Die Formel 1 ist fast fertig mit der Saison 2025 - und gewissermaßen fängt am Dienstag, dem 9. Dezember, in Abu Dhabi beim letzten Test vor der Winterpause sogar schon die revolutionäre 2026-Saison an. Denn zahlreiche Stammfahrer werden bereits mit Reifen für 2026 fahren. Allerdings nicht mit den neuen Autos. Motorsport-Magazin.com fasst die wichtigsten Infos zum Test zusammen.

Jedes Jahr gibt es am Dienstag nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi einen einzigen Testtag von neun Stunden. Das Grundprinzip ist jährlich das gleiche. Alle Teams dürfen zwei Autos einsetzen. Eines davon ist ein Auto der abgelaufenen Saison 2025, mit Reifen der Saison 2025. In ihm muss allerdings ein sogenannter "Young Driver" sitzen. Das ist ein Fahrer, der maximal zwei Grand-Prix-Starts absolviert hat.

Was testet die Formel 1 in Abu Dhabi schon für 2026?

Das zweite Auto jedes Teams ist ein Reifentest-Auto. In der Vergangenheit war das eine einfache Angelegenheit: Einfach das aktuelle Auto nehmen, und die von Pirelli bereitgestellten Prototyp-Reifen für das nächste Jahr draufmachen. Diesmal ist das aber nicht so simpel. Denn 2026 gibt es in der Formel 1 völlig neue Regeln. Darunter auch völlig neue Abmessungen der Autos und Reifen. Also kann man die 2026er-Prototypen nicht einfach an ein 2025er-Auto bauen.

Tatsächlich haben die Teams in den letzten Jahren bereits Test-Träger, sogenannte "Mule Cars", gebaut. Das sind alte Autos (2024 oder älter), die von den Teams in Zusammenarbeit mit Pirelli und der FIA gezielt modifiziert wurden, um die 2026er-Reifen zu erproben. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Reifen technisch ans Auto passen. Auch will Pirelli etwa, dass die Autos mit weniger Abtrieb fahren, weil die 2026er-Generation relativ zur auslaufenden Ground-Effect-Ära weniger Abtrieb bieten wird. Die meisten dieser Test-Träger fahren etwa mit alten Monza-Aero-Paketen.

Oscar Piastri im McLaren fährt beim Reifentest mit 2026er-Pirellis in Barcelona
Ein umgebauter zwei Jahre alter McLaren MCL60 bei einem 2026er-Test, Foto: Pirelli Sport

Pirelli hielt dieses Jahr schon 40 Privattests in Kooperation mit den Teams ab. Abu Dhabi ist der gemeinsame Abschluss. In den Test-Trägern darf jeder fahren, der für eine Superlizenz zulässig ist, also auch die Stammfahrer. Absolut verboten ist dafür, irgendetwas anderes damit zu testen. Sensoren müssen mit FIA und Pirelli abgestimmt werden, das Setup ebenfalls, Änderungen ebenfalls, Teilewechsel ebenfalls. Primärer Zweck ist das Sammeln von Daten für Pirelli. Nicht für das Team. Pirelli sammelt am Ende alle Daten ein, und darf die auch unter den Teams verteilen.

Wann findet der Test in Abu Dhabi statt und wer überträgt ihn?

Der Test in Abu Dhabi findet von 06:00 Uhr bis 15:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt, das ist 09:00 bis 18:00 Uhr Ortszeit in Abu Dhabi. Dieses Zeitfenster ist vom Reglement vorgegeben. Einen Livestream oder TV gibt es nicht, ja, nicht einmal das offizielle Online-Livetiming ist üblicherweise aktiv. Einzige Möglichkeit, den Test live zu verfolgen: Im Liveticker von Motorsport-Magazin.com. Wir sind noch vor Ort und werden von früh bis spät den letzten F1-Tag 2025 begleiten.

Max Verstappen fehlt: Wer fährt den Formel-1-Test in Abu Dhabi?

In der Vergangenheit gab es üblicherweise unterschiedliche Ansichten unter den Formel-1-Fahrern, ob es noch Sinn macht, sich einen neunstündigen Reifentest im Anschluss an drei Rennwochenenden einzuverleiben. Das gilt auch 2025. Zwar ist es nett, ein Gefühl für die 2026er-Reifen zu bekommen, aber die Test-Träger sind eben doch völlig andere Autos als die echten 2026er-Designs, die im Januar erstmals fahren werden. Vierfach-Weltmeister Max Verstappen spart sich den Spaß. Dafür ist es der erste Red-Bull-Arbeitstag von Isack Hadjar.

McLaren, Ferrari und Mercedes planen mit beiden Stammpiloten. Ja, auch der diesen Test oftmals auslassende Lewis Hamilton soll noch auftreten. Bei Aston Martin fahren hingegen weder Fernando Alonso noch Lance Stroll. Simulator-Pilot Stoffel Vandoorne muss das volle Programm ableisten. Stand Montagnachmittag haben aber noch nicht alle Teams ihre finalen Line-Ups bestätigt. Im "Young Driver"-Auto sitzen die üblichen Verdächtigen, die man schon aus zahlreichen Freitags-Trainings der abgelaufenen Saison kennt.

Young DriverReifentest
McLarenPato O'WardLando Norris / Oscar Piastri
FerrariDino BeganovicCharles Leclerc / Lewis Hamilton
Red BullAyumu IwasaIsack Hadjar
MercedesFred VestiKimi Antonelli
Aston MartinJak CrawfordStoffel Vandoorne
AlpineKush MainiPierre Gasly
HaasRyo HirakawaOliver Bearman / Esteban Ocon
Racing BullsArvid LindbladLiam Lawson
WilliamsLuke BrowningCarlos Sainz / Alex Albon
SauberPaul AronGabriel Bortoleto / Nico Hülkenberg

Was ist neu an den 2026er-Reifen, und was wird in Abu Dhabi an ihnen getestet?

Was genau werden die Formel-1-Fahrer in den Test-Trägern am Dienstag nun zu spüren bekommen? Nun, da sich die Abmessungen von Auto und Reifen ändern, und die Autos selbst mit weniger Abtrieb ganz andere Anforderungen stellen und Belastungen versprechen, sind die Reifen sowohl bei ihrer grundsätzlichen Konstruktion als auch bei den Gummimischungen stark verändert worden.

20252026
Innendurchmesser [Zoll]1818
Außendurchmesser [mm]
Vorderachse720705
Hinterachse720710
Breite [mm]
Vorderachse305280
Hinterachse405375

Die Reifen-Konstruktionen hat Pirelli schon im September homologiert. Jetzt geht es noch um die Gummimischungen. Grundsätzlich hat Pirelli die anhand der Test-Daten aus dem ganzen Jahr im November bereits finalisiert. 2026 wird wieder auf fünf Mischungen zurückgekürzt, nachdem im letzten Jahr ein kurzlebiger Spezial-Reifen der extraweichen Variation für Stadtkurse eingeführt worden war.

In Abu Dhabi werden nun die gewählten Reifenmischungen noch einmal auf Herz und Nieren geprüft. Am 15. Dezember ist für die Mischungen dann die Homologations-Deadline. Die Daten aus Abu Dhabi sollten im Idealfall alle aus den vorangegangenen Einzeltests gewonnenen Erkenntnisse bestätigen.