MotoGP

MotoGP-Finale: Die spannendsten WM-Entscheidungen der Historie

Marc Marquez, Valentino Rossi, Mick Doohan, Giacomo Agostini - sie alle mussten schon in einem Final-Kracher der MotoGP antreten. Ein Rückblick:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Zwischen Marc Marquez und Andrea Dovizioso geht es beim MotoGP-Finale in Valencia um den WM-Titel 2017. Die vergangenen 17 Rennen brachten keine Entscheidung, so geht Marquez mit 21 Punkten zwar mit einem soliden Vorsprung in den letzten Lauf des Jahres, doch ein Finale kann noch einmal alles drehen, wie die Vergangenheit zeigte.

In den 68 bisherigen Saisons der Motorrad-WM wurde der Titel 16 Mal erst im letzten Rennen entschieden. Motorsport-Magazin.com mit einem Blick in die Geschichtsbücher:

1950, '52 & '57: Die Anfänge der WM

1949 gegründet, entschied sich die Motorrad-Weltmeisterschaft im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens nur dreimal beim Saisonfinale. 1950 und 1952 kam jeweils der Italiener Umberto Masetti mit einer knappen Führung als WM-Leader zum letzten Rennen. Seine schärfsten Herausforderer gewannen: 1950 Geoff Duke und 1952 Leslie Graham, doch Masetti kam beide Male als Zweiter ins Ziel und rettet jeweils einen kleinen Punktevorsprung zum Titelgewinn. 1957 ging es etwas kurioser zu: Libero Liberati kam als Verfolger des Briten Bob McIntyre zum Finale in Monza, das er gewann und sich so den Titel sicherte. Da nach Saisonende eine in Spa ausgesprochene Disqualifikation aufgehoben wurde, wäre Liberati durch diese Entscheidung aufgrund der damals noch vorhandenen Streichresultate aber bereits vor dem Finale Weltmeister gewesen.

1967 & 1968: Agostini vs. Hailwood

Der Italiener Giacomo Agostini gegen den Briten Mike Hailwood war das Duell der späten Sechzigerjahre in der Motorrad-WM. 1967 sorgte die Regelung der Streichresultate für ein Knüller-Finale: Agostini kam war mit vier Punkten Vorsprung nach Monza, konnte dort aber maximal noch zwei Punkte sammeln, während Hailwood aufgrund vieler Ausfälle noch die Chance auf bis zu acht Zähler hatte. Die Ausgangslage war somit klar: Wer gewinnt, wird Weltmeister. Tatsächlich duellierten sich die beiden Asse lange um den Sieg, ehe Hailwoods Honda mit einem Defekt ausfiel und Agostini seinen ersten 500cc-Titel bejubeln durfte.

1967 war es ähnlich spannend: Agostini kam mit nur zwei Punkten Vorsprung auf Hailwood ins kanadische Mosport, wo der Brite prompt das Finale gewann. Somit waren beide punktegleich und kamen mit je fünf auf die gleiche Anzahl an Saisonsiegen. Agostini gewann letztlich den Titel, weil er einen zweiten Platz mehr als Hailwood geholt hatte, dem erneut zu viele Ausfälle die WM kosteten.

Zwei der Größten aller Zeiten duellierten sich zwei Jahre hintereinander beim Finale: Hailwood vs. Agostini - Foto: MotoGP

1975: Agostinis letzter Kampf

1975 war Hailwood längst in Rente, als Langzeit-Dominator Agostini seine letzte erfolgreiche Schlacht schlug. Nach sieben Titeln in Folge war der Italiener 1973 und 1974 in der WM geschlagen worden. Doch 1975 sollte er beweisen, dass er seine Erfolge nicht nur seiner legendären MV Agusta zu verdanken hatte. Agostini kam auf seiner Yamaha mit einem soliden Vorsprung zum Finale nach Brünn. Dort siegte zwar sein Nachfolger bei MV Agusta und der Weltmeister der beiden vorangegangenen Jahre - Phil Read. Doch Agostini brachte ungefährdet Platz zwei ins Ziel und stemmte seine achte und letzte 500cc-Trophäe in die Höhe.

1978-'80: Der dreifache Roberts

Kenny Roberts ging nicht nur als erster Motorrad-Weltmeister aus den USA in die Geschichte ein, sondern auch als erster Rookie, der am Ende seiner Debütsaison den WM-Titel gewinnen konnte. Roberts brachte sogar das Kunststück zustande, dreimal in Folge im Titelkampf zu triumphieren. Allerdings machte er es jedes einzelne Mal spannend und stand jeweils erst nach dem Finale als Gesamtsieger fest.

1978 reichte ihm im Duell mit dem amtierenden Champion Barry Sheene ein dritter Platz auf der Nürburgring-Nordschleife, da er den Briten direkt hinter sich halten konnte. 1979 reichte Roberts in Le Mans ebenfalls Rang drei, weil sein einziger verbliebener Herausforderer - Suzukis Virginio Ferrari - in Führung liegend stürzte. 1980 schließlich fuhr Roberts sogar mit einem vierten Platz beim Finale auf der Nordschleife den Titel ein und ließ damit seinem Landsmann Randy Mamola keine rechnerische Chance.

1981: Die Leiden des Randy Mamola

1980 sollte aber nicht die einzige Finalniederlage Mamolas bleiben. Auch im Folgejahr kam der US-Amerikaner als Underdog zum letzten Saisonrennen, das diesmal im schwedischen Anderstorp stattfand. WM-Leader Marco Lucchinelli hätte zwar ein fünfter Platz genügt, doch der Italiener wurde nur Neunter und holte somit nur zwei Punkte. Mamola führte anfänglich zwar, fiel dann bei einsetzendem Regen aber zurück und holte am Ende mit P13 sein schlechtestes Saisonergebnis. Nach seinen beiden Finalpleiten sollte sich der vierfache 500cc-Vizeweltmeister nie wieder im letzten Saisonrennen noch im Titelkampf befinden.

1981 schnappte Marco Lucchinelli Randy Mamola den Titel weg - Foto: MotoGP

1983: Spencer vs. Roberts

Grünschnabel gegen Altmeister, Honda gegen Yamaha, Freddie Spencer gegen Kenny Roberts. So lautete das packende Duell des Jahres 1983. Das Duo hatte alle der elf vorangegangenen Rennen gewonnen und Spencer kam mit fünf Punkten Vorsprung zum Finale nach Imola. Roberts brauchte Schützenhilfe und versuchte deshalb in Führung liegend den hinter ihm fahrenden Spencer einzubremsen, sodass etwa Roberts-Teamkollege Eddie Lawson den Jungspund noch abfangen könnte. Doch die Versuche des dreifachen Weltmeisters scheiterten. Er siegte zwar, hatte am Ende aber zwei Punkte weniger als Spencer auf dem Konto, der sich mit nur 21 Jahren zum damals jüngsten Weltmeister der Geschichte krönte.

1989: Lawson vs. Rainey

Die USA dominierten die Motorrad-WM in den Achtzigerjahren. 1989 kam Eddie Lawson mit 15,5 Punkten Vorsprung auf Wayne Rainey zum Finale ins brasilianische Goiana. Rainey hätte in jedem Fall auf den ersten beiden Rängen landen müssen und hätte dann auch noch massive Schützenhilfe seiner Gegner oder einen Ausfall Lawsons benötigt. Die beiden WM-Duellanten lieferten sich einen spektakulären Kampf an der Spitze mit dem späteren Sieger Kevin Schwantz. Rainey musste sich als Dritter am Ende aber Lawson sowohl im Rennen als auch im WM-Kampf geschlagen geben.

1992: Doohans vergeblicher Kampf

Mick Doohan war 1992 auf dem Weg zu seinem ersten Titel, als er bei einem Unfall in Assen schwer verletzt wurde. Von den ersten sieben Saisonrennen hatte der Australier fünf gewonnen und zwei auf dem zweiten Platz beendet, doch dann verpasst er vier Rennen aufgrund seiner Verletzung. Erst beim vorletzten Rennen kam Doohan wieder, verpasste dort aber Punkte. Er kam dennoch als WM-Leader mit zwei Punkten Vorsprung zum Finale nach Kyalami. Doohan kämpfte wie ein Löwe und kam als Sechster ins Ziel. Da Widersacher Rainey aber Dritter wurde, überholte er Doohan im Titelrennen auf der Zielgeraden noch um vier Punkte. Es sollte aber Raineys letzter WM-Titel bleiben, da er sich im darauffolgenden Jahr bei einem Unfall eine Rückenverletzung zuzog, die ihn für immer an den Rollstuhl fesselte. Doohan hingegen avancierte ab 1994 zum Seriensieger und sollte noch fünf Titel gewinnen.

Mick Doohan kämpfte 1992 nach seiner Verletzung vergeblich um den Titel - Foto: Milagro

2006: Rossi patzt gegen Hayden

Die Ären von Mick Doohan und Valentino Rossi machten die Motorrad-WM ganz schön langweilig. 13 Jahre lang sollte der Titel bereits vor dem Finale vergeben sein. Erst 2006 wurde es wieder spannend. Einige Ausfälle hatten dafür gesorgt, dass Seriensieger Rossi mit nur acht Punkten Vorsprung auf den zweifachen Saisonsieger Nicky Hayden zum letzten Rennen nach Valencia kam. Schon in Runde fünf unterlief Rossi ein schwerer Fehler, als er stürzte und Hayden somit die Tür öffnete. Der nahm das Geschenk an und raste als Dritter auf das Podium. Rossi fuhr nach seinem Crash zwar weiter, wurde aber nur 13. und unterlag Hayden am Ende um fünf Punkte.

2013: Lorenzo unterliegt Marquez

Amtierender Weltmeister gegen Super-Rookie und wieder einmal Yamaha vs. Honda: 2013 ging es zwischen Jorge Lorenzo und Marc Marquez beim Finale in Valencia um den Titel. 13 Punkte hatte Marquez Vorsprung, weshalb Lorenzo massive Unterstützung brauchte. Zu Beginn des Rennens versuchte er daher, das Feld aus der Führungsposition zusammen zu halten, sodass mehrere Konkurrenten Marquez attackieren könnten. Als Lorenzo merkte, dass seine Strategie nicht aufging, enteilte er dem Feld und fuhr einen soliden Sieg ein. Marquez schaffte es als Dritter aber ungefährdet auf das Podest und krönte sich in seinem Debütjahr zum Weltmeister.

2015: Rossis bitterste Niederlage

Zwei Jahre später ging es in Valencia zwischen den Teamkollegen Jorge Lorenzo und Valentino Rossi um den Titel. Der WM-Kampf war im Zuge der Fernost-Tour zum wohl schmutzigsten der WM-Geschichte ausgeartet. Im Zuge des Sepang-Clash gab es Verschwörungstheorien, hammerharte Duelle, verbale Untergriffe und am Ende eine Strafe für Rossi. Der kam zwar als WM-Leader mit einem Vorsprung von sieben Punkten auf Lorenzo zum Finale, musste aber in der Startaufstellung von ganz hinten ran. Rossi fuhr sich bis auf Rang vier nach vorne, doch Lorenzo siegte und feierte somit seinen dritten WM-Titel. Einige Fans unterstellen Marc Marquez bis heute, er hätte Lorenzo damals im Kampf um die Spitze nicht energisch genug attackiert, um ihm zum Titel zu verhelfen und Rossi als Revanche für seine Anschuldigungen und den Kontakt in Sepang eins auszuwischen.


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