MotoGP - Ducati testet nächste radikale Verkleidung

Lorenzo nach erster Ausfahrt positiv überrascht

Den 'Hammerhai' musste Ducati verwerfen, in Brünn präsentierte man erstmals das Nachfolgemodell. Alle Infos zur neuen Verkleidung.
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Motorsport-Magazin.com - Die Aufregung bei den Wintertestfahrten in Katar war groß, als Ducati seine neue aerodynamische Verkleidung für die Saison 2017 zeigte. Während die Konkurrenz mit den reglementbedingt nun innenliegenden Winglets recht sparsam umging, setzte man bei Ducati auf ein revolutionäres Konzept. Die gesamte Front der Desmosedici GP17 wurde mit riesigen Öffnungen durchlöchert, das Motorrad bekam schnell den Spitznamen 'Hammerhai' verpasst.

Die mutige Entwicklung von Gigi Dall'Igna kam aber nie an einem Rennwochenende zum Einsatz. Zwar generierte die Verkleidung den gewünschten Anpressdruck, allerdings kostete sie auf den Gerade zu viel Topspeed, weshalb man das Konzept nach dem vierten Grand Prix des Jahres in Jerez verwarf. "Unser Ziel war es, die Winglets bestmöglich zu ersetzen. Mit dieser Verkleidung haben wir aber einfach zu viel Topspeed verloren. Die negativen Aspekte haben überwogen", erklärte Ducati-Sportdirektor Paolo Ciabatti damals.

Der Hammerhai bestritt nie ein Rennen - Foto: Ducati

Die im zweiten Training von Brünn nun erstmals am Motorrad von Jorge Lorenzo eingesetzte Verkleidung stellt also den zweiten Anlauf Ducatis auf eine Aero-Verkleidung 2017 dar. Diese Version wurde in der Sommerpause bereits von Entwicklungspilot Michele Pirro und Pramac-Fahrer Danilo Petrucci bei privaten Testfahrten in Misano ausprobiert. Sie ist vom Prinzip her der ersten 'Hammerhai'-Variante nicht unähnlich, allerdings sind die großen Lufteinlässe von der Höhe des Lenkers nach unten gewandert.

Lorenzo zieht positives Fazit

Lorenzo drehte im FP2 zum Tschechien-GP fünf Runden mit der neuen Verkleidung, lag damit 1,3 Sekunden hinter Teamkollege Andrea Dovizioso auf Rang 15 und war durchaus zufrieden. "Ich habe schon nach wenigen Runden das Gefühl, dass wir mit diesem Modell mehr Potenzial haben, als mit der Standardvariante", stellte Lorenzo zufrieden fest. "Die neue Verkleidung bietet mir mehr oder weniger das Gefühl, auf das ich gehofft habe. Wir erreichen damit zwar nicht das Niveau der Winglets aus dem Vorjahr, sind aber deutlich näher dran als bisher."

Die gewaltige Aerodynamik-Elemente im Detail - Foto: gp-photo.de/Ronny Lekl

Vollends zufrieden ist Lorenzo wenig verwunderlich aber noch nicht: "Ich würde sagen, es ist zu 80 Prozent positiv und zu 20 Prozent negativ. Erfreulich ist, dass die Maschine in den Richtungswechseln kaum träger geworden ist. Ich spüre nun aber den Luftstrom viel stärker, vor allem an den Armen und Schultern. Daran müssen wir arbeiten. Außerdem müssen wir versuchen, jetzt mehr Grip am Hinterrad zu bekommen, weil sich der natürlich nun auf das Vorderrad verlagert."

Wir brauchen nun auf jeden Fall eine andere Abstimmung. Außerdem werde ich auch meinen Fahrstil etwas umstellen müssen, um die maximale Performance rausholen zu können.
Jorge Lorenzo

Der weitere Schlachtplan ist für Lorenzo klar. Sollte es das Wetter am Samstag zulassen, sprich die Strecke trocken sein, will er deutlich mehr Kilometer mit der neuen Verkleidung abspulen und so Erkenntnisse sammeln. "Wir brauchen nun auf jeden Fall eine andere Abstimmung. Außerdem werde ich auch meinen Fahrstil etwas umstellen müssen, um die maximale Performance rausholen zu können", ist Lorenzo überzeugt.

Fest steht, dass sich Ducati kein zweites 'Hammerhai'-Debakel mehr leisten sollte. Denn das Reglement für die Saison 2017 erlaubt keine unlimitierte Weiterentwicklung im Bereich der Verkleidung. Pro Fahrer ist nur ein Update erlaubt, dieses hat Ducati mit Lorenzo nun bereits verbraucht. Es war wohl kein Zufall, dass Lorenzo hier das Versuchskaninchen spielen muss und nicht der mitten im WM-Kampf befindliche Andrea Dovizioso.

Auch Honda bringt Aero-Update

Neben Ducati zeigte auch Honda in Brünn eine neue Verkleidung. Sowohl Dani Pedrosa als auch Marc Marquez fuhren mit den überarbeiteten Varianten, die beide Fahrer bereits in der Sommerpause in Brünn getestet hatten. Die Verkleidungen der beiden Werkspiloten sind im Grundaufbau gleich, allerdings fallen die Anpressdruck generierenden Elemente bei Marquez größer aus als beim deutlich leichteren Pedrosa.

"Die neue Verkleidung funktioniert etwas besser. Ich mag sie", gab Marquez zu Protokoll. "Wir kriegen die Wheelys damit etwas besser in Griff, können uns so Schritt für Schritt verbessern. Es ist ein kleiner Fortschritt, aber wir können ihn für uns nützen." Etwas vorsichtiger zeigte sich Pedrosa: "Es ist ein guter Ausgangspunkt, aber wir müssen noch viel über diese Verkleidung lernen. Mal sehen, wo uns dieser Weg hinführt."

Marc Marquez mit der neuen Verkleidung inklusive innenliegender Winglets - Foto: Repsol

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