"Wie sich die Zeiten doch geändert haben", eröffnet eine gemeinsame Aussendung von Red Bull Racing und der Scuderia Toro Rosso - anlässlich des bevorstehenden Saisonauftakts in Bahrain. Noch vor einem Jahr sei man eben erst in die Formel 1 eingestiegen - jetzt würde man mit den beiden Teams 18,18 Prozent des Feldes ausmachen. "Vielleicht sollten wir noch 1,82 Prozent eines weiteren Rennstalls kaufen, nur um auf runde 20 Prozent zu kommen?", fragt man süffisant.

Und so braucht man sich also keine Sorgen zu machen, dass die Red Bull-Ställe als Doppelpack nicht weiterhin "cool und crazy" sein würden. Man muss also auch in diesem Jahr keine "Wir möchten in die Punkte kommen"-Rennvorschauen befürchten - das wird ohnehin von den restlichen 81,82 Prozent des Feldes erledigt.

Die Red Bull-Vorschauen des letzten Jahres waren zynisch-witzige Häppchen, man könnte, wäre man "cool und crazy", auch "Reiseführer des Bösen" dazu sagen. Womit will uns nun die Red Bull-Grand Prix-Vorschau der zweiten Generation verwöhnen? Es dürfte sich dem Vernehmen nach um eine regelmäßige und herzlich willkommene Überdosis an Selbstironie handeln - überzeugen Sie sich selbst, die erste Red Bull-Grand Prix-Vorschau des neuen Jahres im Originalwortlaut:

"Das Red Bull-Glaubensbekenntnis wird nicht angetastet. Tatsächlich stand bei allen Bewerbungsgesprächen während des zurückliegenden Winters im Vordergrund, herauszufinden, ob der Betreffende cool und crazy ist. Adrian Newey? Spielte es aus unserer Sicht eine Rolle, dass seine Rennwagen bisher jede Menge Rennen und Titel gewonnen haben? Nein, uns beeindruckte es, dass er so cool und crazy ist, unbedingt in Milton Keynes arbeiten zu wollen. Gerhard Berger? Spielt seine reiche Erfahrung als Rennfahrer, Teamchef und Businessman eine Rolle? Nein, was allein zählt, ist, dass er ein lebendes Lexikon der Coolness ist (das Wörtchen "crazy" lassen wir auf seinen persönlichen Wunsch hin weg).

Aus diesem Grund wollen wir in dieser Saison mit euch die beeindruckend reiche Erfahrung, die unsere beiden Teams auf diesem Gebiet haben, teilen. Wie verblüffend sie ist, zeigt folgender Zwischenfall: Kürzlich streikte auf dem Weg zu einer Testfahrt einer unserer Leihwagen. Unser Technik-Spezialist vermutete, die Ursache für die Panne läge eindeutig entweder an den Ventilen oder an einem Sensor der Kurbelwelle. Unser Elektrik-Ingenieur widersprach. Er empfahl, sich den Kabelbaum vorzunehmen. Schließlich kam unser Software-Spezialist mit einem Lösungsvorschlag: "Lasst uns die Fenster schließen und aussteigen. Danach steigen wir wieder ein und öffnen die Fenster – ich wette, dass der Wagen dann wieder läuft!" Ist dieser Kerl nicht echt cool und crazy!

Bei den meisten Veranstaltungen dieses Jahres werdet ihr eine gemeinsame Race-Preview beider Teams erhalten, denn schließlich kursiert die Theorie, dass wir 'Rivalen auf der Piste sind, im übrigen aber einer gemeinsamen Familie angehören'. Sicherlich habt ihr diese Aussage bei unserer Präsentation oft genug gehört. Das hört sich ja ganz nett an. In der Praxis wird es aber vermutlich darauf hinauslaufen, dass sich die Mitglieder beider Teams nach nur drei Rennen nicht einmal mehr grüßen werden. Unser Launch? Ach ja, völlig richtig, die fand bisher noch gar nicht statt. Wir sind viel zu cool und crazy, um etwas derart Konventionelles zu machen, wie eine Vorstellung unserer Teams vor dem ersten Rennen – auch wenn das für euch Journalisten möglicherweise hilfreich wäre.

Wenn wir eine Launch organisiert hätten, wäre wohl auch wiederholt das Wort "Synergien" gefallen. Aber das verwirrt eigentlich nur. Weshalb, so unsere Überlegung, soll ein Begriff, den eine Krankenschwester benutzt, wenn sie eine Spritze verabreicht, beim Einsatz von zwei Teams entscheidende Vorteile bringen?

Ihr könnt verbreiten, dass wir die Teams sind, die Spaß daran haben, alles ganz anders zu machen. Oder – im Fall der genannten Launch – sogar verzichten. Aber wir sind derart cool und crazy, dass sich unsere Fahrer und Ingenieure darauf freuen, sich jederzeit (abgesehen von der Launch-Party am Donnerstagabend) während der GP-Weekends mit euch zu unterhalten. Das gilt speziell dann, wenn unmittelbar vor Beginn des Rennens auf dem Startplatz schwierige Fragen gestellt werden."