George Russell gewann den Zandvoort-Sprint recht ungefährdet. Doch innerhalb von 24 Runden gab es nur wenige Überholmanöver in den Top 10 in Zandvoort. Eins zeigte Charles Leclerc gegen Lando Norris. Sonstige Action? Fehlanzeige. Da kam auch der Regen in der letzten Runde zu spät. Abgesehen von Leclerc und Norris fuhren die Top 10 des Formel-1-Feldes wie in Runde zwei ins Ziel.
Hoffnung für das Rennen in Zandvoort? Gibt es kaum. Denn Leclerc kam nur dank Reifenproblemen am McLaren und eines unterschiedlichen Batterie-Einsatzes an Norris vorbei. Doch einer der beiden Aspekte könnte sich am Sonntag schon wieder erledigt haben. "Wir scheinen uns bis zum Sonntag beim Energie-Einsatz anzugleichen, daher erwarte ich morgen keine großen Unterschiede", sagt Leclerc.
Charles Leclerc geht dank Energie-Strategie am Norris-McLaren vorbei
Leclercs Vorteil: McLaren verfolgte auf der Geraden eine eher konservative Energie-Strategie und setzte dort im Vergleich weniger Batterie-Power ein als Ferrari. Das erkannte Leclerc. "Lando war auf der Hauptgeraden meiner Meinung nach ziemlich langsam. Er hatte nicht denselben Energie-Einsatz. Ich wusste, dass ich dort eine Chance hatte."
Gegen den dann etwa 1,5 Sekunden entfernten Russell plante Leclerc ein ähnliches Spiel, erkannte aber schon nach wenigen Runden: "George hatte auf der Start-Ziel-Geraden einen anderen Energie-Einsatz. Also würde es für mich schwieriger werden."
Leclerc kam zwar nie in wirkliche Schlagdistanz, doch selbst wenn, wäre Überholen so wohl fast unmöglich geworden. Denn das Muster zeigte sich durch das ganze Feld hinweg. Weiter hinten hingen Lewis Hamilton und Max Verstappen hinter dem ebenfalls kämpfenden McLaren von Oscar Piastri fest.
"Es ist so schwierig, hier zu überholen, vor allem auf der gleichen Reifenmischung", resümierte Hamilton nach dem Sprint. Ähnlich erging es Verstappen. "Unser Reifenverschleiß war nicht schlecht, ich habe nur hinter Oscar festgesteckt."
Das Problem ist eine Mischung aus der recht kurzen Start-Ziel-Geraden in Zandvoort, die vom Kurvenausgang von Kurve 14 bis zu Kurve 1 gerade einmal 690 Meter misst, und der Dirty Air des vorausfahrenden Autos. "Heute hat sich bestätigt, dass du vorne starten musst", sagt Kimi Antonelli.
Der Italiener schnappte sich in Kurve eins außen zwar Oscar Piastri, steckte in der Folge aber das gesamte Rennen hinter Lando Norris und Charles Leclerc fest. "Die Dirty Air wird stärker, je länger das Rennen dauert. Überholen ist nicht möglich."
So entstand in den Top 4 der Nachfolger des DRS-Zugs: der "Boost-Zug". Dieser funktioniert ähnlich wie die DRS-Züge. Die zusätzlich freigeschaltete Leistung reicht zwar nicht zum Überholen des Vordermannes aus, sehr wohl aber, um dauerhaft dranzubleiben.
Die Autos dahinter reihen sich lediglich in den Zug ein, können aber keine Attacke setzen, da alle bis auf das Auto vorne vom Boost profitieren.
George Russell ohne Hoffnung für das Rennen in Zandvoort
Ein schlechtes Vorzeichen für das Rennen. Mit einer Renndistanz von 72 statt 24 Runden dürfte sich die Dirty Air für viele Piloten noch verstärken. Energie-Unterschiede dürfte es auch kaum geben. "Morgen werden sich alle auf einem ähnlichen Niveau einpendeln, und ich denke, es wird wahrscheinlich etwas schwierig sein, zu überholen", sagt auch Sprint-Sieger George Russell.
Die einzige Hoffnung dürften die Strategie und daraus entstehende Reifen-Unterschiede bieten. "Es sei denn, man hat einen Reifenvorteil", denkt auch Russell.
Antonellis Überhol-Probleme gingen auf sein verpatztes Sprint-Qualifying am Freitag zurück. Darüber haben wir im folgenden Video gesprochen. Klickt euch rein!



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