Zwei Rennwochenenden der Formel-1-Saison 2026 sind mittlerweile absolviert - und nur vier Punkte trennen die beiden Mercedes-Piloten. Beide haben bisher je ein Rennen gewonnen. Gute Voraussetzungen für einen spannenden WM-Kampf? Zugegeben: Noch ist es früh in der Saison. Doch ein WM-Kampf zweier Mercedes-Piloten mit einem dominanten Auto ist noch nicht allzu lange her.

Damals hießen die Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Birgt ein möglicher WM-Kampf zwischen Kimi Antonelli und George Russell ähnliches Konfliktpotenzial? Mercedes-Teamchef Toto Wolff dementiert jegliche Parallelen. "Das ist etwas ganz anderes." Motorsport-Magazin.com schaut sich den Vergleich genauer an.

Die Vorgeschichte: Keine Rivalität in Junior-Serien

Der größte Unterschied im Verhältnis zwischen den beiden aktuellen Mercedes-Piloten liegt wohl in ihrer Vorgeschichte. Zwischen Kimi Antonelli und George Russell besteht ein Altersunterschied von acht Jahren. Für eine gemeinsame Vergangenheit in Junior-Kategorien liegen zu viele Jahre zwischen den beiden.

Gemeinsam mit George Russell und Kimi Antonelli stand Lewis Hamilton in China auf dem Podium. Ist er wieder der Alte? Das besprechen wir im folgenden Video.

Ferrari-Podium für Hamilton: Ist er wieder der Alte? (22:06 Min.)

Hamilton und Rosberg tourten dagegen gemeinsam in ihrer Junior-Karriere durch die Welt.. "Nico und Lewis kannten sich schon von den Anfängen im Kartsport, waren Freunde, hatten aber auch diesen sozialen Wettstreit, der immer da war. Und dann wurde aus der Freundschaft eine gesunde Rivalität, dann eine Rivalität, dann Feindseligkeit", beschreibt Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Hamilton und Rosberg befanden sich stets in ähnlichen Phasen ihrer Karriere. Als Mercedes 2014 dominant wurde, waren beide bereits etablierte Fahrer auf dem Zenit ihrer Leistung. Während sich Russell in einer ähnlichen Phase wie einst Rosberg und Hamilton 2014 befindet, trifft das auf Antonelli noch nicht zu.

Nico Rosberg und Lewis Hamilton auf dem Podium in Abu Dhabi
Lewis Hamilton und Nico Rosberg stiegen parallel in die Formel 1 auf, Foto: imago/HochZwei

"Er ist noch ein junger Bursche. Es ist also noch viel zu früh, überhaupt an eine Meisterschaft zu denken", findet Teamchef Toto Wolff. "Die zwei sind viel bessere Charaktere. Die beiden anderen haben immer gestritten."

Ist Antonelli schon bereit für den WM-Kampf?

Gleichzeitig ist sich Wolff auch eines bewusst. "Dennoch muss man einfach anerkennen, dass die Fahrer hier sind, um Rennen und Meisterschaften zu gewinnen. Sobald man das wittert, kommen natürlich die Ellbogen zum Einsatz."

Die Frage: Kann Antonelli das auf dem jetzigen Stand seiner Entwicklung schon? 2025 hatte Russell den damaligen Rookie deutlich im Griff. 319 zu 150 Punkten sprechen eine deutliche Sprache. Antonelli müsste über den Winter also einen deutlichen Sprung gemacht haben, um Russell herausfordern zu können.

RennenAntonelli-ZeitRussell-ZeitZeit-Differenz
Australien-Qualifying1:18.8111:18.518+ 0.293
China-Sprint-Qualifying1:31.8091:31.520+ 0.289
China-Qualifying1:32.0641:32.286-0.222

Bis zu seiner Pole Position in China sprach wenig dafür, dass der Italiener diesen Sprung gemacht hat. Im Qualifying in Australien fehlten Antonelli rund drei Zehntel auf Russell. Im Rennen verpatzte er den Start. Zwar lagen beide in puncto Pace auf Augenhöhe, doch für eine wirkliche Attacke kam Antonelli nicht nah genug an seinen Teamkollegen heran. Ans absolute Limit musste Russell im Zweifel also nicht gehen.

Im Sprint-Qualifying und im Sprint in China zeigte sich dasselbe Spiel. Erst mit Russells Problemen in Q3 schnappte sich Antonelli die Pole. Doch sobald sich die Möglichkeit bot, blieb er beim Start und während des restlichen Rennens souverän. Russell kam nie in Reichweite.

Sollte Antonelli darauf aufbauen und dieses Performance-Level halten können, dürften auch das Racing und der Ton zwischen Russell und Antonelli rauer werden. "Beide haben die gleichen Chancen. Aber ich habe das Gefühl, dass wir uns in dieser Phase - und vielleicht werde ich mir eines Tages dafür auf die Zunge beißen - in einer völlig anderen Situation befinden", so Wolff.

Wie würde das Mercedes-Teamduell aussehen, wenn Lewis Hamilton noch im Team wäre? Das haben wir im folgenden Artikel diskutiert.