Die Formel 1 fährt an diesem Wochenende nicht in Saudi-Arabien. Das Rennen in Jeddah wurde schon im März aufgrund der unwägbaren Lage rund um den Iran bis auf weiteres gestrichen. Es ist das erste Mal seit dem Debüt im Jahr 2021, dass die Königsklasse einen Bogen um die Strecke am Roten Meer macht. Aber einmal entging man einer Absage bereits haarscharf. Ein Blick zurück auf 2022.

Formel 1 2022: Rakete schlägt in der Nähe der Strecke in Saudi-Arabien ein

Am Freitag, dem 26. März 2022, wurde das Freie Training der Formel 1 in Jeddah zum Nebenschauplatz. Die Aufmerksamkeit der Königsklasse richtete sich während des ersten Trainings auf ein Öldepot, welches unweit der Strecke lichterloh in Flammen stand.

Während die Autos auf der Strecke ihre Runden drehten und einige Fahrer aufgrund des Rauchgeruchs schon alarmiert waren (Zitat Max Verstappen: "Ich rieche etwas Verbranntes - ist es mein Auto?"), stellte sich die akute Frage, ob die Formel 1 in Gefahr schwebte. Denn schnell sickerte durch, dass ein Raketeneinschlag für die Feuerbrunst verantwortlich war.

Der Angriff ging auf die Kappe der Huthi-Rebellen, welche im Bürgerkrieg im Nachbarland Jemen gegen die von Saudi-Arabien unterstützte international anerkannte Regierung kämpften, und mit einer Drohne den Angriff durchgeführt hatten. Es war nicht der erste derartige Angriff im zeitlichen und geographischen Umfeld eines Motorsport-Events in Saudi-Arabien. Anfang 2021 war eine Rakete über Riad abgefangen worden, als gerade die Formel E dort ihren Saisonauftakt abhielt.

Fahren oder abhauen: Formel-1-Piloten debattieren bis spät in die Nacht

Noch vor dem zweiten Training gab es ein erstes Krisentreffen. Schließlich wurde FP2 unter Vorbehalt abgehalten. Mit einer 15-minütigen Verspätung und alles in Sichtnähe des brennenden Öllagers. Doch die wahre Entscheidung, ob man unter diesen Umständen überhaupt das Formel-1-Wochenende durchziehen konnte, wurde auf den Abend verzögert.

Danach folgte viel Überzeugungsarbeit hinter den Kulissen. Die Teambosse schienen sich schneller überzeugen zu lassen. Ex-Haas-Teamchef Günther Steiner sprach davon, dass er sich sicher fühle, für Toto Wolff war Jeddah der "sicherste Platz" in Saudi-Arabien, angesichts der in Alarmbereitschaft versetzten Luftabwehr der Nahost-Monarchie.

Bei den Fahrern dauerte es länger, bis sie einer Fortführung des Wochenendes zustimmten. Sie trafen sich um 22 Uhr Ortszeit und debattierten hinter verschlossenen Türen über vier Stunden lang. Aus diesen Gesprächen drangen nur bruchstückhafte Erzählungen nach außen, bei denen sich Gerüchte schwer einordnen lassen. Dabei soll zeitweise von einem Boykott die Rede gewesen sein. Davon, dass die Fahrer freiwillig ihre Sachen packen könnten und die Formel 1 damit zwangsweise das Rennen abblasen müsste.

Fahrermeeting am Abend des Formel-Freitags in Jeddah (Saudi-Arabien) 2022.
Über vier Stunden debattierten die F1-Fahrer vor dem Saudi-Arabien-GP über eine Abhaltung des Rennens, Foto: Imago / Panoramic by PsnewZ

Allein die Dauer der Gespräche lässt den Schluss zu, dass ernsthaft ein Rückzug in Erwägung gezogen wurde. Erst nach 2 Uhr nachts waren auch die Piloten so weit, dass sie einem Start zustimmten. "Letztlich sind wir alle zur Übereinkunft gekommen, dass es die richtige Entscheidung ist", war Mattia Binotto überzeugt, auch wenn er zugab, dass selbst nach dem Ende des Treffens und am Rennsonntag nach Zweifel von Seiten der Fahrer vorhanden gewesen seien. "Ich glaube nicht, dass sie zu 100 Prozent zufrieden sind. Sie sind immer noch verunsichert" so der damalige Ferrari-Teamboss.

Saudi-Arabien-GP 2022: Rennen nur mit 19 Autos - aber nicht wegen des Angriffs

Am Qualifying- und Renntag traten die Huthi-Rebellen dann wieder in den Hintergrund. Sergio Perez fuhr auf Pole Position, ehe er Pech mit einem Safety Car hatte und nur Vierter wurde. Die Entscheidung um den Rennsieg fiel zwischen Charles Leclerc und Max Verstappen, wobei sich der damalige Weltmeister durchsetzte. Der Einzige, der zum Rennen nicht mehr antrat, war Mick Schumacher. Dafür war aber mitnichten die Sicherheitslage rund um die Strecke verantwortlich, sondern ein schwerer Unfall im Qualifying.

Der Saudi-Arabien-GP entging 2022 knapp einer Absage und musste so in diesem Jahr erstmals ungeplant gestrichen werden. Bahrain hingegen wurde bereits das zweite Mal in seiner Geschichte aufgrund der Sicherheitslage abgesagt. Wie es zur ersten Absage vor diesem Jahr kam, könnt ihr hier nachlesen: