Formel 1

Formel 1 Australien: Die Lehren des 1. WM-Laufs

Ein neues Jahr, viele neue Lehren. Die Formel 1 lebt auch ohne Michael Schumacher und es gab einige Überraschungen beim Auftakt.
von Stephan Heublein

Die Lehre vom Leben

Für manchen in Deutschland war es die erste und wichtigste Lehre des Rennwochenendes, für andere die größte Selbstverständlichkeit der Welt: die Formel 1 lebt - auch ohne Michael Schumacher. Was international nicht anders zu erwarten war, gilt übrigens auch für die Heimat des siebenfachen Ex-Champions. "Es sind zwei deutsche Fahrer und vier Autos deutscher Hersteller in den Top10 der Startaufstellung", hob Norbert Haug immer wieder unermüdlich und ungefragt hervor. Im Rennen landeten sogar drei deutsche Fahrer und ebenso viele Autos deutscher Hersteller in den Top-8 und holten damit WM-Punkte. Das erste Mal, dass der Name Schumacher, M. fiel, war bei den Berichten über seinen Störanruf kurz vor der Siegerehrung...

Die Lehre von den Veränderungen

Wie man sich unheilbare Rückenschäden zuzieht, wollen wir nicht lernen, aber zur Illustration dieses Artikels leisten die Damen einen guten Dienst... - Foto: Sutton

Viel hat sich über den Winter in der Formel 1 getan. Es gibt neue Fahrer, neue Teamkonstellationen, neue Motorenpartner, neue Regeln, neue Reifen und, und, und. Nicht wenige waren deshalb gespannt wie der gute alte Flitzebogen, wie sich das neue Kräfteverhältnis gestalten würde. Nur Ralf Schumacher hatte andere Gedanken. Was hat sich für ihn 2007 verändert? "Ich bin ein Jahr älter geworden."

Die Lehre vom Titel

Geheimfavorit - dieser Begriff stand bei BMW Sauber auf dem Index. "Da der Begriff in der Presse entstanden ist, kann er ja nicht so geheim sein", witzelte Mario Theissen, der seine Truppe aber auch nicht als offenen Favoriten sah - zu Recht; jedenfalls im Moment noch. Andere würden sich gerne zum geheimen, öffentlichen oder wahnsinnigen Favoriten küren, Hauptsache man wäre mal Favorit. Dazu zählen vor allem die beiden Hersteller aus Japan. Wann also wird Toyota Weltmeister? "Ich habe leider keine Löcher in den Händen, ich kann es nicht sehen", antwortete Ralf Schumacher, der froh sein durfte, überhaupt einen Punkt geholt zu haben. "Ich habe auch keinen De Lorean, sonst hätte ich es mal versucht, in die Zukunft zu fahren." Ein De Lorean ist der TF107 wahrlich nicht, auch wenn er etwas mehr als die für Zeitsprünge benötigten 140 km/h erreicht.

Die Lehre der drei Tage

Es ist toll, dass ich am Samstagabend nicht heim fliegen muss.
Anthony Davidson

Anthony Davidson, Alexander Wurz und Heikki Kovalainen waren auch in den vergangenen Jahren Stammgäste im Fahrerlager, aber meistens waren sie nie bis zum Schluss da. Spätestens Samstagabend ging es mit dem Flieger nach Barcelona, Jerez oder Valencia - für die anstehenden Testfahrten der kommenden Woche. In Australien erlebten alle drei früheren Edelreservisten ein völlig neues Rennwochenendgefühl. "Es ist großartig, hier zu sein und zu wissen, dass man am Samstag nicht weggehen muss", sagte Davidson. "Man muss mich wahrscheinlich davon abhalten, dass ich aus Routine meine Koffer packe."

Die Lehre von der Größe

Size does matter. Das weiß Alex Wurz spätestens seit der offiziellen Donnerstagspressekonferenz, in welcher der hoch gewachsene Österreicher in der zweiten Reihe Platz nehmen musste. Der Grund dafür war aber keine Diskriminierung von Ex-Testfahrern. Er war schlicht und ergreifend zu groß und somit konferenztechnisch für die zweite Reihe perfekt geeignet. "Na wenn das der Grund ist, dann freut es mich, hier zu sein", lachte Wurz.

Die Lehre vom Aberglauben

Von diesem australischen Ersatzosterhasen könnte man wenigstens lernen, wie man hoch springt. - Foto: Sutton

Rennfahrer haben die aktuellsten Trainingsmethoden und Geräte zur Verfügung, fahren die modernsten Rennboliden und sind angesichts ihrer Hight-Tech-Sponsoren immer am Puls der Zeit. Doch so mancher Aberglaube lässt sich auch im Jahr 2007 nicht abschütteln. "Ich hatte schon immer eine ungerade Startnummer", sagte Christijan Albers nach dem Freien Training. In diesem hatte er auf den Zeitencomputern für Verwirrung gesorgt, da nicht er, sondern Adrian Sutil mit der für Albers vorgesehenen Nummer 20 unterwegs war. "Ich habe schon vor einiger Zeit danach gefragt und das Team gab mir die Nummer. Ungerade Nummern sind einfach schöner. Ich hatte in jeder Meisterschaft, die ich gewonnen habe, eine ungerade Nummer." In Melbourne brachte ihm das kein Glück und vom Titelgewinn ist er auch noch ein Stückchen entfernt...

Die Lehre von der Nationalität

Am Sonntag kam es für deutsche F1-Fans zum Kulturschock: Es gibt eine italienische Nationalhymne, die nicht mit der deutschen Hymne beginnt! Statt der dritten Strophe des Deutschlandliedes erklang bei der Siegerehrung die finnische Hymne. Aber was ist der Unterschied zwischen einem deutschen und einem finnischen Teamkollegen? "Der deutsche war sehr erfolgreich und hat seine Karriere mit 7 Titeln beendet", antwortete Felipe Massa nach kurzem Zögern, "der finnische ist auch sehr schnell, aber sowohl ich als auch er versuchen, so nahe wie möglich an den Deutschen heranzukommen!" Der erste Versuch endete 1:0 für den Finnen.

Die Lehre vom Kinderkriegen

Wer ein Kind für eine Belastung hält, der ist ein bisschen plem plem.
Nick Heidfeld

In der Woche vor dem Australien GP übermittelte Nick Heidfeld über motorsport-magazin.com und seine Website die erste frohe Kunde des Jahres: Nick und seine Freundin Patricia erwarten im Juli dieses Jahres ihr zweites Kind. Für manche Kollegen war das Grund genug, bei Nick nachzufragen, ob das nicht eine zusätzliche Belastung für ihn wäre? Nick konnte diese Argumentation gar nicht nachvollziehen. "Wer ein Kind für eine Belastung hält, der ist ein bisschen plem plem." Das sind in der F1-Welt einige, dass müsstest Du doch wissen, Nick - wir sind doch das beste Beispiel dafür...

Die Lehre von der Umwelt

Melbourne war der erste öffentliche Auftritt der Honda-Weltkugel vor einem Millionenpublikum. Wer die Welt retten, die Umwelt schützen und die Menschen wachrütteln möchte, der muss Opfer bringen. So jedenfalls könnte man erklären, warum Honda mit dem neuen Umweltauto nicht über die erste respektive zweite Qualifyingsession hinauskam. An dem sinnlosen Spritverbrennen in der dritten Session konnte man sich mit dieser Imagekampagne auf dem Auto nun wirklich nicht beteiligen. Aber langsamer als beide Vorjahresautos in Diensten des Kundenteams Super Aguri hätte man nicht unbedingt sein müssen...

Die Lehre vom Informationsstand

Er trat nicht besonders in Erscheinung, aber von ihm könnte man verdammt viel lernen... - Foto: Sutton

Die neue Reifenregel macht die Strategie und damit die Geheimhaltung derselben noch wichtiger. Kann es also sein, dass der Unterschied zwischen den Qualifyingzeiten von Nick Heidfeld und Robert Kubica auf unterschiedliche Strategien zurückzuführen war? "Das werde ich garantiert nicht sagen", fiel Heidfeld nicht auf die Falle herein. "Dann würde mich das Team rausschmeißen." Und das wäre schade gewesen, immerhin holte er mit seiner ungewöhnlichen Strategie die ersten fünf WM-Zähler des Jahres.

Die Lehre von den Korken

Während bei Honda nach zwei Qualifying-Abschnitten ungläubige Blicke regierten, knallten bei Super Aguri schon vor dem Top10-Qualifying die Sektkorken. Wen interessierte da schon der Wirbel um die Legalität jener Autos, die gerade auf die Startplätze 10 und 11 gefahren waren? Ach ja, einen gewissen Colin Kolles...

Die Lehre vom weißen Punkt

Max Mosley liebt kurzfristige Regeländerungen. In diesem Jahr gab es von dieser Sorte aber nur eine. Knapp zwei Wochen vor Saisonbeginn verabschiedete der FIA-Weltrat die Einführung einer neuen Reifenkennzeichnung. Die beiden unterschiedlichen Reifenmischungen müssen, wenn das Auto auf der Strecke ist, jederzeit zu unterscheiden sein. Eine gute, wie das Rennen zeigen sollte, sogar extrem wichtige Entscheidung. Die Umsetzung ließ allerdings zu wünschen übrig. Der händisch aufgebrachte weiße Kreis auf der Flanke der Reifen war selbst im unbewegten Zustand kaum zu erkennen, schon gleich gar nicht bei vollem Speed. Eine Änderung ist laut Bridgestone erst für die Europarennen realistisch. Hoffentlich lässt man sich da etwas Besseres als weiße Kreise einfallen. Honda wäre wahrscheinlich ein grüner Punkt am liebsten.

Die Lehre von der Kollegialität

Manchmal weiß man gar nicht, wo man hinfahren soll.
Adrian Sutil

Auch das gibt es in der heutigen F1 noch: die beiden Neulinge Adrian Sutil und Lewis Hamilton fahren nach dem Wochenende gemeinsam in Urlaub, erst ein paar Tage in Australien, danach in Bali. Daran änderte sich auch nichts, nachdem Sutil eine Durchfahrtsstrafe kassierte, weil er angeblich Hamilton bei dessen Überrundungsmanöver behindert haben soll. Überhaupt waren die Überrundungen für Adrian etwas faszinierendes, wenn auch nicht unbedingt nur im positiven Sinn. "Die Überrundungen sind extrem. Man weiß manchmal gar nicht, wo man hinfahren soll. Räikkönen war so schnell, da musst du echt aufpassen." Alle die sich daran halten, zeigen Kollegialität, ohne gleich gemeinsam in Urlaub fahren zu müssen.

Die Lehre vom Funk

Einsteigen, Gas geben und gewinnen ist schon lange nicht mehr möglich. In einem F1-Auto müssen Knöpfe gedrückt, Einstellungen abgerufen und munter per Funk Informationen ausgetauscht werden. Christijan Albers soll vom Funkverkehr so sehr abgelenkt worden sein, dass er sein Auto als erster Fahrer der neuen Saison in den Reifenstapel setzte. Sein Teamkollege Adrian Sutil hätte da einen Rat für ihn parat: "Nein, ich lasse mich während des Rennens nicht über alle Positionen informieren, das würde mich nur in der Konzentration stören." So schlecht ist ein kompletter Funkausfall wie bei Sieger Kimi Räikkönen also doch nicht...


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