Die Formel 1 fährt an diesem Wochenende nicht in Bahrain, da der Iran-Krieg die Planung von Rennen in der Region unmöglich machte. Es ist nicht das erste Mal, dass der Grand Prix der Königsklasse auf der Wüsteninsel einem Konflikt zum Opfer fällt. Auch 2011 fiel Bahrain kurzfristig aus dem Rennkalender, da die Sicherheitslage an die Abhaltung eines Sportereignisses nicht denken ließ. Wir blicken zurück.
2011: Wenn Revolution auf Formel 1 trifft
Für den 13. März 2011 war der Auftakt der Formel-1-Saison auf dem Bahrain International Circuit geplant. Etwas weniger als zwei Wochen vorher standen auf derselben Strecke auch die letzten Testfahrten der Königsklasse auf dem Programm. Bahrain hatte sich damals im Sport schon gut etabliert. Als erste Nahost-Strecke hatte Sakhir 2004 einen Grand Prix erhalten.
Die Streckenführung ist seit dem Debüt weitestgehend unverändert, abgesehen von zwei Experimenten mit einem 'oval'-artigen Kurs während der Coronapandemie und 2010, als man im Infield einen winkeligen Streckenabschnitt hinzufügte. 2011 war die Rückkehr auf die herkömmliche Streckenvariante geplant gewesen, nachdem sich im Vorjahr die verlängerte Version nicht sehr zuträglich auf das Racing ausgewirkt hatte. So viel zum sportlichen Rahmen, unter dem der Saisonauftakt über die Bühne hätte gehen sollen.
Gänzlich abseits der Formel 1 ereignete sich aber am 17. Dezember 2010 in Tunesien etwas, das letztendlich sämtliche Rennplanungen zur Makulatur verkommen ließ. Der Selbstmord eines von Behörden drangsalierten Straßenhändlers in der Stadt Sidi Bouzid setzte in dem nordafrikanischen Land eine Welle von Protesten in Gange, an dessen Ende die Flucht von Langzeit-Diktator Zine El Abidine Ben Ali stand.
Der Aufstand in Tunesien hatte eine Welle von Protesten in der gesamten arabischen Welt zur Folge. Innerhalb kurzer Zeit gingen die Menschen in Algerien, Jordanien, Oman, Ägypten und dem Jemen auf die Straße. Nachdem auch die Revolution in Ägypten erfolgreich war, griff die Protestwelle des 'Arabischen Frühlings' im Februar auch auf den Irak, Marokko oder Kuwait über. Und auf Bahrain, wo ab dem 14. Februar für mehr politische Freiheiten und Menschenrechte protestiert wurde.
Arabischer Frühling erwischt Bahrain und verhindert den F1-Saisonauftakt
Die Auswirkungen auf die Motorsport-Welt zeigten sich umgehend, denn für das darauffolgende Wochenende war eine Runde der asiatischen GP2-Serie in Bahrain geplant. Diese wurde aufgrund des Mangels an medizinischem Personal an der Strecke und aufgrund der Sicherheitslage abgesagt.
Schnell geriet auch die Formel 1 in den Fokus, schließlich stand der Saisonauftakt in weniger als einem Monat bevor. Schon am ersten Wochenende der Proteste, an dem es unter den Protestierenden bereits die ersten Todesopfer zu vermelden gab, setzte sich die Führung der Königsklasse rund um CEO Bernie Ecclestone mit den Verantwortlichen der Strecke rund um Kronprinz Salman bin Hamad Al Khalifa zusammen.
Ecclestone setzte am 17. Februar ein Ultimatum: "Falls die Dinge so bleiben wie heute, dann lautet die Antwort Nein. Falls es sich nicht bis zum Mittwoch [23. Februar] beruhigt hat, dann müssen wir wahrscheinlich absagen." Die Proteste und die Gegenreaktionen darauf gingen weiter, während sich die Berichte über Todesfälle mehrten. Am Ende dauerte es nur bis zum Montag, dem 21. Februar, ehe die Formel 1 den Notausgang wählte und die Testfahrten für den 3. bis 6. März absagte, sowie den Renntermin aus dem Kalender strich.
Offiziell war nur von einer "Verschiebung" die Rede. Ähnlich lautet auch die Formulierung im Jahr 2026, denn offiziell sind sowohl Bahrain als auch Saudi-Arabien derzeit nur für ihren April-Termin gestrichen. Eine Abhaltung zu einem späteren Zeitpunkt wurde nicht ausgeschlossen, erscheint allerdings aufgrund des dichten Rennkalenders in den klimatisch einzig adäquaten Herbst- und Wintermonaten kaum umsetzbar.
Anders war es 2011. Damals umfasste der ursprüngliche Saisonkalender nur 20 anstelle von 24 Rennwochenenden. Das Finale fand noch im November statt und Doubleheader waren im Herbst die Ausnahme, von Tripleheadern ganz zu schweigen. So setzten Ecclestone und Co. alles daran, den Grand Prix noch irgendwie durchzubekommen.
Verschiebungs-Posse endet mit Absage: Deshalb wurde Bahrain 2011 nicht nachgeholt
Bis zum April 2011 hatten sich infolge des harten Durchgreifens durch die von anderen Golfstaaten unterstützten bahrainischen Sicherheitskräfte, die Lage wieder etwas beruhigt. Dadurch schien eine Abhaltung des Formel-1-Rennens wieder in den Bereich des Möglichen zu geraten. Nach einer ersten Deadline am 1. Mai bemühte sich Bahrain um die Wiederaufnahme in den Rennkalender.
Der Motorsport-Weltrat der FIA stimmte Anfang Juni dafür, das Rennen am 30. Oktober nachzuholen. Dafür wurde der Große Preis von Indien auf den Dezember verlegt, und wäre damit das neue Saisonfinale geworden. Vor allem unter den Teambossen war dieser Kalenderumbau umstritten, da ein Finale im Dezember damals für viele als nicht akzeptabel galt - wie sich die Dinge in 15 Jahren doch ändern können.
So sah der F1-Rennkelander 2011 aus:
Formel 1 Kalender 2011 - Rennen, Startzeit, Strecken
Allerdings stolperte die FIA und die Formel 1 bei dieser Verschiebung 2011 über ihr eigenes Reglement. Denn in einem Artikel des damals gültigen internationalen FIA-Sportkodex war festgelegt, dass Kalenderverschiebungen nur einstimmig zustande kommen könnten. Also auch nur mit der Zustimmung aller Teams. Nun praktizierte die FIA eine Rolle rückwärts und veranlasste wenige Tage nach der Neuansetzung eine neue Abstimmung.
Bahrain zog schließlich seinen Plan für eine Rückkehr noch im selben Jahr aus eigener Initiative zurück, sodass sowohl der FIA als auch der Formel 1 die unangenehme Aufgabe, das Rennen zu streichen, abgenommen wurde. Seit damals war das Königreich in jeder Saison bis 2025 Teil des Rennkalenders, im ersten Covid-Jahr 2020 wurden sogar zwei Rennen in Sakhir abgehalten.
Formel 1 in Bahrain: Alle Sieger
| Jahr | Fahrer | Team |
|---|---|---|
| 2004 | Michael Schumacher | Ferrari |
| 2005 | Fernando Alonso | Renault |
| 2006 | Fernando Alonso | Renault |
| 2007 | Felipe Massa | Ferrari |
| 2008 | Felipe Massa | Ferrari |
| 2009 | Jenson Button | Brawn-Mercedes |
| 2010 | Fernando Alonso | Ferrari |
| 2012 | Sebastian Vettel | Red Bull-Renault |
| 2013 | Sebastian Vettel | Red Bull-Renault |
| 2014 | Lewis Hamilton | Mercedes |
| 2015 | Lewis Hamilton | Mercedes |
| 2016 | Nico Rosberg | Mercedes |
| 2017 | Sebastian Vettel | Ferrari |
| 2018 | Sebastian Vettel | Ferrari |
| 2019 | Lewis Hamilton | Mercedes |
| 2020 | Lewis Hamilton | Mercedes |
| 2020 (Sakhir-GP) | Sergio Perez | Racing Point-Mercedes |
| 2021 | Lewis Hamilton | Mercedes |
| 2022 | Charles Leclerc | Ferrari |
| 2023 | Max Verstappen | Red Bull-Honda RBPT |
| 2024 | Max Verstappen | Red Bull-Honda RBPT |
| 2025 | Oscar Piastri | McLaren-Mercedes |



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