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Erklärt: Wie MotoGP-Fahrer Gänge als Traktionskontrolle nutzen

Die MotoGP-Bikes sind mit komplexen Traktionskontrollen bestückt. Manchmal nutzen die Fahrer aber auch einen Trick, um Wheelspin in den Griff zu kriegen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die aktuellen Maschinen der MotoGP leisten rund 270 PS. Diese gewaltige Motorpower müssen am Hinterrad auf einer Auflagefläche, die in etwa so groß wie eine Kreditkarte ist, kontrolliert werden. Eine Aufgabe, die ohne elektronische Fahrhilfen nicht zu bewältigen wäre. Deshalb sind die Motorräder der Königsklasse mit Traktionskontrollen ausgestattet, die individuell abgestimmt werden können und somit ein übermäßiges Durchdrehen des Hinterrads verhindern soll.

In gewissen Streckenpassagen, wo die MotoGP-Bikes zu besonders viel Wheelspin neigen und es auch das Layout zulässt, bedienen sich die Fahrer der Königsklasse aber gerne auch eines Tricks, um ihr Hinterrad unter Kontrolle zu halten. Paradebeispiel hierfür: Turn 13 in Valencia. Die vorletzte Kurve der Strecke ist ein extrem langgezogener Linksbogen, der noch dazu zunächst über einen Hügel hinauf und dann wieder hinunter führt. Hier drehen die Hinterräder gerne durch, wie in vielen Zeitlupenstudien immer wieder eindrucksvoll zu sehen ist.

Was machen nun die MotoGP-Fahrer abgesehen von ihrer elektronischen Traktionskontrolle, um dieses Problem in den Griff zu bekommen? Sie legen einen 'Shortshift' ein. Das bedeutet, dass die Piloten nicht wie sonst, logischerweise, die Gänge voll ausdrehen um die maximale Leistung abrufen zu können. Stattdessen schalten sie einen Gang blitzschnell durch und kommen so mit niedrigerer Drehzahl in die Kurve.

So bewältigen die MotoGP-Piloten Valencias Turn 13

Nehmen wir den erwähnten Turn 13 am Circuito Ricardo Tormo von Valencia als Beispiel. Vor der schnellen Linkskurve müssen die Fahrer einen echten Rechtsknick bewältigen. Dies geschieht im zweiten Gang. Nun beschleunigen sie hin und durch Turn 13, würden bei einem normalen Schaltvorgang den dritten Gang also weit ausdrehen. Stattdessen wird aus dem dritten Gang so schnell wie möglich in den vierten weitergeschalten, die Drehzahl fällt ab und der MotoGP spricht weniger giftig auf das Öffnen des Gashahns an.

Somit kann der Fahrer ohne übermäßiges Durchdrehen des Hinterrades die Maschine mit dem Gas exakt durch die Kurve steuern und nur das gewünschte Ausmaß an Wheelspin erreichen. Etwas mehr Rotationen am Hinterrad sind von den Piloten nämlich durchaus gewünscht, um das Heck des Motorrads in einen leichten Slide zu versetzen und so die Kurve quasi 'abkürzen' oder auf einer engeren Linie nehmen zu können.


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