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MotoGP

MotoGP Sachsenring: Rückblick auf die Deutschland-GP der letzten Jahre

Rossi gegen Lorenzo, Stoner gegen Pedrosa und alle gegen Marquez. Die besten Duelle der vergangenen Rennen auf dem Sachsenring.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Der Sachsenring ist eine feste Größe im MotoGP-Kalender. Jährlich strömen über 200.000 Fans zur Kultstrecke und sorgen für eine unvergleichliche Atmosphäre, von der alle Fahrer regelmäßig schwärmen. Zu welchen Leistungen die Anhänger ihre Lieblinge in den letzten Jahren getragen haben, daran soll hier noch einmal erinnert werden:

Sachsenring 2016: Marquez trotzt Regen und Rodeo-Einlage

Marc Marquez pokerte 2016 nach einem Ausritt und gewann - Foto: Simninja

In der Regenschlacht von 2016 kristallisiert sich zunächst eine Sechsergruppe um Valentino Rossi, Marc Marquez, Andrea Dovizioso, Danilo Petrucci, Jack Miller und Hector Barbera heraus. Als erster Fahrer verabschiedet sich Petrucci per Sturz in Runde elf aus dem Spitzen-Sextett. Wenige Kurven später reitet Marquez in Kurve neun aus, kann sich aber auf der Honda halten. Zu diesem Zeitpunkt sieht Marquez wie der sichere Verlierer aus. Doch 13 Runden vor Schluss wechselt er als erster Spitzenfahrer auf Trockenreifen - der goldene Schachzug auf dem Weg zum Triumph. Die anderen Top-Fahrer warten mit dem Wechsel zu lange und verspielen damit leichtfertig jegliche Siegchance. Erst acht Runden vor Schluss stoppen Rossi und Co., Miller gar erst fünf Runden vor dem Ende. So führt nach den Stopps Marquez plötzlich vor Scott Redding. Redding verliert jedoch in der letzten Runde noch P2 an Crutchlow und P3 an Dovizioso. Marquez führt die WM nach neun Rennen damit mit 170 Punkten vor Lorenzo (122) und Rossi (111) an.

Sachsenring 2015: Marquez baut Siegesserie aus

Marquez zog 2015 nach einigen Runden der Konkurrenz davon - Foto: Simninja

2015 drehte sich am Sachsenring alles um den Kampf der großen Vier, Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Marc Marquez und Dani Pedrosa. Zumindest in der Anfangsphase des Rennens. In der ersten Kurve des Rennens übernimmt Lorenzo mit einem mutigen Manöver auf der Außenbahn die Führung vom Repsol-Honda-Duo Marquez/Pedrosa. In Runde fünf ereignen sich zwei wichtige Manöver. Rossi überholt Pedrosa für Platz drei, aber noch bedeutender: Marquez geht an Lorenzo vorbei und schnappt sich die Führung. Von da an zieht Marquez seinen Verfolgern unaufhaltsam davon und gewinnt am Ende ungefährdet. Lorenzo dagegen muss innerhalb von wenigen Runden auch Rossi und Pedrosa passieren lassen und wird Vierter. Spannend bleibt der Zweikampf Rossi vs. Pedrosa um Platz zwei. Pedrosa holt sich die zweite Position schon gegen Halbzeit, entscheidend von Rossi absetzen kann sich der Spanier aber erst in den letzten vier Runden. Das Podium lautet somit: Marquez vor Pedrosa und Rossi. In der WM liegt Rossi zur Halbzeit in Führung, nach neun Rennen hat er 179 Punkte gesammelt. Dahinter liegen Lorenzo (166) und Andrea Iannone (118).

Sachsenring 2014: Marquez behält kühlen Kopf bei heißem Regentanz

Diese Fahrer starteten 2014 allesamt aus der Box nach - Foto: Milagro

Ein Regenschauer wenige Minuten vor dem Start sorgt für Hektik in der Startaufstellung. Fast alle Fahrer lassen Regenreifen aufziehen. Nur Stefan Bradl riskiert vorne alles und startet auf Slicks, während 14 seiner Kollegen bereits nach der Aufwärmrunde die Box ansteuern, um auf das Ersatzbike mit Slicks zu wechseln. Dadurch ergibt sich im Grid ein kurioses Bild mit Bradl vorne allein auf weiter Flur und einigen Open-Piloten in den letzten Reihen, die ebenfalls Slicks aufgezogen haben. So geht es dann auch in die ersten Runden. Rasch haben die vorderen Stopper zum Open-Feld aufgeholt. Marc Marquez und Dani Pedrosa kämpfen sich am Schnellsten durch die Gruppe und machen Jagd auf Bradl. Nach sechs Runden ist der Deutsche seine Führung los. Vier weitere Runden dauert es, bis Bradl auch von Jorge Lorenzo und Valentino Rossi kassiert wird. Der Deutsche kämpft auf verlorenem Posten und kommt am Ende nicht einmal in die Punkteränge. Marquez kontrolliert vorne den Abstand zu Pedrosa bis ins Ziel und feiert den neunten Sieg im neunten Rennen. Lorenzo komplettiert das Podium. In der WM führt Marquez nun mit 225 Punkten vor Pedrosa (148) und Rossi (141).

Sachsenring 2013: Marquez profitiert vom Verletzungspech der Anderen

Stefan Bradl lag 2013 beim Heimrennen in Führung - Foto: LCR Honda

In Abwesenheit der verletzten Pedrosa (Unfall im dritten Training) und Lorenzo (Sturz am Freitag auf das lädierte Schlüsselbein) fährt Marquez zu seinem zweiten Saisonsieg. In den ersten Runden führt Bradl unter dem Jubel seiner Landsleute das Feld an, kann die Pace aber nicht halten. Nach und nach wird er von Marquez, Rossi und nach einem Fahrfehler auch von Cal Crutchlow geschluckt. Einmal an Bradl vorbei, kann Marquez eine kleine Lücke zu den drei Verfolgern aufmachen. Zur Rennmitte gelingt es Crutchlow, Rossi zu überholen und sich auf die Jagd nach Marquez zu machen. Stück für Stück, Zehntel für Zehntel kann der Brite den Abstand zu Marquez verkleinern. Eine spannende Schlussphase steht den Zuschauern in Haus, aber es reicht für Crutchlow am Ende nicht, um den Spanier ernsthaft zu gefährden. Den dritten Platz fährt Rossi vor Bradl sicher nach Hause. Mit diesem Sieg übernimmt Marquez auch die Führung im Gesamtklassement nach acht Rennen. Er hat nun 138 Punkte auf dem Konto, Pedrosa 136 und Lorenzo 127.

Sachsenring 2012: Pedrosa ringt Stoner nieder

Stoner hatte 2012 gegen Pedrosa das Nachsehen - Foto: Milagro

Das Rennen ist geprägt vom Zweikampf der beiden Repsol-Honda-Piloten Pedrosa und Casey Stoner. Nachdem Pedrosa beim Start die Führung übernimmt, wird er in der zweiten Runde von Stoner überholt. Diese Reihenfolge bleibt in der ersten Rennhälfte bestehen, ohne dass sich Stoner absetzen kann. Pedrosa kann danach die Spitzenposition zurückerobern, aber sich seinerseits auch nicht von Stoner lösen. So fällt die Entscheidung um den Sieg in der letzten Runde, in der es Stoner schließlich in der vorletzten Kurve übertreibt und crasht. Lorenzo fährt dahinter ein einsames Rennen und wird nach Stoners Ausfall Zweiter hinter Pedrosa. Den Kampf um den letzten Podestplatz gewinnt Andrea Dovizioso gegen Ben Spies. Bradl setzt sich dahinter in einer engumkämpften Verfolgergruppe gegen Rossi, Alvaro Bautista, Crutchlow, Hector Barbera und Nicky Hayden durch und wird damit beim Heimspiel Fünfter. Die ersten Drei in der Gesamtwertung werden nach acht Stationen nur durch 20 Zähler getrennt: Lorenzo liegt mit 160 Punkten vor Pedrosa (146) und Stoner (140).

Sachsenring 2011: Starker Schlussspurt von Pedrosa

Dani Pedrosa gelang 2011 die entscheidende Flucht nach vorn - Foto: Milagro

Das Rennen ist geprägt von vielen Kampfgruppen. Die spannendste davon befindet sich an der Spitze. Lorenzo kämpft mit den vier Hondas von Pedrosa, Stoner, Dovizioso und Marco Simoncelli. Ihm misslingt zu Rennbeginn ein erster Ausreißversuch nach vorne. Stoner übernimmt vom Mallorquiner in Runde fünf die Spitze und nimmt seinerseits erfolglos Reißaus. In der zweiten Rennhälfte müssen dafür Dovizioso und Simoncelli abreißen lassen, sodass vorne eine Dreiergruppe übrig bleibt. Neun Runden vor Schluss ist es dann Pedrosa, der die Führung übernimmt. Der Spanier öffnet eine kleine Lücke zu Lorenzo und Stoner. Schnelle Runden am Ende sorgen dafür, dass Pedrosa nicht mehr auf dem Weg zum Sieg aufgehalten werden kann. Lorenzo bezwingt Stoner in der allerletzten Kurve und wird Zweiter. Für die WM ist dieses Manöver sehr bedeutend. Lorenzo verkürzt seinen Rückstand auf Stoner damit auf 15 Zähler nach neun Rennen (168:153). Auf WM-Platz drei ist Dovizioso (132), der aus dem Dreikampf um Rang vier gegen Spies und Simoncelli siegreich hervorgegangen ist.

Sachsenring 2010: Pedrosa siegt nach Rennabbruch

Dieser heftige Crash von De Puniet sorgte 2010 für eine Unterbrechung - Foto: LCR Honda

Zu Rennbeginn fahren Pedrosa, Lorenzo, Stoner, Dovizioso und Rossi dem Feld davon. Sie haben sich auf ihren Plätzen eingerichtet, als das Rennen in Runde neun abgebrochen wird: Randy De Puniet stürzt per Highsider und verletzt sich dabei, während die nachfolgenden Bautista und Aleix Espargaro seine Maschine überfahren und damit den Abbruch erst auslösen. Beim Restart sieht die Sache an der Spitze wieder wie vor dem Abbruch aus. Diesmal jedoch öffnen Pedrosa und Lorenzo eine Lücke nach hinten. Gegen Pedrosas Pace ist allerdings auch Lorenzo an diesem Tag machtlos, sodass Pedrosa letztlich einen souveränen Sieg vorm Mallorquiner einfährt. Dahinter entbrennt ein spannender Kampf um Rang drei zwischen Stoner und dem nach einem Unterschenkelbruch zurückkehrende Rossi. Erst in der letzten Kurve entscheidet Stoner das Duell für sich, als er sich innen an Rossi vorbeiquetscht. In der Gesamtwertung fährt Lorenzo weiter seinem ersten Titel entgegen. Er hat nach acht Rennen 185 Punkte gesammelt und liegt damit deutlich vor Pedrosa (138) und Dovizioso (102).

Sachsenring 2009: Rossi bezwingt Lorenzo hauchdünn

Rossi hielt Lorenzo 2009 knapp in Schach - Foto: Milagro

Vom Start weg führt Rossi eine Vierergruppe mit Stoner, Pedrosa und Lorenzo an. Ab Runde sieben übernimmt Stoner für einige Runden die Spitze. Dagegen fällt Pedrosa gegen Rennmitte etwas zurück. Weil sich die ersten Drei bei der Reihenfolge uneinig sind, schafft der Spanier wieder den Anschluss: Rossi holt sich Platz eins zurück und versucht einen Ausreißversuch – vergeblich, denn Lorenzo heftet sich an sein Heck. Zehn Runden vor Schluss öffnet sich hinter beiden Yamahas endgültig eine Lücke, die Stoner und Pedrosa zwar mit aller Macht versuchen wieder zu schließen. Gelingen will es ihnen nicht mehr. Stoner kämpft mit abbauenden Reifen und muss sich mit Platz vier arrangieren, Pedrosa kann nicht mehr aufholen und fährt als Dritter ins Ziel. Die beiden Yamahas kämpfen verbissen um den Sieg. Das entscheidende Manöver setzt Rossi eingangs der vorletzten Runde. Lorenzo kann nicht mehr kontern und kreuzt den Zielstrich letztlich mit 99 Tausendsteln Rückstand. Für die WM nach neun Rennen bedeutet das: Rossi liegt mit 176 Punkten 14 Zähler vor Lorenzo (162) und 28 vor Stoner (148).

Sachsenring 2008: Stoner erbt Sieg von Pedrosa bei widrigen Verhältnissen

Dani Pedrosa warf 2008 im Regen Sieg und WM-Chance weg - Foto: Honda

Fünf Runden lang fährt Pedrosa im triefenden Regen alles in Grund und Boden. Im Schnitt 1,5 Sekunden pro Runde schneller als der Rest der Welt, rutscht der Spanier eingangs der sechsten Runde aus und verabschiedet sich aus dem Rennen. Stoner übernimmt die Spitze und legt sich ein Sicherheitspolster zwischen sich, Dovizioso, Colin Edwards und Rossi an. Rossi kämpft sich im Laufe der nächsten Runden auf Platz zwei nach vorne und macht sich an die Verfolgung Stoners. Dovizioso und Edwards, der später ausfällt, werden dagegen von den heranstürmenden Chris Vermeulen und Alex De Angelis eingeholt und wenig später auch überholt. Vorne kontrolliert Stoner seine Führung vor Rossi bis ins Ziel und siegt, während Vermeulen und De Angelis immer mehr Boden an Rossi, der Zweiter wird, verlieren. Vermeulen hält sich bis zum Fallen der Zielflagge knapp vor De Angelis und darf ebenfalls aufs Podium. Dovizioso wird Fünfter. Durch Pedrosas Nuller übernimmt Rossi die WM-Führung nach zehn Rennen. Der Italiener hält bei 187 Punkten und liegt 16 Zähler vor Pedrosa (171) und weitere vier vor Stoner (167).


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