Toyota-Werksfahrer Mike Conway wird zum Ende der Saison 2026 seine Karriere im Motorsport beenden. Der 43-Jährige gab am Dienstag seinen Abschied unter Tränen mit einem emotionalen Statement in den sozialen Medien bekannt. Conway bestreitet noch die beiden ausstehenden WEC-Rennen in Barcelona (18.10.) und Monza (08.11.), bevor seine lange Zeit in der Welt des Rennsports ihr Ende nimmt.
Toyota verabschiedete den Briten mit warmen Worten, gab seinen Nachfolger für das WEC-Programm 2027 aber noch nicht bekannt. Internationale Medien spekulieren seit Monaten, dass Porsche-Star Kevin Estre seinen Platz einnehmen könnte.
Mike Conway beendet Karriere - Weg frei für Kevin Estre?
Der deutschsprachige Franzose soll nächstes Jahr ein internationales Doppelprogramm bestreiten: weiterhin für Porsche in der US-amerikanischen IMSA-Meisterschaft sowie erstmals bei Toyota in der Langstrecken-WM. Porsche-Werkspilot Laurens Vanthoor absolviert 2027 ein ähnliches Dualprogramm mit WEC-Neueinsteiger McLaren sowie weiteren Porsche-Starts bei den langen IMSA-Rennen. Porsche hatte sich Ende 2025 werksseitig aus der WEC verabschiedet und bietet einigen seiner Werksfahrer die Möglichkeit, parallel für andere Hersteller anzutreten.
Conway fuhr seit 2014 durchgängig für Toyota in der WEC sowie seit 2015 bei den 24 Stunden von Le Mans. In den Jahren 2021 sowie 2026 gewann er den Langstrecken-Klassiker und holte vier zweite Gesamtplätze, außerdem errang er zwei Fahrer-WM-Titel (2029/20 und 2021). Conway blickt auf insgesamt 20 Siege mit Toyota zurück und hat dieses Jahr Chancen auf den dritten Titelgewinn. Mit seinen Teamkollegen Kamui Kobayashi und Nyck de Vries belegt er den zweiten Gesamtplatz hinter dem Toyota-Schwesterauto mit Buemi/Hartley/Hirakawa.

Conway: Vom Formel-1-Testfahrer zum Le-Mans-Sieger
Conway fokussierte sich in den vergangenen Jahren vorrangig auf die WEC, unternahm aber immer wieder Ausflüge zu den US-Rennen in Daytona oder Sebring. Seine Karriere in der Langstrecken-WM begann bereits 2013 mit G-Drive in der LMP2-Klasse, bevor er zunächst als Ersatzfahrer bei Toyota anheuerte.
Zuvor war Conway zwischen 2009 und 2014 in der IndyCar-Serie aktiv und gewann in dieser Zeit vier Rennen. 2008 zählte er zum Formel-1-Testfahreraufgebot von Honda, schaffte aber nie den Sprung in die Königsklasse des Formelsports. Mit dem WEC-Saisonfinale in Monza wird er insgesamt 94 Rennen für Toyota bestritten haben.
Abschieds-Statement von Mike Conway im Wortlaut
"Hallo zusammen. Ich wollte euch einfach mitteilen, dass ich am Ende dieser Saison meine Karriere als professioneller Rennfahrer beenden werde.
Es war ein ziemlich langer Weg bis zu diesem Punkt - und einer, auf den ich wirklich stolz bin. Ehrlich gesagt war es auch eine sehr emotionale Reise, mit so vielen Höhen und Tiefen, mit unterschiedlichen Rennserien, bis hin zu dem Punkt, an dem ich mich jetzt befinde: seit mittlerweile 13 Saisons bei Toyota. Das ist wirklich ein Ort geworden, den ich mein Zuhause nennen kann.
Ich denke, diese Reise hat angefangen, als ich acht Jahre alt war. Mein Vater und ich haben damals einfach eines Tages beschlossen, das auszuprobieren. Von da an gingen die Jahre irgendwie ineinander über, und man arbeitet sich durch die verschiedenen Klassen nach oben: Formel Renault, Formel 3, GP2, einige Formel-1-Tests, was ziemlich cool war. Und dann ging es nach Amerika.
Ich unterschrieb einen Vertrag für eine Saison in der IndyCar-Serie. Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Ovalrennen oder Ähnlichem. Ehrlich gesagt war das ziemlich ein Sprung ins kalte Wasser. Ich hatte einige Unfälle, konnte dann aber auf den Strecken, die mir wirklich lagen, einige Erfolge feiern - auf Stadtkursen und solchen Strecken.
Irgendwann begann ich, Sportwagen als Alternative in Betracht zu ziehen. Das hat mich schließlich zu Toyota gebracht, das nun seit 13 Saisons mein Zuhause ist und wo ich eine wirklich großartige Zeit hatte. Es war eine unglaubliche Reise, eine, die ich mir so niemals hätte vorstellen können. Unterwegs hatte ich viele großartige Teamkollegen. Wir haben viel zusammen gelacht - und tun das noch immer.
Es gab viele Siege, nicht nur für den Hersteller, sondern auch Fahrer-Weltmeistertitel und natürlich Le Mans. Dieser Sieg ist uns als Team so oft durch die Finger geglitten. Und auch mit der Startnummer 7 haben wir es viele Male versucht und dachten mehrfach, wir hätten es geschafft. Vier oder fünf zweite Plätze hatten wir dort, bevor wir 2021 schließlich gemeinsam mit Jose (Maria Lopez) und Kamui (Kobayashi) gewinnen konnten.
Das war etwas ganz Besonderes und ein Moment, den ich sehr lange in Erinnerung behalten werde. Natürlich war auch der jüngste Erfolg 2026 wieder etwas ganz Besonderes. Es gibt sehr vielen Menschen zu danken. An erster Stelle steht natürlich meine Familie - mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und mein Bruder. Sie waren sehr lange Teil dieser Reise. Mein Vater hatte daran einen enorm großen Anteil. Er fehlt heute sehr.
Und inzwischen habe ich auch meine eigene kleine Familie, die wächst. Meine Kleine ist jetzt dreieinhalb Jahre alt, und ich möchte dabei sein und miterleben, wie sie aufwächst. Das ist definitiv ein Teil meiner Entscheidung. Und natürlich auch ein großes Dankeschön an meine Frau für ihre Unterstützung.
Ein großes Dankeschön geht auch an Mark Blundell. Er begleitet mich mittlerweile seit mehr als 20 Jahren. Wir haben tatsächlich sehr viel zusammen erlebt. Mark, vielen Dank für deine ganze Unterstützung. Ich habe sie immer sehr geschätzt.
Unterwegs hatte ich einige großartige Teamkollegen, besonders bei Toyota. Ich habe viel von euch gelernt, und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, sich ein Auto mit euch zu teilen. Wahrscheinlich sind all die Momente außerhalb des Autos sogar diejenigen, die mir am meisten in Erinnerung bleiben werden.
Es gibt ehrlich gesagt so viele Menschen, denen ich danken möchte - allen, mit denen ich in der Fabrik zusammengearbeitet habe, nicht nur im Rennteam, sondern allen, die dort tagtäglich arbeiten. Vielen Dank an alle in Japan für eure harte Arbeit und dafür, dass ihr dieses Team so erfolgreich gemacht habt. Und auch an Akio Toyoda: Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Vom allerersten Rennen in Rye House, als ich in ein Kart gestiegen bin, bis zu dem Moment, als ich in Le Mans ganz oben auf dem Podium stand - und an all die Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben: ein großes Dankeschön für diese Reise. Ihr alle habt auf eure Weise dazu beigetragen. Vielen Dank dafür."
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