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MotoGP

Die Karten werden neu gemischt - Die wichtigsten Fragen vor dem Saisonstart

Fünf Fragezeichen hängen vor dem ersten Saisonrennen über dem MotoGP-Starterfeld. Motorsport-Magazin.com auf der Suche nach Antworten.
von Michael Höller

Was darf man von Rookie Marc Marquez erwarten?

Die Vorschusslorbeeren für den Spanier waren schon vor Beginn der Testfahrten enorm, wurde doch die Rookie-Regel (MotoGP-Neulinge dürfen im ersten Jahr nicht in einem Werksteam fahren) extra für ihn gekippt. Bei seinen Ausfahrten in Sepang, Austin und Jerez setzte der Spanier auf die hohen Erwartungen aber noch eins drauf. Von Anfang an konnte er mit seinem Teamkollegen Dani Pedrosa mithalten und war teilweise scheller als das Yamaha-Duo Jorge Lorenzo und Valentino Rossi. Von Stürzen blieb Marquez aber nicht verschont. Immerhin fielen diese aber stets nur so leicht aus, dass der 20-Jährige topfit in seine erste Saison gehen kann. "Das waren positive erste Wintertests für mich - viel besser als erwartet", lautete Marquez' Fazit. "Jetzt versuche ich zu entspannen und mich auf Katar vorzubereiten."

Wird das Gespann Lorenzo/Rossi bei Yamaha harmonieren?

Alles eitel Wonne bei Yamaha? - Foto: Yamaha

Die erste Ära des Duos gipfelte in einem Stallkrieg samt Boxentrennwand und medialer Giftpfeile. 2013 soll alles besser werden. "Die Situation hat sich im Vergleich zu 2008 sehr verändert. Damals war Valentino der etablierte Star und Jorge der Newcomer, nun sind die Rollen anders verteilt", ist sich Teamchef Lin Jarvis sicher. Auch die beiden ehemaligen Streithähne beschwören im Vorfeld der Saison die neue Einigkeit. Ob diese auch hält, falls sich Rossi und Lorenzo gegen Saisonende um den Titel duellieren, darf zumindest angezweifelt werden. Zu tun gäbe es für die beiden Weltmeister aber auch ohne ein internes Duell genug: Man muss nicht nur das bärenstarke Honda-Duo in Schach halten, sondern nebenher auch noch die Entwicklung des stufenlosen Getriebes und des neuen Chassis vorantreiben.

Wird Ducati den Anschluss schaffen?

Beim italienischen Werksteam blieb kaum ein Stein auf dem anderen. In der Post-Rossi-Ära ist der Deutsche Bernhard Gobmeier der neue starke Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht, um der Desmosedici endlich Flügel zu verleihen. Herrschte zu Testbeginn in Sepang noch Ernüchterung, so konnte man zuletzt in Jerez auf rund eine Sekunde an die Bestzeit herankommen. "Wir sind in die Testfahrten in Malaysia mit einem größeren Rückstand als erwartet gestartet, aber seither haben wir gut gearbeitet und den Abstand verkürzt", konnte Nicky Hayden zufrieden feststellen. Zugunsten des Entwicklungsplans schlug man sogar die HRC-Einladung nach Austin aus. "Unsere Strategie war von Anfang an, uns in kleinen Schritten vorwärts zu bewegen. Erst danach werden radikalere Schritte folgen. Wir haben es hier mit einem langfristigen Projekt zu tun", so Gobmeier. Zu verlieren hat Ducati ohnehin kaum etwas: Seit dem Abgang Casey Stoners holten die Italiener in zwei Jahren nur vier Podiumsplätze.

Was ist für Stefan Bradl möglich?

Schafft Stefan Bradl den Sprung auf das Podium? - Foto: LCR Honda

Sechster und Siebenter in Sepang, Dritter in Austin, Fünfter in Jerez - die Testzeiten von Stefan Bradl machen Hoffnung, dass es in der zweiten MotoGP-Saison des Deutschen mit dem ersten Gang zu einer Podiumszeremonie klappen könnte. "Wir werden dort in bei ein paar Rennen hoffentlich auch mitmischen können", hofft LCR-Teamchef Lucio Cecchinello, der mit Bradl in der Endabrechnung sogar einen Platz in den Top-5 anpeilt. Die Rivalen um diesen Rang dürften - insofern die Testergebnisse einen Schluss zulassen - Cal Crutchlow und Alvaro Bautista sein. Bradl selbst gibt sich kryptisch: "Ich denke, dass wir bereit für das erste Rennen in Katar sind." Als bislang bestes Einzelergebnis hat Bradl einen vierten Rang aus Mugello zu Buche stehen, die WM-Wertung beendete er als Achter.

Werden die CRT näher dran sein?

Im ersten Jahr der Einführung der Claiming Rule Teams hatten diese keine Chance, selbst den schwächsten Piloten auf Prototypen das Wasser zu reichen. 17 Top-10-Plätze in 18 Rennen und ein fünfter Platz von Michele Pirro beim finalen Ausfallsrennen in Valencia als bestes Einzelergebnis hatte die gesammelte CRT-Fraktion zu verbuchen. Zwar war die "zweite Klasse" der MotoGP auch bei den Testfahrten stets außerhalb der Top-10. Vor allem die Aprilia-Piloten Aleix Espargaro und Randy de Puniet waren aber beinahe auf Tempo der schwächeren Prototypen-Fahrer. Für einen ersten Podestplatz eines CRT-Fahrers werden dennoch wohl zwei Drittel des Vorderfeldes ausfallen müssen.


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