Das Heimrennen auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari di Imola soll für die Roten ein Neustart in die Saison 2006 werden und im Maranello sind während der letzen Wochen die Lichter nicht ausgegangen. Der Technische Direktor Ross Brawn sagte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, dass man die Probleme der Überseerennen gelöst habe und mit einem vollkommen überholten Auto in die Europarennen starten werde.

Die Motorenprobleme seien gelöst, bestätigte der Engländer, und der neue Kolben hätte sich bei den letzten Testfahrten bewährt. " Damit können wir in Imola wieder die Maximaldrehzahl ausnutzen. In Melbourne mußten wir aus Sicherheitsgründen um 400 Umdrehungen unter diesem Wert bleiben." Außerdem gibt es am 248F1 ein neues Aerodynamikpaket und eine überarbeitete Hinterradaufhängung. Dazu noch die neuen, weicheren Bridgestone-Reifen und "wir sind gut gerüstet," meinte Brawn.

Brawn bleibt zuversichtlich, Foto: Sutton
Brawn bleibt zuversichtlich, Foto: Sutton

Auf die Frage, wo er denn sein Team in der Hackordnung der Teams sehe, meinte Brawn: "Die besten vier Teams liegen eng zusammen. Renault hat vielleicht einen kleinen Vorteil. Aber Kleinigkeiten können da schon den Unterschied ausmachen." Spekulationen, dass Ferrari in der Konkurrenz hinterherhinken würde, da sie, im Gegensatz zu anderen, nur einen Windkanal zur Verfügung hätten, widersprach der 51-jährige vehement. Allerdings sein man auf dem Gebiet der Aerodynamik auch nicht mehr voraus, musste er zugeben. "Es wäre zu einfach, die Probleme von 2005 an der Zahl der Windkanäle festzumachen. Unser System mit einem Windkanal hat ja auch 2004 funktioniert," sagte er. Vor fünf Jahren sei man der Konkurrenz meilenweit voraus gewesen.

"Dann haben wir Nicholas Tombazis, James Allison und Antonia Terzi an die Konkurrenz verloren," fuhr er fort. "Die hatten natürlich unsere Geheimnisse mit im Gepäck. Da haben unsere Rivalen erst einmal gemerkt, auf welchem Niveau und mit welcher Konsequenz bei uns das Thema Aerodynamik angegangen wurde. Das hat bei den Gegnern ein Nachrüsten in Gang gesetzt, was zwangsläufig unseren Vorteil ausgelöscht hat."

Einige der momentan überlegenen Teams, McLaren, Honda und Williams, setzen bereits ein stufenloses Getriebe ein, das es den Fahrern ermöglicht, Gangwechsel ohne Kraftverlust durchzuführen und auch BMW hat angekündigt, nächstes Jahr diese Neuerung zu bringen. Ross Brawn bekannte nun, dass man auch bei der Scudria mit Hochdruck einem solchen Getriebe arbeite und auch versuchen wolle, es noch in der ersten Saisonhälfte einzusetzen. "Wir hatten zunächst ein sehr komplexes System in Arbeit, das uns auch eine hohe Zuverlässigkeit versprochen hätte," erklärte er. "Aber dieses System ist kompliziert, wartungsunfreundlich, schwer und teuer. Wir haben dann ein simpleres Konzept gebaut, das aber mit Risiken behaftet ist. Wenn da bei einem Schaltvorgang das geringste Problem auftritt, kannst du das Getriebe abschreiben."

"Deshalb brauchen wir noch ein paar Tests, um die Risiken mit der einfacheren Variante zu minimieren," so Brawn weiter. "Das stört uns aber nicht, weil wir die Schaltzeiten bei unserem normalen Getriebe deutlich verkürzen konnten. Michael schwärmt richtiggehend davon. Das bringt uns pro Runde eineinhalb Zehntel. Das stufenlose Getriebe legt noch mal eineinhalb Zehntel drauf." Apropos Michael Schumacher. Wird er weiter bei Ferrari bleiben oder doch aufhören?

"Zur Zeit finden Gespräche statt," antwortete Brawn. "Es liegt an Schumacher, sich zu entscheiden. Wir haben ihm keine Fristen gesetzt, aber ich gehe davon aus, dass er Ferrari bis Mai oder Juni Bescheid geben wird." Der Brite geht jedoch davon aus, dass Schumacher auch weiter in der Formel 1 bleiben wird. "Ich sehe keinen Grund dafür (dass er aufhört). Michael ist so motiviert wie eh und je. Und er hat mehr Erfahrung als jeder andere Fahrer im Feld. Aber auch er braucht zum Gewinnen das entsprechende Auto. Da liegt es an uns, ihm das zu geben."