Überraschend wettbewerbsfähig hat sich Ferrari an den letzten zwei Wochenenden auf den Power-Strecken von Silverstone und Spa mit einem Sieg und einem zweiten Platz aus der Affäre gezogen. Jetzt reist die Formel 1 weiter auf den viel langsameren Hungaroring in Ungarn, ein neuer spektakulärer Heckflügel wird an den SF-26 montiert, und Favoriten-Gerede hebt an.

Fehlende Motorleistung sollte auf der kurvigen Strecke nahe Budapest kaum ins Gewicht fallen, und die Strecke macht es einem auch leicht, die Batterie aufzuladen. Mit diesen Faktoren auf ein Minimum reduziert sollte das logischerweise das Team mit der besten Kurvenperformance - und das ist laut den Daten spätestens seit dem letzten Update in Barcelona aktuell Ferrari - an die Spitze spülen.

Ferrari legt technisch für Ungarn außerdem noch einmal nach. Schon am Donnerstag war der SF-26 in der Garage mit einem neuen Heckflügel zu bestaunen. Konzeptuell ist es immer noch das gleiche Design, immer noch mit dem gleichen "Macarena"-Mechanismus zum Invertieren auf den Geraden. Doch gleich an mehreren Stellen wachsen ihm Karbon-Konstruktionen.

Neuer Spezial-Heckflügel von Ferrari für High-Downforce-Strecken

Das ist von der Idee her nicht weiter ungewöhnlich. Ungarn ist ähnlich wie Monaco und Singapur eine Strecke, die aus den eingangs genannten Gründen so viel Abtrieb erfordert wie möglich. In Monaco kamen einige Teams daraufhin mit seltsamen Konstruktionen auf ihren Heckflügeln an, die dort an den Stellen der Straight-Mode-Aktivierungseinheiten gebaut wurden, da der Flügel in Monaco nicht flachgestellt werden durfte.

Ferrari war damals eines der wenigen Teams ohne Änderungen in diesem Bereich. Dafür wurde das Team am Ende des Wochenendes auch leicht von Lewis Hamilton kritisiert. Für das nächste High-Downforce-Rennen in Ungarn holt man das nach, und bedient sich bei den Design-Ideen großzügig bei der Konkurrenz. Besonders auffällig ist ein dreistufiges schmales Flügelelement in der Mitte des Heckflügels auf zwei Stehern. Eine recht offensichtliche Kopie von McLarens Monaco-Lösung.

Die neuen Aufbauten am Ferrari-Heckflügel in Ungarn
Der Ferrari-Heckflügel in Ungarn, Foto: IMAGO / PsnewZ
Flügel-Details am Donnerstag in der Boxengasse von Monaco bei McLaren
Der McLaren-Heckflügel von Monaco, Foto: IMAGO / PsnewZ

Ferrari hat hier einen Vorteil. Da sie als einziges Team den Straight-Mode-Mechanismus in den Endplatten des Heckflügels versteckt haben und nicht in einem zentralen Aufbau, können sie solche Zusatz-Flügel immer fahren, wenn sie wollen. Teams wie McLaren und Mercedes können ihre kreativen Monaco-Aufbauten hingegen woanders nicht nutzen, da sie dafür ihre Straight-Mode-Mechanismen entfernen müssen. In Ungarn keine Option, da es hier vier Zonen zum Flachstellen des Flügels gibt.

Ferrari packt an anderen Stellen noch mehr Abtrieb auf den Heckflügel. Eine kleine zentrale vertikale Erweiterung an der Oberkante hatte es schon seit Miami gegeben, in Ungarn weitet die sich nach links und rechts aus und hinterlässt optisch einen Mercedes-Eindruck. Außerdem wachsen Dreiecks-Formen weiter links und rechts aus der Oberkante, bei denen man sofort an eine in Barcelona eingeführte Red-Bull-Idee denkt. Generell werden solche Aufbauten an der Oberkante seit Wochen immer populärer. Ferrari war hier etwas zurückhaltend gewesen.

Die neuen Aufbauten am Ferrari-Heckflügel in Ungarn
In Gelb der große zentrale neue Aufbau, in Grün die Erweiterungen der Oberkante, Foto: IMAGO / PsnewZ
Die Dreiecke am Heckflügel von Red Bull
Die Red-Bull-Dreiecke zum Vergleich, Foto: IMAGO / PsnewZ

Ist Ferrari Favorit in Ungarn? Charles Leclerc & Lewis Hamilton zweifeln

Technisch ist aber nichts davon eine Revolution. Das sind Kleinigkeiten, ergänzt auf bestehenden Bauteilen, speziell für einen spezifischen Streckentypus. Weder das noch die generelle Ferrari-Stärke in den Kurven überzeugt die Fahrer vorab von der Favoritenrolle. "Mercedes gilt es zu schlagen", stellt Lewis Hamilton klar. "Sie haben fast alle Rennen gewonnen. Sie sind auf allen Strecken gut, auf schnellen und auf langsamen."

"Sie waren in Monaco die Schnellsten, da musst du davon ausgehen, dass sie das auch hier sein könnten", glaubt Hamilton. Schlecht ist der Mercedes auf solchen Strecken sicher nicht. Auch spielt der Ferrari seine Stärke in langgezogenen Kurvenkombinationen aus. "Unsere Stärke ist die Balance durch die Kurven und der Grip, den wir dort haben", erklärt Charles Leclerc. Aber man ist nicht unbedingt die Benchmark in der Traktionsphase.

Ungarn-König Lewis Hamilton: Perfekte Strecke für zweiten Ferrari-Sieg?

Daher erwartet Leclerc zumindest einen engen Kampf, und dann kommt es auf Feinheiten an. Daran war man in Monaco gescheitert und hatte gegen Kimi Antonelli verloren: "Wir waren nicht im richtigen Fenster des Autos, und dann verlierst du mehr als das, was du dadurch gewinnst, dass die Strecke zu deinem Auto passt."

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Natürlich hilft in Ungarn, dass das eine der ultimativen Hamilton-Strecken ist. Acht Siege, neun Poles: "Die Strecke verlangt spätes Bremsen und viel kombiniertes Bremsen in Richtung Scheitelpunkten. Go-Kart-artig, auch in einem Formel-1-Auto, viele langsame Kurven. Ich weiß nicht, warum es so gut klappt, aber ich liebe diese Strecke, und je mehr du eine Strecke liebst, desto besser läuft es."

Auf der anderen Seite liebt aber Leclerc Monaco - und bekam es dort 2026 trotzdem nicht auf die Reihe. Ein weiterer Beweis für beide Fahrer: Man darf sich auf keinen Fall auf das Favoriten-Gerede einlassen.