Viel Zeit zur tiefgründigen Analyse blieb Charles Leclerc nach dem enttäuschenden Großen Preis von Österreich nicht. Schon an diesem Wochenende steht das nächste Formel 1-Rennwochenende vor der Tür – und zwar das vierte Sprint-Wochenende der laufenden Saison. Damit bleibt Leclerc in Silverstone lediglich ein einziges Freies Training, um eine Lösung für seine Probleme zu finden und aus dem Formtief auszubrechen.

Denn anders als noch in der Vorsaison ist es im Jahr 2026 teamintern Lewis Hamilton, der für Ferrari die dicken Punkte nach Hause fährt. F1-Experte Christian Danner weiß, dass Fahrer in solch mental schwierigen Situationen auf zwei Arten reagieren: Entweder sie jammern und geben dem Auto die Schuld, oder sie fassen sich an die eigene Nase.

Leclerc vs. Hamilton wie Berger vs. Senna?

"In der F1-Geschichte gab es dieses wunderbare Duell zwischen Gerhard Berger und Ayrton Senna", erinnert sich Christian Danner im Avd Motorsport-Magazin . Berger wechselte 1990 von Ferrari zu McLaren und war damals felsenfest überzeugt, seinen Ferrari-Teamkollegen Ayrton Senna im Griff zu haben - so wie viele Teamkollegen zuvor. Doch es stellte sich schnell heraus, dass er mit dieser Einschätzung falsch lag.

"Bei den damals verfügbaren Daten, um dem Fahrer genau auf die Finger zu schauen, hat Berger festgestellt: Der macht Sachen, die kann ich einfach nicht. Ich kann nicht so durch die Kurve fahren, ich kann nicht mit dem linken Fuß zwischendrin noch ein bisschen bremsen oder mit dem rechten Fuß den Turbo auf Rhythmus halten. Und das ist etwas, das sitzt tief. Da hat man keine Chance", erklärt Danner.

Doch bei Leclerc liege der Fall etwas anders. Auch wenn der Monegasse mit dem siebenfachen Champion Hamilton eine absolute Benchmark an seiner Seite hat, sei es vor allem die neue Fahrzeuggeneration, die es Leclerc erschwert, seine Trümpfe - allen voran seine Qualifying-Stärke - auszuspielen. Im Vorjahr hatte Leclerc das teaminterne Qualifying-Duell gegen Lewis Hamilton noch mit 19:5 klar beherrscht. Auch seine vorherigen Teamkollegen - ob Carlos Sainz oder Sebastian Vettel - sahen auf einer schnellen Runde kein Land gegen ihn. Doch in diesem Jahr ist das nicht mehr der Fall.

Danner: Leclerc fehlt die Quali-Madness

Am Red Bull Ring stand Leclerc immerhin erstmals seit Miami wieder vor Hamilton in der Startaufstellung. "Leclerc ist ein Fahrer, der mit einer unglaublichen Inbrunst und mit einem sehr großen Risikofaktor fährt, speziell im Qualifying", bringt es Danner auf den Punkt. Dieses Risiko muss er zwingend eingehen, um das Maximum an Rundenzeit herauszuholen. "Es ist nicht sein Stil, wenn er da nur so herumrollt und sagt: Ja, das war jetzt ganz gut. Er braucht diese Extraportion Wahnsinn - aber das kann er aktuell zum Teil wegen des komplexen Energiemanagements und zum Teil wegen der Fahrzeug-Charakteristik nicht richtig umsetzen."

Tatsächlich räumte auch Leclerc bereits ein, dass ihm nicht klassische Balance-Probleme wie Über- oder Untersteuern zu schaffen machen, sondern fundamentalere Aspekte: "Die Charakteristik des Autos macht dieses Jahr extrem viel aus." Trotzdem widerspricht er vehement den Stimmen im Fahrerlager, wonach der SF-26 ein reines Hamilton-Auto sei. Dass es in Österreich, wo Leclerc 2022 einen seiner bisher acht Formel-1-Siege feierte, wieder nicht mit einem Top-Ergebnis geklappt hat, begründet Danner mit der Herangehensweise des Teams bei der Fahrzeugabstimmung.

Er vermutet, dass sich Ferrari zu sehr auf das Qualifying konzentriert und sich damit im Rennen in Teufels Küche gebracht hat. "Der Red Bull Ring ist eine Strecke, die killt normalerweise den linken Hinterreifen. Man fährt durch diese engen Kurven und muss sofort wieder voll beschleunigen. Das Rutschen wird dann irgendwann so schlimm, dass man gar nicht mehr richtig einlenken kann. Das kostet massiv Zeit und führt zu einem Teufelskreis. Denn wenn der Reifen einmal zu rutschen beginnt, generiert er noch heißere Temperaturen und rutscht beim nächsten Mal noch mehr. Und genau das ist bei Ferrari passiert", analysiert der F1-Experte.

Wir blicken nochmal auf Österreich zurück. In unserer großen Analyse lassen wir das Rennwochenende Revue passieren.

Red Bull glänzt, Ferrari verzweifelt! Österreich: Tops & Flops (54:59 Min.)