Das einzig Positive aus drei Formel-1-Rennen 2026 ist für Aston Martin, dass Fernando Alonso wenigstens eines davon - abgeschlagen - beenden konnte. Der Beginn der Honda-Ära läuft mit einem verspäteten Chassis und einem unaufhaltsam vibrierenden Motor maximal miserabel. Alonso will den Glauben an eine potenziell sogar große Wende nicht verlieren, nur sind die Hintergründe dazu schwierig.

Über Nacht passiert in der Formel 1 sowieso nichts, das weiß Alonso nach 25 Jahren in der Königsklasse sehr gut. Deshalb empfiehlt er seinem Team jetzt auch, bereits ein paar Monate in die Zukunft zu blicken: "Du musst ein paar Monate mit dem aktuellen Auto verbringen. Wir werden nicht allzu viele Dinge an diesem Auto ändern, wenn wir wissen, dass es in ein paar Monaten komplett umgebaut wird."

Fernando Alonso findet: Alles bei Aston Martin ist lösbar

Eine große "B-Spec" erscheint bei Aston Martin nur logisch. Zum einen wird Honda womöglich Zeit brauchen, um die Probleme so weit auszusortieren, dass man die Power Unit überhaupt einmal am Limit bewegen kann. Zum anderen begann die aerodynamische Entwicklung des AMR26 ohnehin verspätet.

"Wir brauchen bloß Zeit und müssen geduldig sein, während die Fabrik an Upgrades arbeitet", mahnt Alonso. Damit kann man in seinen Augen den AMR26 aber völlig verwandeln: "Es steckt definitiv riesiges Potenzial im Auto, und auch im Motor. Wir haben seit Bahrain Fortschritte gemacht, beim Deployment, bei der Fahrbarkeit."

"Wir sind in einer viel besseren Position", findet Alonso. Klar, die Vibrationen und die fehlende Leistung behindern noch und das Chassis lässt sich aktuell noch nicht einmal anständig einordnen, weil der Motor so ein großes Hindernis ist, aber insgesamt sieht er das alles als etwas an, das man zumindest in den Griff bekommt: "In ein paar Monaten, denke ich."

Fernando Alonsos Traum: Wie McLaren 2023 - aber das ist ein Problem

Und dann? "Wir sahen McLaren 2023. Sie waren in den ersten paar Rennen Letzter, ehe sie ultimativ zu Jahresende an der Spitze waren. Das ist vielleicht zu optimistisch, das Traum-Szenario, aber wir wissen auch, dass die Saison lang ist. Wenn du deine Probleme verstehst und löst, hast du sehr viel Zeit, um die zweite Jahreshälfte oder das letzte Drittel der Meisterschaft auf einem viel besseren Platz abzuschließen."

Die gerne von vielen, auch von McLaren, oft zitierte Story der 2023er-Wende dient in den letzten Jahren gerne als Beweis dafür, wie man mit schnellem Verständnis von Problemen und mit richtigem Handeln ein Team von ganz hinten nach ganz vorn führen kann. Die Geschichte hat inzwischen einen festen Platz in der Mythologie eingenommen, wie McLaren den Grundstein für die WM-Titel von 2024 und 2025 legte.

Aston Martin im Chaos! Danner: Da ist Feuer unterm Dach! (03:45 Min.)

Das Problem mit dieser Geschichte ist nur, dass sie eben in den letzten Jahren zunehmend mythologisch wurde. Die Urfassung des MCL60 von 2023 war nie das "schlechteste Auto" im Feld. Dieser Eindruck wurde durch ein Fokussieren auf die Ergebnisse einer Handvoll Rennen erzeugt. Beginnend mit Bahrain, wo ein Auto ausfiel und das andere von einem Hydraulik-Problem geplagt wurde, und Jeddah, wo beide Autos am Start mit sehr viel Pech Schäden davontrugen.

Der MCL60 war nach Pace aber stets im vorderen Mittelfeld zu finden, je nach Strecke meist fünft- bis siebtschnellstes Auto. Nur in drei der ersten sieben Rennen vor dem richtungsweisenden Update beim Österreich-GP startete kein McLaren aus den Top-10. Nur Miami war pace-technisch ein Desaster, bedingt durch unerwartete Hitze-Probleme.

Tatsächlich war Lando Norris schon in Bahrain im Qualifying nur knapp an den Top-10 gescheitert. In Spanien stellte er seinen MCL60 noch vor dem großen Update in die zweite Startreihe. Die mageren 17 Punkte vor Österreich zeichneten kein akkurates Bild von einem Auto, das in der Praxis einem da bereits 40 Punkte aufweisenden Alpine pace-technisch ebenbürtig war.

So ist es natürlich beeindruckend, dass McLaren mit dem darauffolgenden Update den Sprung in die Spitzengruppe schaffte. Doch verglichen mit Aston Martin ist das eine völlig andere Ausgangssituation. Der frühe MCL60 war im Qualifying im Schnitt 1,1 Prozent hinter der Spitze gelegen. Der AMR26 hat es noch nie näher als 2,1 Prozent herangeschafft. In tatsächlicher Rundenzeit ist das je nach Strecke gut eine zusätzliche Sekunde langsamer.