Nur noch wenige Formel 1 Teams erlauben sich den Luxus einer echten Teampräsentation für Medien und Sponsoren. Was vor einigen Jahren noch eine alljährliche Tradition war, wird dieser Tage nur noch von wenigen Teams betrieben. Die meisten Rennställe beschränken sich auf ein schlichtes Roll-Out mit anschließendem Pressegespräch.
Ferrari geht wie vor ihnen Toyota einen Mittelweg: Der neue Bolide für die Saison 2006 feierte bereits vor einer Woche in Fiorano sein Testdebüt. Doch die offizielle Präsentation des roten Renners erfolgt erst am heutigen Dienstag in Mugello. Dort wird im Anschluss an den Launch direkt weiter getestet.
Das Auto

Seit dem F1-2000, mit dem Michael Schumacher anno 2000 den ersten WM-Titel in Rot holte, geistert vor jeder Präsentation eines neuen Ferrari-Boliden ein Namensgerücht durch die F1-Welt. Und genauso ist es auch diesmal: Während einige Kollegen den neuen Wagen, der bislang nur unter dem Projektnamen 657 firmierte, die Bezeichnung "F248" zuschreiben, erwarten andere die übliche Fortsetzung der roten Nummerierung. Diese würde uns heute folgerichtig den Launch des F2006 bescheren.
Zu sehen war der neue Wagen, egal wie er nun heißen mag, ohnehin schon. Zwar in einem roten, sponsorlosen Karbonkleid. Aber immerhin: Die wichtigsten Änderungen waren bereits zu erkennen.
Wie auch die 2006er-Boliden von Toyota und Red Bull Racing weist der neue Ferrari ein extrem schlankes und aufgeräumtes Heck auf. Die Seitenkästen respektive die Lufteinlässe für die seitlichen Kühler sind in der Form jenen des Red Bull-Ferrari RB2 ähnlich. Ein kleines, aber revolutionäres Detail befindet sich wortwörtlich am Rande - die Rückspiegel sind beim F2006 oder F248 auf dem äußersten Rand der Seitenkästen montiert, damit soll die Anströmung des Heckflügels verbessert werden. Dieser ist gewölbt, an der Airbox sind kleine Zusatzflügel zu sehen, womit die Scuderia der gängigen "Flügelmode" entspricht.
Die Sponsoren
Nachdem die Form des neuen Ferrari, bis auf die üblichen aerodynamischen Feinheiten, die erst in Bahrain zu sehen sein werden, bereits bekannt ist. Interessiert sich die Weltpresse vor allem für die Lackierung des neuen Renners aus Maranello.

Da sich Vodafone spätestens 2007 in Richtung McLaren verabschieden wird, machten schnell Gerüchte über Finanzprobleme bei der Scuderia die Runde. Teamboss Jean Todt hatte dafür beim alljährlichen Ski-Event in Madonna di Campiglio nur ein müdes Lächeln übrig.
"Einige unserer Rivalen mögen von diesen Problemen sprechen, aber aus ihrer Sicht wird es leider nicht dazu kommen. Wir werden weiterhin die Mittel besitzen Meisterschaften zu gewinnen und es wird keine Ausreden geben: Denn wir besitzen alle nötigen Ressourcen."
Für die Tage bis zur Präsentation des neuen Autos kündigte Todt einige neue Partner an. Den Anfang machte eine erweiterte Zusammenarbeit mit dem Computerhersteller Acer, der bereits seit 2003 als Partner der Roten agiert. Seit Freitag sitzt Acer als offizieller Sponsor bis 2008 im Ferrari-Boot.
Am Montag folgte die Bekanntgabe eines Deals mit Martini, die nach Jahren des Motorsportsponsorings den Weg auf die legendären roten Renner von Enzo Ferrari gefunden haben. Die Bekanntgabe weiterer neuer Partner ist im Rahmen des Launch zu erwarten.
Die Zielsetzung
"Eigentlich kann nur der Gewinn der Weltmeisterschaft unser Ziel sein." Mit diesem schlichten Satz gab der entthronte Siebenfach-Weltmeister Michael Schumacher schlicht, aber treffend die Richtung für 2006 vor.
Die enttäuschende Saison 2005 empfand der Deutsche als "Weckruf": "Die schlechten Ergebnisse haben uns aufgeweckt und angespornt zu alter Stärke zurückzufinden."

Bei den Wintertests scheint die Scuderia dazu auf dem besten Wege zu sein. "Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir uns im Winter verbessert und in diesem Jahr haben wir sogar noch einen Schritt gemacht. Es sieht also sehr viel versprechend aus."
Während Schumacher sich also auf die Jagd nach dem verlorenen Titel und der verlorenen Startnummer 1 macht, würde sich sein neuer Teamkollege Felipe Massa schon mit "ein paar Podestplätzen" zufrieden geben. "Vielleicht auch einen Sieg."
"Ich stehe erst am Anfang. Und auch wenn mein langfristiges Ziel natürlich der Titel ist - wenn ich am Anfang hinter Michael liege, ist das auch okay", rechtfertigt er seine nicht gerade hochgesteckten Ziele. "Ich bin auf alles vorbereitet. Wenn ich zwei Plätze hinter Michael ins Ziel komme, dann ist das okay."
Sein Landsmann und Ferrari-Vorgänger Rubens Barrichello hörte sich zu Jahresbeginn meistens forscher an. Er erwartete ebenso wie David Coulthard immer "sein Jahr" und wollte "um den Titel" mitfahren. Letztlich gelang ihm dies in seinen sechs Ferrari-Jahren aber nie. Vielleicht ist Felipe "I have learned a lot" Massa mit seiner Strategie des Tiefstapelns besser bedient.



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