Für das Heimrennen, das zudem noch ziemlich genau 100 Jahre nach dem Sieg von Renault beim allerersten Grand Prix der Motorsportgeschichte stattfand, hatten Sie sich doch mit Sicherheit einen Sieg gewünscht. Wir groß ist bei Ihnen die Enttäuschung, dass es nur für Platz zwei reichte?

Denis Chevrier: Zunächst möchte ich klarstellen, dass wir natürlich bei jedem Grand Prix gewinnen wollen. Wenn das nicht gelingt, ist es immer enttäuschend. Nach dem Qualifying haben wir an unsere Stärke geglaubt und daran, dass sich unsere Konstanz unter Rennbedingungen auszahlen würde. Aber wir dramatisieren nichts. Wenn du nicht gewinnen kannst, musst du versuchen, Zweiter zu werden, denn in Sachen WM-Punkte ist der Unterschied nur gering. Aus strategischer Sicht war das gestern ein enorm wichtiger zweiter Platz.

Sie profitieren also von einem Punktesystem, das Konstanz belohnt ...

Denis Chevrier: Nun, man könnte auch sagen, dass sich unsere Meinung über das Punktesystem in den vergangenen Wochen etwas verändert hat. Zu Beginn der Saison war es für uns etwas frustrierend, dass wir uns trotz Siegesserie aufgrund des Wertungssystems in der Gesamtwertung nicht deutlicher von Ferrari und Michael Schumacher absetzen konnten. An diesem Wochenende in Magny-Cours, wo wir leistungsmäßig unterlegen waren, haben wir ganau davon profitiert und dürfen uns nach wie vor über einen soliden Vorsprung in beiden WM-Wertungen freuen.

Ferrari hat jetzt zwei Rennen in Folge gewonnen. Ist das ein Zeichen für eine endgültige Verschiebung der Kräfteverhältnisse?

Denis Chevrier: Es ist eine enge Auseinandersetzung zwischen beiden Teams. Das war so seit Saisonbeginn und wird bis zum Ende des Jahres so weitergehen. Es besteht kein Grund zur Panik – weder in puncto WM-Wertung noch in Bezug auf den technologischen Status Quo. Okay, Ferrrari hat zwei Rennen in Folge gewonnen, aber davor triumphierten wir vier Mal hintereinander. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass das Pendel in den kommenden Wochen wieder in unsere Richtung ausschlagen wird.

Wie ist derzeit die Stimmung im Team?

Denis Chevrier: Ausgezeichnet, wie immer. Wenn du gewinnst, darfst du dich einfach nicht auf deinen Lorbeeren ausruhen, denn sie verwelken schnell. Mehr oder minder das Gleiche gilt auch, wenn du verlierst. Unsere Aufgabe lautet, weiter unseren Job zu erledigen und uns auf die bevorstehenden Herausforderungen zu konzentrieren. Es gibt im Endeffekt nur eine Sache, die wir tun können: überlegen, wie wir den Renault R26 noch schneller machen können.

Gibt es ein Geheimnis, um weiter Oberwasser zu behalten?

Denis Chevrier: Der nächste Sieg, den wir einfahren, wird sich auf eine Sache zurückführen lassen – nämlich, dass wir unseren Job erledigt haben, hier eine, dort zwei Zehntelsekunden zu finden und die notwendigen Weiterentwicklungen so schnell wir möglich in den Rennen einzusetzen. Ob wir gewinnen oder verlieren, ändert nichts an unserer Herangehensweise. Wir müssen uns immer weiter verbessern, um gegen unsere Konkurrenten bestehen zu können.

Aus Teamkreisen war zu hören, das die neue C-Spezifikation beim Grand Prix von Deutschland über nochmals mehr Leistung verfügen soll. Was können Sie uns dazu sagen?

Denis Chevrier: Die Einführung C-Spezifikation markierte den Anfang einer neuen Motorenfamilie und stellte eine gute Basis für die Weiterentwicklung des V8-Triebwerks dar. Fernando Alonsos Motor wird in Hockenheim bereits eine Grand Prix-Distanz absolviert haben, Giancarlo Fisichella wird auf ein brandneues Aggregat zurückgreifen können. Beide Fahrer werden dabei von weiteren Leistungssteigerungen profitieren. Der neue Motor verfügt über ein enormes Potenzial. Durch Änderungen an der Motorsteuerung können wir davon ab dem nächsten Rennen noch mehr freisetzen.