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Formel 1

Schumachers Opfer - Heidfelds Zukunft ungewiss

Alle Welt diskutiert über das Comeback von Michael Schumacher. Im Schatten des Rekordchampions ist Nick Heidfeld das Opfer des silbernen Rückkehrers.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Seit zehn Jahren ist Nick Heidfeld in der Formel 1. In dieser Zeit hat er einige Male ein Weihnachtsfest voller Ungewissheit erlebt. Sein Vertrag mit Jordan wurde 2004 sogar erst weit im neuen Jahr unter Dach und Fach gebracht. Der Mönchengladbacher kennt diese Situation also durchaus, allerdings wird sie dadurch weder besser noch einfacher. Schon gleich gar nicht, nachdem Heidfeld in einer äußerst ungewöhnlichen, da lang gezogenen, Silly Season gleich zweimal als Favorit auf ein Spitzencockpit gehandelt wurde - und zweimal verschwanden seine Chancen unerwartet.

Meine Zukunftsplanung und mein Ziel sind es, wieder gemeinsam mit Mercedes Erfolge einfahren zu können.
Nick Heidfeld

Bei McLaren hatte Heidfeld Martin Whitmarsh schon überzeugt, doch dann kam Jenson Button daher und wurde zu Liebe von Sponsor Vodafone und als Denkzettel von Ron Dennis für Mercedes als Teamkollege von Lewis Hamilton verpflichtet. Heidfelds Traum vom McLaren-Cockpit, Sieg- und Titelchancen war damit ausgeträumt. Ersatz stand aber parat: Buttons ehemaliges Cockpit beim Weltmeisterteam Brawn GP, das durch die Übernahme durch Mercedes sogar noch attraktiver geworden war.

"Meine Zukunftsplanung und mein Ziel sind es, wieder gemeinsam mit Mercedes Erfolge einfahren zu können", sagte Heidfeld vor wenigen Wochen, als ihm das Warten auf eine Entscheidung der Silbernen schon verdächtig lange andauerte. Man habe einige Optionen bei anderen Teams, etwa Lotus, verstreichen und Türen zufallen lassen, um auf Mercedes zu warten. Doch der Name Michael Schumacher fiel immer öfter und einen Tag vor Weihnachten hatte Heidfeld zum zweiten Mal den Salat und keine schöne Bescherung: Schumacher fährt 2010 mit Nico Rosberg bei Mercedes GP. Die Wiedervereinigung des ehemaligen Mercedes-Juniors mit seinem Förderer fiel aus, weil ein anderer Ex-Mercedes-Schützling in den Schoß der Stuttgarter zurückkehrt.

Heidfelds Optionen 2010

Renault Es gibt nur noch wenige Teams mit freien Cockpits, Renault ist das einzige davon, das mit Abstrichen als Topteam angesehen werden kann. Allerdings ist nach der teilweisen Übernahme durch Gerard Lopez nicht klar, wie die finanzielle Struktur des Rennstalls aussieht. Demzufolge könnte Renault auch auf der Suche nach einem Pay Driver sein, damit wäre Heidfeld aus dem Rennen. Sportlich bessere Alternativen gibt es zum Deutschen keine.

Sauber Heidfelds altes Team scheint keine Alternative zu sein. Die Truppe von Peter Sauber kämpft nach dem BMW-Ausstieg um jeden Cent. Durch die späte Übernahme und die lange Qadbak-Ungewissheit sind selbst Hotel- und Flugbuchungen zu Problemfällen geworden. Bei Sauber stehen Bezahlfahrer wie Kamui Kobayashi auf der Liste ganz oben. Heidfeld kann damit nicht dienen.

Stefan GP Der serbische Geschäftsmann Zoran Stefanovic möchte 2010 mit den Überresten des Toyota Rennstalls an den Start gehen. Sollte der Plan nicht aufgehen, weil kein anderer Rennstall aussteigt, möchte er ein Testjahr einlegen und 2011 erneut sein Glück versuchen. In beiden Fällen könnte Heidfeld bei Stefan GP andocken. Das serbische Konstrukt wirkt allerdings noch etwas undurchschaubar.

Nick Heidfeld könnte das Opfer der Schumacher-Rückkehr werden. - Foto: Sutton

Toro Rosso Bislang ist nur Sebastien Buemi bei Toro Rosso bestätigt. Sollte man sich nicht mit Jaime Alguersuari einigen, könnte das zweite Cockpit an einen erfahrenen Piloten wie Heidfeld gehen. Immerhin muss Toro Rosso 2010 sein Auto selbst konstruieren und bauen, in dieser Situation wäre Heidfelds Erfahrung hilfreich.

USF1, Campos Drei Plätze sind bei diesen beiden Teams noch zu haben. Heidfeld möchte jedoch bei keinem der neuen Rennställe antreten. Bei Campos sind ohnehin Sponsorengelder gefragt, bei USF1 ist noch lange nicht klar, ob das Team überhaupt antreten wird.

Testfahrer/Auszeit Im schlimmsten Fall müsste Heidfeld ein Jahr pausieren, um 2011 einen neuen Anlauf als Stammfahrer zu wagen. Die Gefahr: Die guten Cockpits könnten dann erneut besetzt sein und andere Fahrer nachdrängen. Als Test- und Ersatzfahrer könnte er im Notfall zu einem Renneinsatz kommen, allerdings müsste dann ausgerechnet bei seinem Team einer der Einsatzfahrer ausfallen oder ihm sein Vertrag einen kurzfristigen Wechsel erlauben - das könnte er aber auch ohne Testfahrerrolle haben. Ein Wechsel in eine andere Rennserie stand bislang noch nicht zur Diskussion und würde für einen Comebackversuch 2011 wohl wenig hilfreich sein.


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