MotoGP

MotoGP-Magerwahn: Piloten specken immer mehr ab

Die MotoGP ist zu einem Kampf um Tausendstelsekunden geworden. Und damit auch zu einem Kampf gegen jedes Gramm Gewicht. Eine Analyse zum Magertrend.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die Zeiten der großen Dominanz einzelner Fahrer oder Hersteller ist in der MotoGP vorbei. In den vergangenen Jahren rückte das Feld immer enger zusammen. Am zweiten Testtag zur Saison 2018 in Sepang lagen die Top-20 innerhalb von rund 1,5 Sekunden, jeder der sechs Hersteller hatte mindestens ein Motorrad unter den ersten 14.

Mit der Einführung von Einheitselementen - etwa bei den Reifen oder der Elektronik - wurde den großen Werken nach und nach die Möglichkeit, sich hier einen Vorteil zu verschaffen. Logisch, dass man so auf der Suche nach anderen Bereichen ist, in denen man sich gegenüber der Konkurrenz ein paar wertvolle Sekundenbruchteile pro Runde erarbeiten kann.

MotoGP-Feld sucht Zeitersparnis durch Gewichtsreduktion

Das neue Zauberwort lautet: Gewicht. Natürlich ist die Suche nach dem leichtest möglichen Paket im Motorradsport nicht neues. Für die Bikes selbst gilt aktuell in der MotoGP ein Mindestgewicht von 157 Kilogramm, das nicht unterschritten werden darf. Etwaige Unterschiede im Gewicht der Fahrer werden aber nicht berücksichtigt beziehungsweise ausgeglichen, was natürlich zu wesentlichen Vor- oder Nachteilen führen kann.

Leichtester Fahrer im Feld ist seit langer Zeit Dani Pedrosa. Der Repsol-Honda-Pilot kommt bei einer Körpergröße von nur 160 Zentimetern auf rund 50 Kilogramm Körpergewicht. Der 1,80 Meter große und noch dazu vom Körperbau her deutlich bulligere Danilo Petrucci etwa brachte hingegen in den vergangenen Jahren um die 77 Kilogramm auf die Waage - enormer zusätzlicher Ballast also, den der Italiener mit sich auf dem Motorrad herumschleppen musste.

Der kleine Dani Pedrosa bringt nur gut 50 Kilogramm auf die Waage - Foto: Ronny Lekl

Dieses höhere Gewicht macht sich aber nicht nur bei Beschleunigung und Topspeed bemerkbar, sondern führt auch zu anderen Problemen. Durch mehr Ballast, den die Fahrer durch ihre Bewegungen ja auch gezielt in Richtung Front oder Heck bewegen, wird etwa mehr Energie an die Reifen weitergegeben, was in weiterer Folge zu mehr Verschleiß führt. Eine Beobachtung, die Petrucci etwa im Vorjahr mehrmals machen musste, wenn er in den Schlussphasen der Rennen mit stark in Mitleidenschaft genommenen Michelin-Pneus nicht mehr das Tempo seiner Konkurrenten gehen konnte.

Danilo Petrucci und Cal Crutchlow unter den Abnehmern

Deshalb baute Petrucci über den Winter deutlich Gewicht ab, wirkte bei den Testfahrten in Sepang schon rein optisch deutlich schlanker. Auch der muskulöse Cal Crutchlow speckte satte sechs Kilogramm ab, der großgewachsene Scott Redding rund vier Kilo. Genaue Zahlen, wie stark sich Gewichtsersparnis in den Zeiten niederschlägt, gibt es in der MotoGP noch nicht. In der Formel 1, wo die Fahrer in den vergangenen Jahren ebenfalls immer leichter wurden und Weltmeister Lewis Hamilton aus Gewichtsgründen zuletzt sogar auf eine Trinkflasche verzichtete, rechnet man aber je nach Strecke mit 0,02 bis 0,04 Sekunden Zeitersparnis pro eingespartem Kilogramm. Im Rennen kann sich das also auf gut und gerne zwei Sekunden summieren, was am Ende den entscheidenden Unterschied ausmachen kann.

Danilo Petrucci hat sichtlich an Masse verloren - Foto: Ronny Lekl

Danilo Petrucci konnte jedenfalls bei den Sepang-Tests bereits feststellen, dass ihm seine Abnehmkur auf der Suche nach geringerem Reifenverschleiß, vor allem am Hinterrad, hilft. "Die Daten zeigen eindeutig, dass hier der Unterschied zu Dovi oder Jorge kleiner geworden ist", verrät Petrucci nach einem Blick auf seine Ducati-Kollegen Andrea Dovizioso und Jorge Lorenzo. "Weniger Gewicht zu haben, ist hier also offensichtlich ein Vorteil."

Freilich ist die Suche nach jedem Gramm Körpergewicht aber auch ein zweischneidiges Schwert. Denn wenn einer der aktiven MotoGP-Piloten an Gewicht verliert, dann bedeutet das praktisch immer, dass er Muskelmasse abbauen musste - Fett sucht man am Körper der Fahrer nämlich ohnehin vergebens. Wird ein Pilot also irgendwann zu dünn, kann das auf Kosten von Kraft und Kondition gehen. Und dann kann es ganz schnell gefährlich werden. Vor allem, wenn die Fahrer nach gut zwei Monaten Winterpause wieder auf dem Motorrad sitzen und bei weit über 30 Grad und tropischer Luftfeuchtigkeit in Sepang bis zu 70 Runden am Tag drehen müssen.

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