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MotoGP / Interview

MotoGP Interview - Alex Hofmann: Dovizioso hat leichteren Job

Andrea Dovizioso kommt mit großem Rückstand auf Marc Marquez zum MotoGP-Finale in Valencia. Für Alex Hofmann ist seine Position dennoch angenehmer.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Alex, Marc Marquez kommt mit 21 Punkten Vorsprung auf Andrea Dovizioso nach Valencia. Du warst selbst Rennfahrer, hast um Titel gekämpft und diese auch gewonnen. Welcher der beiden WM-Anwärter ist in der angenehmeren Situation?
Alex Hofmann: In der Kategorie darf ich da leider nicht mitreden, aber es ist klar, dass sich sowohl Marc als auch Dovi in einer ganz speziellen Position befinden. Dovi hat theoretisch den leichteren Job. Er kann nur All-In-Gehen und muss auf Sieg fahren, der Rest liegt nicht in seinen Händen. Marc hingegen muss mehrere Faktoren berücksichtigen. Das ist schwierig für ihn, weil er eben ein echtes Rennbiest ist und genetisch auf Siege gepolt ist. Nun kommt er vielleicht in die Situation, dass er etwas kalkulieren muss. Dann ist er nicht der Marc Marquez, der er normal ist. Das könnte es interessant machen.

Kann ein Marc Marquez überhaupt auf ein Ergebnis wie einen elften Platz, der ihm ja reichen würde, fahren?
Alex Hofmann: Ja, ich denke schon, dass er sich so gut kontrollieren kann. 2015 hat er sich beim Finale hier in Valencia hinter Jorge Lorenzo ja auch sehr gut im Griff gehabt. Ich traue ihm schon zu, dass er das nach Hause fährt. Er ist für mich der große Favorit und muss es nur schaffen, dass er sein Adrenalin auf dem richtigen Level hält. Dann sollte eigentlich nichts anbrennen, aber es ist natürlich Rennsport und da kann immer alles passieren. Es fahren ja auch noch über 20 andere Piloten mit, die indirekt ein Wörtchen mitreden können. Vielleicht kriegt Yamaha die Reifen ja wieder einmal in das Arbeitsfenster und Rossi oder Vinales kämpfen um den Sieg. Das könnte noch einmal eine Brise Chili in der Suppe sein. Es wird ein großes Finale, der letzte Tango!

Wie stark schätzt du Dovizioso und Ducati in Valencia überhaupt ein?
Alex Hofmann: Auf dem Papier ist es eine schwierige Strecke für Ducati, deshalb wird es wohl schwierig für Dovi. Ich hoffe aber, dass die Desmosedici in Valencia dennoch gut performt. Wir haben in dieser Saison ja auch schon gesehen, dass Ducati auf für sie bislang schlechten Strecken stark war. Außerdem haben sie in Valencia 2006 und 2008 auch schon gewonnen. Leicht wird es aber sicher nicht.

Hat Marquez einen Vorteil, weil er schon oft um einen MotoGP-Titel gekämpft hat? Für Dovizioso ist das ja eine völlig neue Erfahrung, er kennt das nur aus den kleineren Klassen.
Alex Hofmann: Ja, klar. Dovi muss schon weit in die Vergangenheit gehen, um dieses Gefühl abzurufen. Er ist aber wie gesagt in einer Ausgangsposition, in der er nichts zu verlieren hat. Deshalb glaube ich, dass er das sehr nüchtern und entspannt sieht. Und das kann er auch! Während er also relaxt sein kann, lastet zusätzlicher Druck auf Marc. Er kann es versemmeln. Er kann diesen Elfmeter verschießen. Dovi steht im Tor und hat nichts zu verlieren, kann nur versuchen in die richtige Ecke zu springen.

Marquez hat ja auch gemeint, dass es für Dovizioso und Ducati schon ein toller Erfolg wäre, Vizeweltmeister zu werden. Für ihn zählt aber nur der WM-Titel. Siehst du das auch so? Können Ducati und Dovizioso mit dem zweiten Rang in der Gesamtwertung zufrieden sein?
  Alex Hofmann: Natürlich, das hätte ja niemand erwartet, dass dieses Paket aus Desmosedici und Dovizioso in dieser Saison so gut funktioniert. Für sie war es eine herausragende Saison, wenn man sie mit den letzten Jahren vergleicht. Sie sind auf einem guten Weg. Man muss aber auch sagen, dass sie jetzt nur noch um den Titel kämpfen, weil Marc mit seiner Honda in Silverstone einen Motorschaden hatte. Wäre das nicht passiert, hätten wir schon eine vorzeitige Entscheidung gehabt.


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