zu, dass die Konstruktion gewisse aerodynamische Effekte habe, spielte diese aber herunter: "Alle Teile, die den Luftstrom leiten, generieren eine Form von Abtrieb, das ist klar. In unserem Fall sind das aber nur drei bis vier Newton, also rund 300 Gramm, bei einem Tempo von 180 km/h."

"Beim Katar-Test haben wir aber gesehen, dass wir die Temperatur am Hinterreifen dadurch um durchschnittlich sieben Grad senken können", so Dall'Igna weiter. "Und nach unserer Meinung kann das entscheidend für die Performance im Rennen sein." Diese Argumentation musste Ducati vergangene Woche vor dem FIM Court of Appeal mit Aufzeichnungen untermauern - und bekam letztlich Recht.

Dall'Igna kritisiert FIM-Prozess

Neben den Berufungsrichtern waren dort aber auch die vier Protestparteien Honda, Suzuki, KTM und Aprilia anwesend. Dall'Igna unterstellte seinen Konkurrenten daher, von den im Prozess vorgelegten Daten zu profitieren: "Wir mussten vor dem Court of Appeal etwas über unser Knowhow preiszugeben - aber nicht nur vor den Richtern, sondern auch vor unseren Gegnern. Ich denke, das ist nicht fair."

Honda könnte nun als erster Rivale bereits ab Samstag die neue Konstruktion einsetzen. Dass die anderen Hersteller folgen, ist wohl nur eine Frage der Zeit. In die Bredouille brachte die Causa aber vor allen den Technischen Direktor Danny Aldridge, der sich in Argentinien in einem Interview mit dem offiziellen MotoGP-Livestream zu verteidigen versuchte.

"Ducati kam in Katar zu mir und sagte, dass sie ein Teil zur Kühlung des Hinterreifens entwickelt hätten. Sie führten es mir vor, ich untersuchte es und meiner Meinung nach hatte es genau den Effekt, den sie angegeben hatten: in erster Linie Kühlung", so Aldridge, der sich nun in Argentinien die Blöße geben musste, ein und dasselbe Teil zunächst abzuweisen und dann zuzulassen, nachdem Honda einen anderen Zweck dafür angegeben hatte.

Die FIM ist nun wohl zum Überdenken ihrer Entscheidungsprozesse gezwungen.


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