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Formel 1 / Kolumne

Andi Gröbl: Ab in den Ruhestand?

Ein paar "ältere" Herren sind nach den ersten fünf Saisonrennen angezählt. Doch nicht alle müssen sich Sorgen um ihren Job machen.
von Andi Gröbl

Motorsport-Magazin.com - Monaco 2007 war ein historisches Rennen. Ohne es nachgerechnet zu haben behaupte ich: Noch nie sind in der Formel 1 drei so frühreife Piloten gemeinsam auf einem Siegespodest gestanden. Felipe Massa (26 Jahre) der Oldie am Podium neben Alonso (25) und Hamilton (22). Und alle drei können heuer die WM gewinnen. Wen wundert es also, dass nach diesem Saisonverlauf die ganze Fachpresse aufheult und sich jeder ein neues Schlachtopfer unter den länger dienenden Piloten sucht:

Der letzte Kampfschrei von Uncle David? - Foto: Sutton

Die Briten - sofern sie ihn überhaupt noch zur Kenntnis nehmen - schicken Jenson Button medial in die Frührente. Dort wo David Coulthard eigentlich längst sein sollte, meinen die meisten. An Giancarlo Fisichella als Champion glaubt in Italien keiner mehr, über Barrichello lacht ohnedies seit Jahren ganz Brasilien und die Deutschen? Scheint ja nur mehr eine Frage der Zeit, bis Ralf Schumacher den Hut nehmen muss. Wenn all das so kommt, dann sinkt das Durchschnittsalter der Formel 1 im kommenden Jahr dramatisch. Es sei denn, Williams kann Nigel Mansell doch noch mal zum Weitermachen überreden...

Der Fall Ralf Schumacher ist der offensichtlichste der Altherren-Runde. Was da in Monaco alles daneben gegangen ist reicht für eine halbe Saison. Aber die Herren (und Damen) Schreiberlinge unterliegen leider wie alle dem Druck ihrer Redaktionen, reißerische Geschichten bringen zu müssen. Und wenn die Suppe sehr dünn ist, dann spekuliert man halt wild bis man irgendwann beim Horoskop des Opfers ist, das schon in den Sternen lesen kann: Da geht bald nix mehr.

Das Durchschnittsalter der F1 wird dramatisch sinken, außer Nigel Mansell kommt doch zurück.
Andi Gröbl

Auch wenn es nicht populär ist - aber ein paar gute Worte über Ralf fallen mir dennoch ein. Er hasst Monaco. Und er sagt das auch ganz offen. Das erklärt vielleicht so ein Wochenende. (Ich hasse es übrigens auch als Arbeitsstätte - irgendwie macht das den Ralf für mich schon wieder liebenswert - aber das ist eine andere Geschichte.). Im Jahr 1 nach Michael bekommt der kleine Bruder (auch das hasst er übrigens) noch all die Abneigung zu spüren, die man dem Großen nicht mehr geben konnte. Oder sich nie getraut hat. Er ist für viele im Paddock gebrandmarkt: Gehört zu der Sippe, die damals in Adelaide den Hill an die Wand gedrückt hat und so...

Vergessen wir nicht: in einem guten Auto hat Ralf sensationelle Rennen abgeliefert. Er war einer der wenigen Menschen, die Michael Schumacher auf der Strecke besiegt haben. In einem schlechten Auto hat er aber scheinbar nicht die Leaderqualitäten, einen bunten Haufen wie Toyota hinter sich zu versammeln und voran zu peitschen. Kritik aus seinem Mund wird immer wie wehleidiges Meckern aufgenommen. Wie sonst ist es zu erklären, dass der eine oder andere Toyota-Mechaniker mittlerweile sein Grinsen nicht mehr zu verheimlichen versucht, wenn der 17-Millionen Mann mal wieder Mist baut? Trotzdem ist es kein Geheimnis: Ralf ist im Kopf nicht der, der er noch vor 3 Jahren war. Ich behaupte außerdem: Zwei Crashes wie die in Indy gehen an keinem spurlos vorüber.

Ralf kanns nicht mehr hören, andere können ihn nicht mehr sehen... - Foto: Sutton

Ralfs großes Glück kann sein, dass ohnehin kein Spitzenpilot zu Toyota will. Dazu hat man seit dem Einstieg zu wenig - pardon, eigentlich gar nix - weitergebracht. Und das Argument der Kontinuität im Team ist ein nicht wegzuweisendes bei der Zukunftsplanung in Köln. Das Toyota-eigene Nachwuchsprogramm ist ein Feigenblatt. Von dort droht auch kein Ungemach. Ich kann mir gut vorstellen, dass man gegen eine symbolische Gehaltskürzung (vielleicht mit hohen Punkteprämien, damit keiner das Gesicht verliert) weitermacht.

Und was die anderen genannten Frührentner angeht? Fisichella bezahlt 2007 die Rechnung für den 2006er-Titel von Alonso. Renault hat mit der seriösen Entwicklung des diesjährigen Autos um Monate zu spät begonnen, nur um Schumi zum Abschied noch in die Suppe zu spucken. Und ein, zwei Jährchen kann Briatore mit Fisico noch ein bisschen Kleingeld machen. Also ist auch der nicht reif für die Rente. Außer er ist mal wieder zu ehrlich und bezeichnet den Renault in der Zeitung als "nata male", also Missgeburt. Da kann Flavio ganz schnell sehr böse werden. Aber er hat's ja ohnehin nie gesagt.

Bleiben Button, Barrichello und Coulthard. Zumindest einer der drei wird nächstes Jahr die Rennen im Fernsehen anschauen dürfen. Vertrag hin oder her. Wobei: wenn's bei Honda mal wieder besser läuft, dann könnte so ein Podium ja schnell wieder mit Jenson (27), Rubens (35) und David (36) bestückt sein. Es ist ja auch nicht allzu lange her, dass ein 38-jähriger der Mann war, den alle schlagen wollten. Aber leider haben manche Berichterstatter halt oft ein ziemlich kurzes Gedächtnis...

Euer Andi Gröbl


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