MotoGP

MotoGP-Analyse: Warum Yamahas Krise noch nicht überwunden ist

Maverick Vinales und Valentino Rossi waren im Thailand-GP bis zur Zielflagge in Schlagdistanz zum Sieger. Ist Yamahas MotoGP-Krise damit vorbei? Mitnichten.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Es war eine wundersame Auferstehung, die Yamaha am ersten MotoGP-Wochenende der Geschichte in Thailand feierte. Zwei Wochen zuvor hatte man in Aragon eines der schlimmsten Debakel der jüngeren Vergangenheit hinnehmen müssen, als Valentino Rossi als bester Yamaha-Pilot mit über 15 Sekunden Rückstand auf Sieger Marc Marquez als Achter ins Ziel kam.

In Thailand mischte man plötzlich voll im Kampf um den Sieg mit. Vor der letzten Kurve lagen Vinales und Rossi direkt hinter Marquez und Andrea Dovizioso, Vinales fehlten am Ende nur 0,270 Sekunden zum vollen Erfolg. Ein gewaltiger Sprung nach vorne, der von außen kaum zu erklären war. Und auch Yamaha-intern hatte man, glaubt man den Aussagen der Fahrer und der Teamführung, keine Ahnung, wie es zum spontanen Fortschritt kam.

Buriram eigentlich keine Yamaha-Strecke

Im Vorfeld hatte man in Thailand schließlich mit einem besonders schwierigen Rennwochenende für Yamaha gerechnet. Das Streckenlayout mit drei langen Geraden, denen jeweils langsame Kurven vorangehen, war auf dem Papier Gift für die an Beschleunigungsproblemen leidende M1. Diese Vermutung bestätigte sich auch in den Wintertests, die für Yamaha mit den Rängen acht für Vinales und zwölf für Rossi wenig erfreulich endeten. Hinzu kamen am Rennwochenende die extrem hohen Temperaturen, die im Normalfall für schlechteren Grip sorgen und somit die Probleme Yamahas verstärken.

Wie war es also möglich, dass sich Yamaha entgegen aller Erwartungen im Thailand-Grand-Prix wesentlich stärker präsentierte als in den vorangegangen Rennen? Es dürfte sich um eine Verknüpfung mehrere Umstände handeln. Zum einen brachte Michelin einen neuen Hinterreifen nach Thailand. Dieser unterscheidet sich im Aufbau von den normalerweise verwendeten Pneus und sollte den hohen Asphalttemperaturen in Buriram besser standhalten.

Sorgte Michelins Hinterreifen für den Yamaha-Fortschritt? - Foto: Tobias Linke

Dieser Hinterreifen bot völlig andere Fahreigenschaften, was massive Setupumstellungen an allen Motorrädern nötig machte. "Wir mussten uns daran anpassen und die Abstimmung ziemlich stark verändern", bestätigte auch Rennsieger Marc Marquez. Michelins Thailand-Hinterreifen verschob also das Kräfteverhältnis beziehungsweise ebnete es an. Dieses Modell wird an den kommenden Rennwochenenden aber nicht mehr zum Einsatz kommen, Yamaha kann sich also nicht auf weitere "Unterstützung" aus dem Hause Michelin hoffen.

Wo war der Moto2-Gummi?

Yamaha zeigte zuletzt oft am Freitag und Samstag ordentliche Leistungen, im Rennen am Sonntag wurden aber alle Hoffnungen wieder zerstört. Als Grund hierfür wurden die veränderten Streckenbedingungen im Rennen ausgemacht. Freitag und Smastag fährt jeweils die Moto3 direkt vor der MotoGP, am Sonntag ist es die Moto2. Die Maschinen der mittleren Klasse legen durch ihren von starken Slides geprägten Fahrstil eine Menge Gummi auf den Asphalt. Der Abrieb der in der Moto2 verwendeten Dunlop-Reifen verträgt sich nicht ideal mit den Michelin-Pneus der MotoGP, weshalb die Königsklasse am Sonntag regelmäßig über schlechteren Grip als an den Vortagen klagt.

In Thailand bereitete der Moto2-Gummi Yamaha weniger Probleme - Foto: Tobias Linke

Yamaha leidet bei schlechterem Grip immer mehr als die Konkurrenz, egal welchen Grund die geringere Bodenhaftung hat. Der Grand Prix von San Marino Anfang September in Misano war eines dieser Wochenenden, an dem Yamaha nach einem guten Samstag einen schwachen Sonntag erlebte. Damals wirkte sich der Moto2-Abrieb im MotoGP-Rennen extrem stark aus, wie eine Analyse der Rundenzeiten aus dem vierten Freien Training am Samstag und dem GP am Sonntag zeigt. Die beiden Sessions gingen bei praktisch identen Wetterverhältnissen über die Bühne, beide Male schien die Sonne, die Asphalttemperatur war am Sonntag mit 41 Grad lediglich ein Grad höher als am Samstag. Dennoch fiel die Pace der Yamahas im Rennen um sechs Zehntelsekunden gegenüber FP4 ab, während die Konkurrenz im Spitzenfeld die Rundenzeiten vom Samstag bestätigen konnte. Ein ähnliches Bild bot sich zwei Wochen später in Aragon. Die Spitze verlor im Rennen nur eine Zehntelsekunde auf die FP4-Zeiten, Yamaha sechs Zehntel.

In Thailand fiel die Pace von Rossi und Vinales um rund drei Zehntel ab, ebenso aber die der anderen Spitzenfahrer wie Marc Marquez oder Andrea Dovizioso. Die Yamahas waren in Buriram also nicht wirklich schneller als an den Rennwochenenden davor, sie erlebten am Sonntag nur keinen Abfall gegenüber der Pace am Samstag.

Die Yamaha M1 ist ein gutes Motorrad, wenn alle Parameter stimmen. Das Grip-Niveau darf weder zu hoch noch zu niedrig sein, die Kurven weder zu lang noch zu scharf. In Buriram scheint man genau diese passenden Rahmenbedingungen vorgefunden zu haben. Es darf aber bezweifelt werden, dass das auch in Motegi, Sepang oder Valencia der Fall sein wird. Entscheidende Updates an der M1 gab es vor dem Thailand-GP keine, das stellte man bei Yamaha klar. Ein erneuter Rückfall an den kommenden Rennwochenenden ist zwar nicht garantiert, zumindest aber zu befürchten.


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