Worüber es schon seit Monaten Gerüchte gab, ist seit dieser Woche bestätigt: Nick Cassidy verlässt nach dieser Formel-E-Saison Jaguar. Für den Neuseeländer ist es der Abschied vom Werksteam nach nur zwei Jahren, in denen er immerhin vier Siege einfahren konnte. 2024 blieb Cassidy bis zum letzten Rennen im WM-Kampf und wurde schlussendlich Dritter, in dieser Saison ist er zwei Rennen vor Schluss Fünfter.
Sportlich lassen sich also nur wenige Gründe für den Abschied Cassidys finden. Zumal Cassidy Gerüchten zufolge vor einem Wechsel zu Stellantis steht. Der Hersteller konnte in den letzten beiden Saisons aber nur vier Siege sammeln im Vergleich zu Jaguars neun (Werksteam plus Kundenteam Envision). Insofern würde Cassidy bei den für nächstes Jahr größtenteils eingefrorenen Formel-E-Boliden zwar nicht zwingend ein Rückschritt, in jedem Fall aber kein sportlicher Fortschritt blühen.
Darauf von Motorsport-Magazin.com beim Saisonfinale in London angesprochen, offenbarte der 30-Jährige die Gründe für seinen Abschied – und sparte dabei nicht mit Kritik an Jaguar. „Ich will ultimativ die Fahrerweltmeisterschaft gewinnen“, setzte Cassidy an. „Und die Fahrer- und Team-Prioritäten sind bei Jaguar ziemlich unterschiedlich. Sie hatten definitiv die Möglichkeit die Fahrer-Weltmeisterschaft zu gewinnen, aber ich würde sagen, dass es für sie nicht wirklich im Fokus steht.“
“Ich würde mich also gerne in eine Position bringen, in der ich Fahrerweltmeister werden kann“, so Cassidy weiter. Die Kritik des neunfachen ePrix-Siegers bezieht sich dabei vor allem auf die Saison 2024, in welcher er sich mit Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein und seinem Jaguar-Teamkollegen Mitch Evans ein bis zum Schluss packendes Titelrennen lieferte.

Immer wieder kam es dabei zu kleineren Reibereien zwischen Evans und Cassidy, die sich mit Blick auf die Gesamtwertung der Formel E schlussendlich an zahlreichen Stellen in der Saison gegenseitig um entscheidende Punkte brachten. Evans fehlen am Ende sechs Punkte, Cassidy nach einem unverschuldeten Ausfall im letzten Rennen 22 Zähler auf Weltmeister Wehrlein. Kommt das Verlassen von Jaguar ultimativ auf den Titelkampf-Frust des Vorjahres zurück? „Es ist mehr als das, aber ja“, verriet Cassidy auf Nachfrage.
Auf diese scharfe Kritik seines Noch-Fahrers angesprochen, gab sich der scheidende Jaguar-Teamchef James Barclay diplomatisch. „Das ist ganz normal. Rennfahrer, die wie er seit sie sechs Jahre alt sind Rennen fahren, denken immer nur an die Fahrerweltmeisterschaft“, so Barclay zu Motorsport-Magazin.com. „Aber wir repräsentieren hier alle ein Team. Es steht Jaguar auf der Tür. Es ist kein individuelles Fahrerteam.“
Klar ist: Die Möglichkeit mit Stellantis (Peugeot) möglicherweise in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC fahren zu können, scheint zumindest keine signifikante Rolle für die Entscheidung Cassidys gehabt zu haben. Denn anders als etwa bei Porsche, wo ein Doppelprogramm aus Formel E und WEC kritisch betrachtet wird, wäre dies bei Jaguar zumindest vertraglich kein Hindernis gewesen. „In meinem Vertrag mit Jaguar wäre es okay gewesen, in der WEC zu fahren, wenn ich mir das gewünscht hätte“, so Cassidy.
Ein Interesse Cassidys an der WEC besteht aber durchaus. „Die WEC ist eine fantastische Meisterschaft und ich wäre dort in Zukunft gerne. Es wäre eine wirklich gute Herausforderung, in der WEC und in der Formel E zu sein, aber das war kein limitierender Faktor mit Jaguar.“


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