MotoGP

Jonas Folger nach P2 am Sachsenring überzeugt: Hätte gewinnen können

Jonas Folger schrieb am Sonntag mit Platz zwei deutsche MotoGP-Geschichte. Dennoch: Es hätte auch der Sieg sein können, glaubt Folger selbst.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Erstes deutsches MotoGP-Podium seit Stefan Bradl in Laguna Seca 2013, erste Podestplatzierung eines Deutschen beim Heimrennen in der Königsklasse seit 1974: Jonas Folger schaffte mit seinem zweiten Rang am Sachsenring den Sprung in die Geschichtsbücher der Motorrad-Weltmeisterschaft. Über die gesamte Renndistanz forderte er Marc Marquez, den 'King of the Sachsenring', im Duell um den Sieg und sammelte auch erste Führungskilometer in der Königsklasse. Eine echte Galavorstellung des Tech3-Piloten!

Ich bin einfach nur überwältigt. Ich kann nicht glauben was da heute passiert ist. Das tut so gut. Es war das geilste Rennen in meinem gesamten Leben. Die Stimmung war unglaublich. Ich hatte Gänsehaut.
Jonas Folger

Der 23-Jährige tat sich selbst sichtlich schwer, seine Gefühle in Worte zu fassen: "Ich bin einfach nur überwältigt. Ich kann nicht glauben was da heute passiert ist. Das tut so gut. Es war das geilste Rennen in meinem gesamten Leben. Die Stimmung war unglaublich. Ich hatte Gänsehaut. Dieser zweite Platz hier ist für mich mehr wert als jeder Sieg."

Trotz dieser herausragenden Resultats konnte Folger seine Ehrgeiz aber auch in der Stunde des Erfolgs nicht ganz ablegen. Denn er weiß: Er hätte sogar gewinnen, den absoluten Triumph feiern können. "Ich war mir während des Rennens, als ich hinter Marc war, absolut sicher, dass ich ihn in der letzten Runde angreifen werde. Ich hätte es nach dem Wasserfall in Kurve zwölf probiert und es wäre mir auch gelungen", meinte er vollgepumpt mit Selbstvertrauen nach dem Rennen. Aber warum 'hätte'?

Folger leistet sich entscheidenden Fehler

Folger fuhr für einen Rookie, der sich erstmals im Kampf um einen MotoGP-Sieg befindet, noch dazu vor seinem Heimpublikum, ein extrem abgeklärtes Rennen. Von Runde sechs bis zehn führte er den Deutschland-Grand-Prix an, positionierte sich nach einem kleinen Fehler in Kurve eins dann aber hinter Marquez. Folger studierte die Linien den Sachsenring-Meisters, lotete dessen Stärken und Schwächen aus und achtete auf seinen eigenen Reifenverschleiß. So wollte er sich in die perfekte Lage bringen, um im Finale anzugreifen. Als Marquez dann aber in der Schlussphase das Tempo anzog, ließ sich Folger in einen Fehler drängen. Er verbremste sich wieder in Turn 1. Zwar versuchte der Tech3-Pilot noch, die aufgerissene Lücke von einer Sekunde zuzufahren, verheizte dabei aber völlig seine Reifen, wie er nachher verriet. So musste er sich mit Platz zwei zufrieden geben.

Marquez spielte gegen Folger seine ganze Erfahrung aus - Foto: HRC

"Der Fehler hat mir nicht nur Zeit, sondern auch den Reifen und am Ende den Sieg gekostet", weiß Folger. "Aber so ist das in der MotoGP-Spitze nun einmal. Du machst einen kleinen Fehler, aber der kostet dich gleich unglaublich viel." Wirklicher Ärger war bei Deutschlands neuem Motorradhelden aber nicht zu spüren: "Ich habe jetzt endlich bewiesen, wie stark ich sein kann. Dass ich nicht nur ein Fahrer bin, der in den Trainings oder in einem Regenrennen gute Ergebnisse erzielen kann. Jetzt können wir eine tolle weitere Saison haben. Es wird noch mehr kommen."

Folger: Will bester Deutscher in der MotoGP werden

Eine ordentliche Ankündigung Folgers, doch damit machte er noch nicht Schluss. "Ich habe eine Mission, und die ist, der beste Deutsche in der MotoGP-Geschichte zu werden", erklärte er nach seinem ersten Podium in der Königsklasse. Seit Einführung der MotoGP gab es mit Stefan Bradl nur zwei Fahrer aus Deutschland. An Hofmann ist Folger erfolgstechnisch bereits vorbeigezogen, Bradls bestes Ergebnis hat er mit Platz zwei eingestellt. Ein Rennen in der Königsklasse konnte für Schwarz-Rot-Gold überhaupt erst ein Fahrer gewinnen: Edmund Czihak 1974 auf der Nordschleife, als die großen Stars der Szene wegen Sicherheitsbedenken das Rennen boykottierten. Folgers Mission ist also definitiv nicht unlösbar.


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter