Es läuft im Moment bei Lando Norris. Der amtierende Formel-1-Weltmeister war vor der Sommerpause in Ungarn in einer eigenen Liga und heute sicherte er sich auch in Zandvoort die Pole Position. Nur im Sprintrennen am Vormittag musste er sich George Russell und Charles Leclerc beugen, landete aber immerhin noch auf dem Podium. Bei einer in der bisherigen Saison eher durchwachsenen Ausbeute durchaus ein Erfolg.
Lando Norris zweifelt an seiner Rennpace: Zu viele Probleme, um zuversichtlich zu sein
Doch ausgerechnet das Sprintrennen trübt die Aussichten von Norris auf das morgige Formel-1-Rennen. Denn der Brite wurde in diesem nicht nur besiegt, er wurde von Russell und Leclerc regelrecht abgehängt und konnte sich auch nur mit Mühe auf dem überholfeindlichen Kurs an der Nordsee gegen Kimi Antonelli behaupten. Kurzum: Die Rennpace ließ zu wünschen übrig.
Deshalb zeigt sich der Ungarn-Sieger vor dem Rennen am Sonntag gewarnt. Eine große Veränderung zu der Verfassung seines Boliden im Longrun erwartet er sich nicht, auch nicht nach den Anpassungen in der Parc-Ferme-Öffnung zwischen Sprint und Qualifying: "Wir haben nicht sehr viel geändert", meinte er. Die Charakteristiken seien noch dieselben, also geht er davon aus, dass das auch allgemein auf den Longrun zutrifft.
"Unser Auto ist sicherlich das beste in den Highspeed-Kurven - entweder das, oder ich habe einfach die größten Eier", schmunzelte Norris, analysierte aber ernst: "Dort sind wir sehr, sehr stark. Dann sind da aber noch die Lowspeed-[Kurven]. Dort haben wir immer noch viele Probleme. Zu viele, um zuversichtlich zu sein", analysierte Norris.
Die Daten geben ihm zumindest teilweise recht. Denn in den schnellen Kurven 7 und 8 (Scheivlak und die ehemalige Marlboro-Kurve) ist der MCL40 tatsächlich eine Macht. Allein dort nimmt Norris Antonelli und Russell jeweils zwei Zehntelsekunden ab. Den großen Unterschied macht er aber selbst in T9/10. Zwei Kurven, die zwar lang sind, aber zu den langsameren Ecken auf der Strecke zählen – vor allem Kurve 9. In diesem Abschnitt drückte er sowohl Piastri als auch den Mercedes jeweils eine bis eineinhalb Zehntel zusätzlich auf. Eine Zeit, von der er auf der entscheidenden Runde im Qualifying bis zum Überfahren der Ziellinie zehrte.
Norris ist davon überzeugt, dass die neuen Reifen und der Low-Fuel-Modus einige Schwachstellen seines Dienstwagens überdeckten. "In Bezug auf die Rundenzeiten scheinen unsere Anpassungen geholfen zu haben. Aber das Auto hat sich an den Stellen, an denen wir Probleme hatten, nicht viel besser angefühlt als am Vormittag", fügte er aber hinzu. Teamchef Andrea Stella unterstrich die Annahme seines Piloten: "Man hat [im Qualifying] genügend Grip, um durch die langsamen Abschnitte zu kommen. Aber dieses Defizit verstärkt sich im Dauerlauf, wenn man nicht mehr den Reifengrip ausquetschen kann."
Oscar Piastri hofft auf Verbesserungen
Falls diese etwas gedämpfte Prognose in Bezug auf die Rennpace stimmt, könnte beim Großen Preis der Niederlande Norris und Oscar Piastri ein langer Nachmittag bevorstehen. Falls sie stimmt … Denn Piastri gab sich deutlich hoffnungsvoller als sein Teamkollege. "Wir haben ein paar Veränderungen vorgenommen, die im Rahmen dessen liegen, was man zwischen einem Sprint und einem Qualifying erwarten kann. Offensichtlich waren wir gegen Ende des Sprintrennens nicht sehr gut und das wollten wir ein bisschen verbessern. Hoffentlich ist uns das gelungen."
Aber auch er merkt an, dass es sich möglicherweise um ein allgemeines Problem des diesjährigen McLaren handelt, das sich mit dem Setup nur marginal verbessern lässt: "Allgemein fehlt uns ein bisschen Downforce verglichen mit den anderen – oder jedenfalls ein paar Balance-Charakteristiken. Ich denke, wir müssen uns viel auf dem Grip neuer Reifen verlassen, um unserer Balance zu helfen und bezahlen den Preis dafür, wenn die Reifen schlechter werden."
Piastri landete im Qualifying ohnehin nur auf der vierten Position und reihte sich damit auch noch hinter den beiden Mercedes-Fahrern ein. Sein Hauptgegner im Rennen könnte Ferrari lauten, denn Lewis Hamilton und Charles Leclerc reihen sich nicht nur direkt hinter ihm in Reihe 3 auf, sondern beeindruckten im Sprint auch mit einer starken Longrun-Pace.
Was Piastri dabei in die Karten spielen könnte: Überholen ist in Zandvoort laut den Erfahrungen aus dem Sprint sehr schwierig. Oder "beinahe unmöglich", wie es einige Fahrer ausdrückten. Hier mehr dazu:



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