Der Automobil-Weltverband FIA und der ACO als Veranstalter der WEC sowie der 24 Stunden von Le Mans haben ihre Zusammenarbeit vorzeitig verlängert. Der neue Vertrag gilt für zehn Jahre bis einschließlich 2037 und tritt ab Ende 2027 in Kraft, wenn der aktuelle Kontrakt zwischen den beiden Parteien ausläuft. Damit ist die Zukunft der Langstrecken-Weltmeisterschaft unter dem Banner der FIA erst einmal langfristig gesichert.
Wie aus der am Mittwochmorgen versendeten, gemeinsamen Pressemitteilung hervorgeht, weitet die FIA ihren Einfluss auf die WEC aus, und damit auch auf das Prunkstück des ACO, die 24 Stunden von Le Mans. Damit dürfte FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem erreicht haben, was er offenbar in den Diskussionen mit ACO-Präsident Pierre Fillon angestrebt hatte: Mehr Macht für den automobilen Weltverband über die französische Motorsport-Bastion namens Automobile Club de l'Ouest.
FIA weitet Einfluss auf WEC und 24h Le Mans deutlich aus
Im Rahmen der verlängerten Zusammenarbeit sollen künftig in der WEC sämtliche regulatorischen Prozesse von FIA-Arbeitsgruppen und der FIA Endurance Commission überwacht werden und der abschließenden Genehmigung durch den FIA World Motor Sport Council unterliegen. Auch das Homologationsverfahren sei "gestrafft" worden: FIA und ACO werden künftig gemeinsam die Homologation aller Prototypen überwachen, die in der Topklasse namens Hypercar antreten.
Und damit der gesteigerte Einfluss der FIA auf die prosperierende Langstrecken-WM auch für jedermann sichtbar ist, soll das FIA-Branding künftig deutlich sichtbarer sein in relevanten Bereichen wie dem Parc Ferme, auf dem Podium und an den Safety Cars sowie innerhalb der TV- und Streaming-Übertragungen.

FIA-Präsident: "Nicht einfach nur eine Vereinbarung"
"Dies ist nicht einfach nur eine Vereinbarung, sondern ein entscheidender Schritt nach vorn für den Rennsport, der die Zukunft der FIA World Endurance Championship für viele Jahre absichern wird", wurde Ben Sulayem in der Pressemitteilung zitiert. "Es war mir eine Ehre, Teil dieser Zusammenarbeit zu sein, die dazu beigetragen hat, dieses goldene Zeitalter des Langstreckensports einzuleiten. Ich freue mich darauf, unsere Arbeit gemeinsam mit Präsident Pierre Fillon und seinem Team fortzusetzen, diesen Schwung zu nutzen und eine noch stärkere Zukunft zu gestalten."
Monsieur Fillon, der dem FIA-Präsidenten für die "großartige Beziehung, die wir aufgebaut haben" dankte, ergänzte: "Wir freuen uns sehr über die Verlängerung der Vereinbarung zwischen der FIA und dem ACO. Sie stärkt die enge und langjährige Beziehung, die seit der Gründung der FIA World Endurance Championship im Jahr 2012 ein zentraler Bestandteil der Meisterschaft ist. Diese Partnerschaft basiert auf Vertrauen, gemeinsamen Ambitionen und dem gemeinsamen Engagement für die Weiterentwicklung des Langstreckensports."
FIA überwacht nächstes Hypercar-Reglement
Mit der Vereinbarung kann die FIA nun auch stärkeren Einfluss auf die nächste Hypercar-Generation nehmen, die ab 2030 in Kraft treten soll. Das Ziel ist eine weltweite Vereinheitlichung der Prototypen-Plattform, wobei die Wahl bekanntermaßen auf die LMDh-Prototypen nach dem IMSA-Reglement gefallen ist. Die in der Entwicklung teureren LMH-Hypercars der WEC - namentlich Ferrari, Toyota, Peugeot und Aston Martin - stehen Ende 2029 vor dem Aus.
Die WEC erlebt in der aktuellen Zeit einen nie dagewesenen Boom mit derzeit acht Autobauern in der Hypercar-Kategorie. Alpine verabschiedet sich zwar zum Saisonende werksseitig, dafür folgen 2027 mit Ford und McLaren zwei weitere Schwergewichte der Automobilbranche. Der Alpine-Entry könnte laut anhaltenden Gerüchten vom Geely-Konzern übernommen werden, eine offizielle Bekanntgabe lässt allerdings auf sich warten.
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