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MotoGP

Team- und Fahrerchaos beim größten Motorradbauer der Welt - Ungewissheit bei Honda: Wer fährt 2016 wo?

Finanzielle Probleme der Kundenteams, komplizierte Fahrerverträge und Beschränkungen der Dorna: Hondas MotoGP-Line-Up für 2016 ist eine sportliche Schwergeburt.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Vier der fünf Hersteller in der MotoGP-Weltmeisterschaft haben ihre Projekte für die kommende Saison schon so gut wie fixiert. Bei Yamaha ist klar, dass man neben dem Werksteam nur Tech 3 beliefern wird, die vier aktuellen Fahrer Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Bradley Smith und Pol Espargaro werden allesamt auch 2016 auf einer M1 Platz nehmen. Bei Ducati geht die Werksmannschaft ebenfalls unverändert an den Start, bei Pramac fahren Danilo Petrucci und Scott Redding. Drittes Team ist erneut Avintia, wo Hector Barbera fix ist und Yonny Hernandez der wahrscheinlichste Kandidat auf den zweiten Platz scheint. Suzuki setzt weiterhin nur auf das Werksteam mit Aleix Espargaro und Maverick Vinales. Gleiches gilt für Aprilia, dort ist neben Alvaro Bautista aber noch ein Platz frei. Für diesen steht Stefan Bradl auf der Pole Position.

Viele Fragezeichen bei Honda

Fast alles klar also bei Yamaha, Ducati, Suzuki und Aprilia. Ganz anders hingegen sieht es bei Honda aus. Hier ist nur gewiss, dass Marc Marquez und Dani Pedrosa auch 2016 die beiden Repsol-Maschinen fahren werden und Cal Crutchlow eine LCR Honda. Wie viele Kunden-Bikes es insgesamt geben wird, in welchen Teams sie eingesetzt werden und vor allem, von wem diese gefahren werden sollen, ist momentan aber noch größtenteils offen.

Cal Crutchlow verlängerte vor dem Großbritannien-GP seinen Vertrag bei LCR - Foto: LCR Honda

Mit LCR, Marc VDS, Aspar und AB Motoracing kommen im Moment de facto vier Teams als Kunden in Frage. LCR ist aktuell mit zwei Maschinen unterwegs. Neben der Factory-Honda für Crutchlow setzt man ein Open-Bike für Jack Miller ein. Nach dem Ende der Ära CWM bei LCR - das Finanzunternehmen hatte nie die vereinbarten Sponsorgelder überwiesen, weshalb Cecchinello die Zusammenarbeit beendete - wird der Rennstall aber wohl wieder auf einen Fahrer verkleinern müssen. An und für sich kein Problem, wäre nicht Miller mit einem Dreijahresvertrag direkt von Honda ausgestattet. Das bedeutet für die Japaner, dass sie ihrem australischen Youngster einen Platz schaffen müssen. Nur wo?

Hondas Problem: Wohin mit Jack Miller?

Die wahrscheinlichste Option ist wohl das Team von Aspar. Besitzer Jorge Martinez würde sich gerne von seinen beiden Piloten Eugene Laverty und Nicky Hayden treffen. Platz wäre somit für Miller also wohl vorhanden, doch der spanische Rennstall soll grobe finanzielle Probleme haben, ist demnach wahrscheinlich auf eine monetäre Mitgift seiner beiden nächstjährigen Fahrer angewiesen. Es sei denn, Honda greift Martinez für seinen Schützling Miller unter die Arme.

Honda ist für drei Jahre an Jack Miller gebunden - Foto: Milagro

Eine weitere Möglichkeit für Miller wäre ein Wechsel zu Marc VDS Racing. Das Team setzt aktuell nur eine Maschine ein. Diese ist zwar nach dem Abgang von Scott Redding zu Pramac Racing 2016 vakant, dürfte aber wohl für Tito Rabat reserviert sein, der aktuell für den Rennstall von Bierbaron Marc van der Straten in der Moto2 unterwegs ist und kommendes Jahr den Aufstieg in die MotoGP wagen soll. 2016 würde Marc VDS aber gerne ein zweites Motorrad einsetzen, wie Teamchef Michael Bartholemy in Brünn gegenüber Motorsport-Magazin.com verriet: "Ein zweites Motorrad zu haben, wäre natürlich perfekt." Miller wäre in diesem Fall sicher einer der Spitzenkandidaten.

Dorna macht Marc VDS das Leben schwer

Ein zweites Motorrad zu haben, wäre natürlich perfekt.
Michael Bartholemy

Einen Strich durch die Rechnung machen könnte Marc VDS, Honda und Miller allerdings Promoter Dorna, der die Startplätze an die Teams vergibt. Nicht mehr als 24 sollen es zukünftig sein, aktuell stehen 24 Maschinen im Grid. 2017 kommen mit den zwei KTMs weitere Motorräder hinzu. Der nötige Startplatz für Marc VDS könnte aber innerhalb des Honda-MotoGP-Projekts frei werden. Aktuell fährt nämlich auch Karel Abraham im Team von AB Motoracing Material der Japaner, doch die Zukunft des Tschechen und seines im Familienbesitz befindlichen Rennstalls ist mehr als ungewiss. Er könnte in die Superbike-Weltmeisterschaft wechseln oder Testfahrer bei KTM werden.

Aktuell sind das alles aber nur Vermutungen. Was genau bei Honda passieren wird, weiß aktuell wohl nicht einmal die Führungsetage so genau. Klar ist aber, dass sich das MotoGP-Starterfeld für 2016 doch noch stärker ändern könnte, als es bisher zu erwarten war.


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