Es war bereits vor dem Beginn der Formel-1-Saison klar, dass Cadillac als Neueinsteiger sportlich keinen guten Stand haben würde. Deshalb ließ es sich nur schwer einschätzen, wie hoch man die Messlatte für die US-Amerikaner legen kann. Auch das Team selbst hielt sich in den Zielsetzungen vor dem Saisonbeginn ziemlich vage. In einem Ziel blieb man sich allerdings treu: Fortschritt im Laufe des Jahres sollte her. "Andere Autos besiegen", lautete damals sinngemäß die Forderung von CEO Dan Towriss.

Nach einer halben Saison in der Königsklasse fällt die Beurteilung, ob dieses Ziel erreicht ist, schwierig aus. Cadillac kann zwar Aston Martin in die Schranken weisen, aber abgesehen von dem bisher vollkommen unterlegenen Honda-Werksteam, das seit Saisonbeginn auf Updates verzichtet hatte, liegt das Formel-1-Team der GM-Marke nach wie vor ganz hinten.

Sergio Perez: Machen nicht erwarteten Fortschritt

Sergio Perez wurde deshalb vor dem F1-Wochenende in Spa deutlich und äußerte Kritik an der Entwicklungskurve seiner Mannschaft: "Wir machen nicht so viel Fortschritt, wie wir zu Beginn des Jahres dachten, dass wir machen würden." Es ist nicht das erste Mal, dass der Mexikaner seine Mannschaft kritisierte, nach Kanada hatte er die operativen Abläufe von Cadillac ins Visier genommen.

Nun führt er auch das Entwicklungsdefizit seines Teams auf interne Abläufe zurück. "Ich denke, aktuell haben wir noch keinen klaren Ablauf eingeführt. Die anderen Teams, sie kennen ihre Abläufe für die Entwicklung. Sie haben eine klare Linie, wie die Dinge hinten und vorne funktionieren", verglich der ehemalige Red-Bull-Fahrer vor dem Ungarn-GP die Neueinsteiger mit der Konkurrenz.

Perez führt diese Ineffizienz nicht nur auf die internen Abläufe zurück, sondern auch darauf, dass das noch junge Team für die Produktion zum Teil noch auf externe Zulieferer angewiesen ist. Ein Punkt, an dem man bereits arbeite, um diese Zusammenarbeit effizienter hinzukriegen. Der Formel-1-Rückkehrer fordert von seinem Team: "Wir müssen unsere ganzen Abläufe umgestalten, um sicherzugehen, dass wir in der Lage sind, viel schneller zu entwickeln, denn in der Formel 1 dreht sich alles um die Entwicklung."

Valtteri Bottas anderer Meinung: Nicht selbstverständlich, dass Updates funktionieren

Valtteri Bottas kann die Kritikpunkte seines Teamkollegen offenbar nicht nachvollziehen. Der Finne streicht in Ungarn den Vergleich mit Aston Martin hervor: "Wir haben keine riesigen Schritte gemacht, aber wir haben Fortschritte gesehen. Das ist ziemlich evident geworden, wenn wir uns mit Aston Martin vergleichen - das kommt von diesen kleinen Verbesserungen."

Für ihn ist das Glas halbvoll: "Es ist in der Formel 1 nicht garantiert, dass die neuen Teile, die wir ans Auto packen, funktionieren. [Dass sie das tun] ist vielversprechend für die Zukunft", bilanziert er. "Unsere Entwicklungsrate war gut, aber näher an die anderen heranzukommen, ist schwierig. Denn sie sind seit Ewigkeiten hier und sie wissen, wie man ein Auto entwickelt", spielte er auf den Erfahrungsrückstand von Cadillac an.

Ein zentraler Aspekt, mit dem die nach wie vor einzige punktelose Formel-1-Mannschaft dieser Saison noch Probleme hat, ist die Rennpace. Ein Faktor dabei ist, dass man mehr Probleme hat, die Reifentemperatur unter Kontrolle zu halten. Ein anderer, dass man in Highspeed-Kurven Probleme damit hat, genügend Last aufzubauen. Beides resultiert in einem höheren Reifenverschleiß.

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Cadillac-Teamchef: Bringen viele Updates

Teamchef Graeme Lowdon hat ebenfalls eine andere Sicht auf die Dinge wie Sergio Perez. Er betonte in der Pressekonferenz vor dem F1-Wochenende von Spa: "Ich denke, wir sind sehr weit oben auf der Liste, wenn es darum geht, wie viele Upgrades wir an das Auto gebracht haben."

Nichtsdestotrotz findet er es positiv, dass Perez sich und dem Team ambitionierte Ziele setzt: "Das sind genau die Kommentare, die man sich von erfahrenen Fahrern erwarten würde. Sie werden immer das Team pushen wollen. Denn in Wirklichkeit ist nie jemand in der Formel 1 glücklich mit der Performance eines Teams, solange man nicht führt. Denn man sucht immer nach Wegen, sich zu verbessern. Checo ist da nicht anders."

Lowdon ist überzeugt, dass seine Fahrer eine gute Balance aus Erwartungsdruck und positiver Unterstützung mitbringen: "Einige Fahrer könnten zu hart pushen, und wenn man in diesem Spiel zur falschen Zeit zu hart pusht, dann kommen die Resultate nicht und es ist in Wirklichkeit negativ. Ich denke, dass wir im Team eine gute Spannung haben."