Obwohl Ferrari mit dem ersten Podestplatz seit dem Belgien-GP nach Singapur reist, haftet an Lewis Hamiltons drittem Platz in Malaysia ein fader Beigeschmack. Ein Strategie-Poker im Regen verhinderte eine noch bessere Formel-1-Platzierung - oder war Max Verstappen ohnehin unerreichbar?

"Hamilton wäre, wenn alles richtig gelaufen wäre und er nie den falschen Reifen gewählt hätte, in die Nähe von Kimi Antonelli gekommen. Er hätte am Ende vielleicht mit ihm gekämpft und ihn erreicht, aber wahrscheinlich nicht überholt", analysierte Christian Danner. Dennoch zeigte sich der F1-Experte von der Performance des siebenfachen Weltmeisters begeistert. Durch den Fehlgriff auf Slicks (Soft) bei feuchten Bedingungen rutschte Lewis Hamilton zunächst bis auf Rang 18 ab und lag zeitweise 83 Sekunden hinter der Spitze zurück.

Erst die von Valtteri Bottas ausgelöste Safety-Car-Phase neutralisierte das Feld. Danach gehörte Hamilton zu den schnellsten Piloten auf der Strecke: Innerhalb von nur zehn Runden kämpfte er sich von Platz 15 auf Rang fünf nach vorne. "Der Hund fährt echt gut. Was er da gezeigt hat, war Extraklasse", lobte Danner. Für den Ex-F1-Piloten war nicht nur die schiere Pace bemerkenswert, sondern vor allem, wie Hamilton den Ferrari auf den Slicks auf nasser Piste auf der Strecke hielt.

"Das ist große Kunst. Und dann sagt er konsequent: 'Ich komme nicht rein. Wir haben uns entschieden, jetzt ziehen wir das Ding auch durch.' Da waren einige Hamilton Specials dabei, die mir wahnsinnig gut gefallen haben", meinte Danner. Für die Fehleinschätzung bei der Reifenwahl kassierte Ferrari im Nachgang des Bahrain GP in Malaysia reichlich Kritik. Danner nimmt die Scuderia jedoch in Schutz: "Natürlich wäre es in der Retrospektive besser gewesen, die Autos zu splitten oder beide direkt auf Inters loszuschicken. Aber es war, wie es war. Solche Patzer liegen auch bei anderen Top-Teams im Normalbereich."

Ferrari-Strategiefail? Danner: Hamilton war Extraklasse! (03:42 Min.)

Ferrari bekleckterte sich 2026 nicht immer mit Ruhm

Dennoch reiht sich das Rennen in eine Serie strategischer Fehlentscheidungen ein, die Ferrari in der laufenden Saison begleitet: Beim Saisonauftakt in Australien verschenkte Ferrari die Chancen auf den Sieg, als man während einer VSC-Phase pokerte. Während die Konkurrenz von Mercedes mit beiden Fahrern den zehn Sekunden sparenden Boxenstopp-Bonus nutzte, ließ Ferrari Leclerc und Hamilton draußen. Kurz darauf schloss die Rennleitung die Boxengasse und Ferrari musste bei beiden Piloten unter regulären Rennbedingungen die Reifen wechseln.

In Österreich setzte Ferrari bei Hamilton auf eine aggressive Strategie und steckte ihm unter VSC Soft-Reifen auf. Da kein anderer Spitzenfahrer stoppte, fiel Hamilton auf P7 zurück. In Silverstone beorderte das Team Hamilton kurz vor Rennende unter dem Safety Car an die Box. Da das Rennen jedoch nicht mehr freigegeben wurde, blieben die frischen Reifen wertlos - Hamilton verlor P2 und wurde Dritter. Vier Fälle mit einer gemeinsamen Komponente: Falsche taktische Entscheidungen verhinderten ein besseres Resultat.