MotoGP

Spies, Bayliss & Co. - Nach einem Sieg war Schluss - Die Eintagsfliegen der Königsklasse

Ein Rennsieg - und was dann? Motorsport-Magazin.com hat sich die größten Eintagsfliegen der MotoGP angesehen.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP hat schon viele Fahrer kommen und gehen sehen. Eine Handvoll wurden zu Legenden, deren Namen niemand vergessen wird. Doohan, Agostini, Hailwood, Spencer, die Liste könnte noch ewig fortgesetzt werden. Doch welche Fahrer haben sich mit einem Sieg vorerst als Talent empfohlen, haben dann aber auf voller Linie enttäuscht? Motorsport-Magazin.com hat sich in der Vergangenheit umgesehen und die Eintagsfliegen unter den Fahrern der Königsklasse herausgesucht.

Ben Spies

Im Fall von Ben Spies ist klar zu sehen, dass nicht jeder Fahrer, der in der Superbike-Liga dominiert, zwangsläufig in der Königsklasse brillieren muss. Spies gewann im Jahr 2009 die Superbike-Weltmeisterschaft überlegen mit 14 Siegen in 28 Läufen. Im selben Jahr ging der Texaner auch in der Königsklasse an den Start und erzielte mit einem siebten Platz in Valencia sein bestes Saisonergebnis. Im Jahr 2011 stieg er nach Rossis Weggang zu Ducati ins MotoGP-Werksteam von Yamaha auf. Neben Jorge Lorenzo als Teamkollege fuhr er dabei in Assen seinen einzigen GP-Sieg ein. Danach schaffte es Spies zwar noch regelmäßig in die Punkte, beendete seine MotoGP-Karriere jedoch 2013, nachdem er im Vorjahr von Yamaha zu Pramac gewechselt war. Schuld daran waren allerdings einige Verletzungen, die es Spies unmöglich machten, seine Karriere auf einem hohen Niveau weiterzuführen.

Ben Spies: Hier mit Landsmann Colin Edwards - Foto: Milagro

Chris Vermeulen

Der nächste Kandidat kommt aus australischen Gefilden. Chris Vermeulen konnte mit der Honda Fireblade in der Superbike-WM 2004 insgesamt vier Läufe für sich entscheiden, bevor er zur Saison 2006 den Wechsel von Honda zu Suzuki wagte und an der Seite von John Hopkins in der MotoGP an den Start ging. In seinem ersten Jahr schaffte Vermeulen es in seiner Heimat Australien auf den zweiten Platz, bevor er im Folgejahr in Le Mans den Sieg erringen konnte. Danach folgten in seiner gesamten MotoGP-Karriere noch drei dritte Plätze, weitere Siege ließen auf sich warten. Gegen Ende der Saison 2009 eröffnete man ihm bei Suzuki, dass sein Vertrag nicht verlängert werden würde und sein Ersatzmann Alvaro Bautista schon in den Startlöchern stehe. Danach kehrte Vermeulen in die Superbike-Liga zurück, konnte aber auch dort nicht an frühere Erfolge anknüpfen.

Für Chris Vermeulen war nach 2009 Schluss - Foto: u-n-s

Tohru Ukawa

Tohru Ukawa konnte das zweite MotoGP-Rennen aller Zeiten für sich entschieden. Im Jahr 2002 wich die 500er-Kategorie der MotoGP, mit der eine neue Ära begann. Im Vorjahr war Ukawa aus der 250er-Klasse aufgestiegen und fuhr an der Seite von Valentino Rossi für das Honda-Werksteam. Bereits beim GP von Südafrika in Welkom konnte Ukawa das Rennen für sich entscheiden. Teamkollege Rossi folgte auf Platz zwei. Doch während Rossi zur Legende wurde, endete Ukawas Erfolg mit der Saison 2002. In der Gesamtwertung des Jahres wurde er zwar Dritter, doch im Folgejahr verpflichtete man ihn nur erneut, um einen loyalen Piloten aus Japan imTeam zu haben. Danach war Ukawas Karriere in der MotoGP bis auf drei Wildcard-Einsätze beendet, jedoch ist er mit fünf Siegen bei den 8 Stunden von Suzuka der erfolgreichste Fahrer des prestigeträchtigen Rennens.

Ungleiche Teamkollegen: Nur einmal konnte sich Ukawa gegen Rossi durchsetzen - Foto: Milagro

Regis Laconi

Die große Stunde für Regis Laconi schlug beim Valencia-GP im Jahr 1999. Der gebürtige Franzose stieg 1997 mit Honda in die Königsklasse ein. Nachdem er in seiner Rookie-Saison nur einen 14. Platz erzielen konnte, kehrte er dem Werk zur Folgesaison den Rücken und wechselte zu Konkurrent Yamaha. Doch auch dort konnte man erst im zweiten Jahr einen Fortschritt verbuchen. Nach dem Sieg in Valencia folgte im Anschluss ein dritter Platz in Australien, danach blieben Erfolgserlebnisse aus. Bis 2000 trat Laconi für Yamaha in der Königsklasse an, bevor er 2001 für ein Jahr zu den Superbikes wechselte. 2002 kam er für ein letztes Mal in die MotoGP zurück, fiel aber in 16 Rennen insgesamt sechs Mal aus.

Im Jahr 2002 kam Laconi für ein kurzes Comeback zurück in die MotoGP - Foto: Ducati

Troy Bayliss

Neben Ben Spies ist auch Troy Bayliss der lebende Beweis dafür, dass nicht jeder erfolgreiche Superbike-Pilot Glück in der MotoGP haben muss. Mit insgesamt drei Weltmeistertiteln in der WSBK ist Bayliss mit Recht eine Legende. Nachdem er dort 2001 Weltmeister und 2002 Vize-Weltmeister wurde, wechselte er 2003 mit Ducati in die MotoGP. Von Erfolgen keine Spur. Bayliss schaffte nur vier dritte Plätze in drei Jahren Königsklasse. Für einen ehemaligen Weltmeister kein zufriedenstellendes Ergebnis. 2006 folgte der Wechsel in heimische Gefilde und Bayliss wurde prompt zum zweiten Mal Weltmeister. Parallel nahm er in diesem Jahr noch am Saisonfinale der MotoGP teil und siegte. Danach war seine GP-Karriere beendet, 2008 wurde er jedoch noch ein letztes Mal Superbike-Champion.

Zwei Ehemalige: Troy Bayliss und Max Biaggi - Foto: Milagro

Toni Elias

Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen hat Toni Elias eine lange Karriere in der MotoGP hinter sich. Im vergangenen Jahr ging er sogar noch bei den letzten fünf Saison-Rennen für Forward Yamaha an den Start. Sein einziger Sieg in der Königsklasse gelang Elias jedoch weitaus früher. Im Jahr 2006 beim GP von Portugal setzte er sich gegen Rossi und Kenny Roberts jr. durch. Damit ist es Elias bis zum heutigen Tag als letztem Satelliten-Fahrer gelungen, einen Sieg zu erringen. Danach ging es mit seiner MotoGP-Karriere allerdings abwärts. 2010 wurde er noch Weltmeister der Moto2, bevor in den Folgejahren diverse Gelegenheits-Einsätze in Moto2 und MotoGP folgten. Aufs Podium schaffte es Elias jedoch in keiner Klasse mehr.

2015 ging Toni Elias noch für Forward Yamaha an den Start - Foto: Forward Racing

Alberto Puig

Im Talente finden hat Alberto Puig deutlich mehr erreicht als in seiner eigenen GP-Karriere. Der Spanier kann sich damit rühmen, Legenden wie Casey Stoner und Dani Pedrosa entdeckt und gefördert zu haben. Seine eigene Karriere als Rennfahrer war jedoch weniger von Erfolg gekrönt. Nach sieben Jahren in der 125er-Klasse stieg Puig 1994 mit Honda in die Königsklasse auf. Auf dem Sachsenring schaffte es Puig immerhin aufs Podium, doch weitere Erfolge blieben in diesem Jahr aus. Erst 1995 erkämpfte er sich in Jerez seinen ersten und einzigen GP-Sieg. Danach folgten noch drei weitere dritte Plätze: zwei im selben Jahr und einer beim Frankreich-GP 1996. Ein Jahr später war Puigs Rennfahrerkarriere beendet, während die als Talente-Förderer gerade erst begann.

Im Talente fördern hatte Alberto Puig mehr Talent als im eigentlichen Sport - Foto: Milagro

Simon Crafar

Im Jahr 1998 stieg Simon Crafar in die 500er-Klasse ein. Mit einer Yamaha YZR500 holte er sich in seiner ersten Saison seinen einzigen Sieg in Donington Park. In der Gesamtwertung des Jahres wurde Crafar Siebter und sammelte noch einen zweiten und dritten Platz. Im Folgejahr blieb er seinem Team anfangs treu, doch nachdem man dort von Michelin- auf Dunlop-Reifen wechselte, konnte Crafar nicht mehr auf demselben Level wie einst fahren. Zur Saisonmitte trennten sich Team und Fahrer dann voneinander. Nach dem Ende seiner GP-Karriere versuchte sich Crafar noch im Extreme-Enduro-Sport.

Mit den neuen Dunlop-Reifen seines Teams kam Crafar nicht so gut zurecht - Foto: Yamaha

Pierfrancesco Chili

Der letzte Fahrer, dem ein einziger Sieg in der Königsklasse gelang, ist Pierfrancesco Chili. Von 1986 bis 1990 ging er in der 500er-Kategorie der Weltmeisterschaft an den Start und schaffte es in diesen Jahren zweimal aufs Podium. 1989 setze er sich dann beim Rennen in Misano gegen Simon Buckmaster und Michael Rudroff durch und holte damit seinen einzigen Sieg. Seine letzte Podiumsplatzierung erkämpfte sich Chili im Folgejahr auf amerikanischem Boden. Beim GP von Laguna Seca fuhr der Italiener auf den dritten Platz. Diese Leistungen reichten Arbeitgeber Honda jedoch nicht, weshalb Chili 1991 mit Aprilia in die 250er-Klasse abstieg. Dort blieb er bis 1933, bevor er sich nach einem Wildcard-Einsatz in Italien Richtung WSBK verabschiedete.

1990 war Chili alles andere als unauffällig unterwegs - Foto: Milagro

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