Liam Lawsons Comeback bei Red Bull in Zandvoort war nach der Verletzung von Isack Hadjar aus der Not heraus geboren. Doch es könnte zur großen Rehabilitierungsshow des einst beim großen Bullenteam gechassten Neuseeländers werden. Denn nachdem er schon im Sprint-Qualifying eine in Anbetracht der Umstände überaus passable Leistung abgeliefert hatte, legte er im Qualifying für das Formel-1-Rennen nochmal richtig einen drauf.
In Q3 reihte sich Lawson nur eine Zehntelsekunde hinter Max Verstappen ein. Einer 1:11,618 des vierfachen Weltmeisters stand eine 1:11,733 seines Interims-Teamkollegen entgegen - gleichbedeutend mit P7 und P8. Nur selten haben es Teamkollegen von Verstappen in einem Qualifying so knapp an den 71-fachen Grand-Prix-Sieger herangeschafft, erst recht nicht unter diesen Umständen.
Lawson sieht sich für Red-Bull-Pleite rehabilitiert: "Jetzt kann es auch die Welt sehen"
Lawson konnte damit im fünften Anlauf erstmals einen Red Bull unter den ersten Zehn qualifizieren (inklusive Sprint-Qualifyings). Er geht davon aus, dass er mit diesem Wochenende endlich das Bild seiner ersten Red-Bull-Odyssee aus dem Vorjahr geraderücken kann. "Ich habe innerlich immer gewusst, dass es unter anderen Umständen anders gelaufen wäre, jetzt könnt auch ihr und die Welt es sehen", sagte er gegenüber der versammelten Presse nach dem Qualifying.
Dabei spielt Lawson unter anderem auf zwei Aspekte an. Einerseits darauf, dass der RB21 damals schwierig zu fahren war. Andererseits, dass Lawson mit Australien und China damals auf zwei Strecken kam, die für ihn komplett neu waren. "Es gab damals viele Dinge, die uns nicht geholfen haben", betonte er.
Mit 33 weiteren Grands Prix an Erfahrung, einer starken ersten Saisonhälfte im Rücken und mit einer anderen Einstellung kehrte Lawson nun zu Red Bull zurück. "Letztes Jahr kam ich an und versuchte mich mehr oder weniger mit allem zurechtzufinden, was Max im Auto hatte. Diesmal hatte ich nicht die Gelegenheit, mich daran zu gewöhnen, und ich versuchte es vom Gefühl her so ähnlich wie möglich zu meinem eigenen Auto zu machen und zu vergessen, was er alles hat", erklärte Lawson seine Philosophie. "Ich denke, das hat geholfen."
Nichtsdestotrotz unterscheidet sich das Fahrgefühl im RB22 drastisch von jenem im VCARB03, den Lawson ansonsten in diesem Jahr steuert. "Abgesehen von der Power Unit fühlt sich wirklich alles anders an", so der aktuell WM-Neunte. "Die Art, wie sich die Lenkung verhält zu, wie sich die Balance des Autos in der Kurve verhält. Natürlich auch der Grip in den schnellen Kurven", zählte der etatmäßige Racing-Bulls-Fahrer beispielhaft zwei Punkte auf.
Vergleich zu 2025: So viel besser ist Liam Lawson bei seinem Red-Bull-Comeback
Der Vergleich mit dem Vorjahr fällt geradezu grotesk aus. 2025 verlor Lawson im Laufe seiner drei Qualifying-Einsätze bei Red Bull im Schnitt 0,88 Sekunden auf Max Verstappen und das wohlgemerkt jeweils im Q1, als der Niederländer wohl kaum schon an sein Limit gehen musste. Nimmt man das Sprint-Qualifying vom Freitag mit dazu, waren es im letzten gemeinsam absolvierten Segment in Zandvoort nun im Schnitt 0,24 Sekunden.
Es gibt aber natürlich noch eine andere Interpretation dieser Daten. Denn nicht nur Lawson gelang es jetzt, knapp an Verstappen heranzukommen, auch der etatmäßige Verstappen-Partner Isack Hadjar verlor im Schnitt in diesem Jahr nur knapp über zwei Zehntelsekunden und damit weit weniger als dessen Vorgänger.
Verstappen selbst führt das auf sein Hassthema zurück: Die aktuelle Fahrzeug-Generation der Formel 1. In dieser sei es kaum mehr möglich als Fahrer einen großen Unterschied zu machen, wie er bereits mehrmals in diesem Jahr betonte. In Zandvoort fühlte sich Verstappen nach dem Qualifying deshalb bestätigt. Er sprach: "Es ist heutzutage viel einfacher, mit diesen Autos das Limit zu finden. Dieses Wochenende demonstrierte das ziemlich gut, verglichen mit den vorherigen Autos. Alle sind immer innerhalb von ein bis zwei Zehnteln [zu ihren Teamkollegen]. Wenn man ein sehr schlechtes Qualifying hat, dann drei Zehntel."
Im Rennen sei dieser Effekt ein bisschen weniger ausgeprägt, ist der dreifache Zandvoort-Sieger weiters überzeugt. Es gilt ohnehin, erst einmal den Grand Prix abzuwarten, ehe man ein finales Urteil über das Comeback-Wochenende von Lawson bei Red Bull ziehen kann. Wo und wann ihr das Rennen schauen, und euch damit selbst ein Bild von seinem Auftritt verschaffen könnt, erfahrt ihr hier:



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