Letzter Sonntag vor dem Beginn der neuen Formel 1-Saison - 2006 wird für die deutsche Formel 1-Welt ein Schicksalsjahr. Denn immer noch steht und fällt das Medieninteresse der großen Mehrheit mit dem Ausnahmerennfahrer dieses Planeten, dem Siebenfachweltmeister Michael Schumacher. Zwar stehen mit dessen Bruder Ralf, Nick Heidfeld und Nico Rosberg siegerprobte, siegfähige und siegverdächtige Piloten parat, aber dass es in der Ära nach "Schumi" anders aussehen wird im deutschen Medienwald, dürfte allen Beteiligten klar sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Deutschland in der Zeit vor Schumacher ein Niemandsland in punkto Formel 1 war - sieht man von dem leider viel zu früh verstorbenen Stefan Bellof ab, der sieben Jahr vor Schumacher die Formel 1 eroberte und ein ähnliches Kaliber wie der Kerpener war.
Und so hängen sie an seinen Lippen und warten ängstlich auf seine Entscheidung. Deutschlands größte Tageszeitung, die Bild-Zeitung, bat Schumacher zu einem letzten Interview vor dem Saisonbeginn. "Warum dauert das so lange, bis unsere Sporthelden ihre Zukunft entscheiden?", fragt man den Siebenfachchampion ungeduldig. "Ist es nicht legitim, zum optimalen Zeitpunkt zu entscheiden?", fragt Michael Schumacher zurück. Dass der Fan "nicht gerne auf die Folter gespannt" werden wolle, antwortet man. Schumacher zeigt Einsicht: "Verständlich. Aber ich möchte die Entscheidung dann treffen, wenn es wirklich geht." "Und wann geht es?", lässt man keinesfalls locker. Schumacher: "Lasst mich noch ein paar Rennen fahren, dann schaue ich, wie es aussieht..."
Passend zur abendlichen Fernsehshow eines nicht minder bekannten Gummibärenwerbevertragspartners erklärt Schumacher, er wette, dass er Weltmeister werden würde. Er wolle das "Ex vor dem Weltmeister ausradieren". Wie schnelllebig das Mediengeschäft ist, zeigt die Frage, wie er denn gedenke, Alonso und Räikkönen zu schlagen. "Entschuldigung?", antwortet Schumacher erstaunt - und fügt hinzu: "So wie in den Jahren davor! Mit Ausnahme von der letzten Saison hat das doch immer ganz gut geklappt..."
Doch auch einen 37jährigen Ausnahmerennfahrer scheint man schnell zum alten Eisen legen zu wollen. Was er an der "Alonso-Generation" beneide, fragt man Schumacher. Der 84fache GP-Sieger (im Vergleich dazu: Alonso 8 Siege, Räikkönen 9) antwortet: "Mir ist immer noch nichts aufgefallen, wo ich sage, he, da bin ich aber schlechter als die Jungen."
Und das Auto? Den 248 F1 betrachtet Schumacher selbstverständlich als "WM-reif". Derzeit würde Renault "knapp vorne" liegen, was sich jedoch ändern könne, dahinter kämen Honda, McLaren-Mercedes und natürlich Ferrari, schätzt Schumacher die Lage ein. Einem Traumpaar Valentino Rossi/Michael Schumacher erteilt der Ex-Weltmeister eine klare Absage. Eine solche Konstellation sei "ziemlich unwahrscheinlich", sagt Schumacher. "Mit meiner Person hat das jedoch nichts zu tun", fügt er hinzu.

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