Monaco ist paradox. Monaco ist seltsam. Monaco ist verrückt. Einmal im Jahr wird aus dem kleinen Fürstentum das Zentrum der Motorsportwelt. Jung trifft Alt, Reich trifft Schön, Glitzer trifft Glamour, Yacht trifft Limousine und jeder trifft das blanke Chaos in den engen Gassen.

"Monaco gehört zu den Rennen, bei denen du unbedingt siegen willst", sagt Fernando Alonso. "Als ich dort letztes Jahr gewann, war das ein tolles Gefühl und ich will das in diesem Jahr wiederholen." Mit dieser Absicht steht er nicht alleine da. "Lewis träumt wohl schon seit Monaten davon", sagte Martin Whitmarsh in Barcelona.

In Monaco ist alles anders, in Monaco ist alles möglich; auch der Debütsieg eines Rookies, eines Rookies im gerade einmal fünften F1-Rennen. Dabei ist Hamilton kein normaler Rookie: vier Rennen, vier Podestplätze, Spitzenreiter in der Fahrer-WM - mit so einer Statistik, und einem der besten Autos, im Rücken muss man zu den Sieganwärter zählen.

"Ich habe hier in der F3-Euroserie und der GP2 gewonnen und ich möchte auch in der Formel 1 um den Sieg kämpfen", kündigte Hamilton selbstbewusst an. "Aber ich bleibe Realist - dies ist erst mein fünfter Grand Prix und ich muss immer noch lernen." Trotzdem ist Monaco der Ort, an dem ein Überraschungssieg am ehesten gelingen kann, andererseits ist Hamilton für seinen ersten Triumph nicht auf eine Überraschung angewiesen.

Er kann nicht mehr gewinnen... -
Er kann nicht mehr gewinnen... -Foto: Sutton

Andere hingegen schon: "Ich glaube, dass Monaco für uns definitiv die beste Chance darstellt, ein gutes Ergebnis einzufahren", sagt Spyker-Technikchef Mike Gascoyne. "Denn die Aerodynamik wird hier nicht der Schlüssel sein, da alle Teams mit maximaler Flügeleinstellung fahren werden."

Die Aerodynamik, der heilige Gral der modernen Formel 1. In Monaco ist sie einmal nicht der alles entscheidende Faktor. Zwischen den Leitplanken zählt das Können der Fahrer noch mehr als sonst. Wer einen Fehler begeht, wird sofort bestraft, landet unwiderruflich im Aus. Auch die Zuverlässigkeit der Boliden wird aufs Äußerste gefordert. Nur wer fehlerfrei bleibt, kann gewinnen - das gilt sowohl für Mensch als auch Maschine. Selbst im Qualifying kann ein kleiner Fehler schon einen Startplatz mitten im Feld bedeuten, was aufgrund der nicht vorhandenen Überholmöglichkeiten doppelt schwer wiegt.

Anders betrachtet bedeutet das aber auch: Jeder kann aufs Podium fahren, das hat David Coulthard im Vorjahr bewiesen. Jeder kann gewinnen, das hat Olivier Panis im Ligier bewiesen. Jeder kann die Schwächen seines Autos zu einem gewissen Grad überspielen. Barcelona gilt als richtungweisend für den Rest der Saison; wer dort aus eigener Kraft gewinnen kann, kann das immer. Monaco ist einzigartig - jedenfalls noch. Wer in Monaco gewinnt, gewinnt vielleicht nirgends sonst. Aber jeder erinnert sich an ihn, jeder kennt den Sieger des Monaco GP und jeder kann dieser Sieger sein. Ausfallfestivals, Wetterchaos, Safety-Car-Phasen - alles ist schon da gewesen.

Selbst die Enttäuschten wie Honda oder Renault können hier aus den Niederungen auferstehen, zumindest für einen Tag. Probleme mit den Reifen, mit der Aerodynamik, alles kann hier für knapp zwei Stunden vergessen sein. "Dennoch darf man niemals die Rolle unterschätzen, die das Auto spielt", warnt Renault-Technikdirektor Bob Bell. "Es gibt keinen Zauberstab in Monaco: ein schlechtes Auto wird dort nicht auf einmal gut." Trotzdem kann auf die eine oder andere Weise jeder gewinnen. Monaco ist eben paradox. Monaco ist seltsam. Monaco ist verrückt.