MotoGP

Michelin in der MotoGP in Turbulenzen: Rettungsanker Jerez?

Michelin steht schon wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Wechselnde Modelle, fehlerhafte Reifen und undurchschaubare Politik sorgen für Unmut. So geht es weiter.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Die Rückkehr von Michelin als Reifenlieferant im Vorjahr, erstmals als exklusiver Ausstatter der MotoGP, verlief alles andere als reibungslos. In den ersten Tests und Rennwochenenden legten sich die Fahrer mit den ungewohnten Vorderreifen reihenweise auf die Nase, explodierende Hinterreifen stellten ein noch viel größeres Sicherheitsrisiko. Diese Probleme bekam man nach und nach in den Griff, wirklich glücklich sind Piloten und Teams der Königsklasse mit Michelin aber nach wie vor nicht.

Denn auch bei den ersten drei Grands Prix 2017 sorgten die Pneus aus Frankreich für so manchen brenzligen Moment und auch Reibereien im Paddock der MotoGP. Der erste große Aufreger kam in Argentinien, als Michelin nicht wie vereinbart nur drei Typen für das Vorderrad bringen wollte, sondern kurzfristig eine Lieferung mit einem vierten Modell nach Südamerika schickte.

Dieser Reifen mit härterer Karkasse wurde gemeinhin als 'Rossi-Reifen' bezeichnet, da der Yamaha-Star schon im Winter nach einem derartigen Aufbau gefragt hatte, um seine Probleme in den Anbremszonen ablegen zu können. Nach großem politischen Hickhack kam der Reifen schließlich nicht zum Einsatz. Die Fahrer hatten sich im Meeting der Safety Commission am Freitagabend dagegen ausgesprochen, vier Slicks am Vorderrad in einem Rennwochenende abzugleichen sei unmöglich. Das Debüt des Reifens mit der Bezeichnung Nr. 70 soll aber im Laufe der Saison nachgeholt wird.

In Argentinien kam Michelins neuer Vorderreifen schlussendlich nicht zum Einsatz - Foto: Avintia

Sturzfestival in Austin

In Austin tauchten dann bereits die nächsten Schwierigkeiten auf. Das dritte Training am Samstag, das bei relativ kühlen Außentemperaturen und beißendem Wind über die Bühne ging, wurde zur Sturzorgie. Zehn Crashes gab es in der 45-minütigen Session. Die Fahrer merkten anschließend kann, keinerlei Vorwarnung für die Stürze bekommen und sich völlig überraschend am Asphalt liegend wiedergefunden zu haben. Schuld für die Piloten waren daran wieder die Reifen und Kritikpunkt einmal mehr der Aufbau mit im Vergleich zum Vorjahr weicherer Karkasse.

Durch diesen Unterbau gehen alle Fahrer in Richtung der härteren Mischung. Die kommt natürlich nicht so leicht auf Betriebstemperatur und dann passiert es extrem schnell, dass man die Kontrolle über das Vorderrad verliert.
Marc Marquez

"Durch diesen Unterbau gehen alle Fahrer in Richtung der härteren Mischung. Die kommt natürlich nicht so leicht auf Betriebstemperatur und dann passiert es extrem schnell, dass man die Kontrolle über das Vorderrad verliert", erklärte etwa Marc Marquez, der im spektakulären FP3 gleich zwei Mal gestürzt war. Auch Maverick Vinales, der im Rennen am Sonntag laut eigener Aussage einen fehlerhaften Vorderreifen erwischt hatte und deshalb gestürzt war, forderte Michelin zum Handeln auf: "Wir brauchen einen besseren Reifen. Im dritten Training war es extrem kritisch. Da muss sich etwas ändern." Teamkollege Valentino Rossi pflichtete ihm bei. "Das war wirklich beängstigend", gestand der auf Michelin-Pneus routinierteste Pilot im Feld.

Michelin hofft auf Tests in Jerez

Wie reagieren die Franzosen? Auf Michelin wartet nun ein umfangreiches Testprogramm. Am 2. und 3. Mai, also dem Dienstag und Mittwoch vor dem Spanien-GP, wurde ein eigener Reifentest in Le Mans eingeschoben. Daran teilnehmen werden voraussichtlich nur die Werksteams von Yamaha, Honda, Ducati, Aprilia und KTM. An diesen zwei Tagen wird es auch nicht um die Erprobung neuer Reifen gehen. Es soll lediglich überprüft werden, wie sich der dort neu aufgetragene Asphalt auf die Michelin-Pneus auswirkt. Damit will man ein Debakel verhindern, wie es etwa Bridgestone 2013 auf Phillip Island erlebte, als die neue Oberfläche ganze Brocken aus den Gummis riss und die Fahrer daher im Rennen Motorräder wechseln mussten.

Neues Reifenmaterial soll es dann in der darauffolgenden Woche beim offiziellen IRTA-Test am Montag in Jerez geben. Dort könnte der berühmte Nr. 70 sein Debüt geben, vielleicht auch andere Modelle. "Wir werden in Jerez die bestehenden Reifen, frühere Prototypen und neue Versionen vergleichen", verrät Michelins Motorsportchef Nicolas Goubert. Es wird sich zeigen, ob die Probleme dann der Vergangenheit angehören.


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