Im letzten Saisonviertel liefert Oliver Bearman noch einige gute Argumente im Kampf um den Titel "Rookie des Jahres". Zwar kann er seine teils schweren Patzer zur Saisonmitte damit nicht mehr wettmachen, doch im Freien Training in Abu Dhabi zeigte der Haas-Junior, dass er in der Formel 1 endgültig Fuß gefasst hat. Zum Saisonfinale ließ er mit einer starken Freitags-Leistung aufhorchen.
"Das Auto ist der Wahnsinn! Ich weiß nicht, warum es so gut ist", wunderte sich Bearman gegen Ende des zweiten Freien Trainings am Funk. Zu diesem Zeitpunkt belegte er den vierten Platz in der Zeitenliste. Dort beendete er auch die Session. Der Haas-Pilot fuhr bereits zu Beginn mit dem Soft-Reifen aus der Box und kämpfte konstant an der Spitze um die Bestzeit. Selbst als alle Top-Piloten mit der weichsten Mischung ausrückten, konnte er sich vorne halten.
Ihm fehlten vier Zehntel auf die Bestzeit von Lando Norris, aber nur 55 Hundertstel auf Max Verstappen auf Platz zwei. "Wir hatten ein gutes Auto, das habe ich schon in FP1 gemerkt. Bei meinem ersten Versuch hatte ich etwas Untersteuern, aber ich konnte spüren, dass das Auto schneller fahren wollte. Das hat sich am Nachmittag bestätigt", erklärte Bearman. Im ersten Freien Training am Freitagvormittag konnte der Haas-Pilot noch kein großes Ausrufezeichen setzen, aber das lag nicht an ihm.
Oliver Bearman mit Hydraulik-Leck in FP1
In der ersten Hälfte von FP1 verlor Bearman vor Kurve fünf plötzlich die Leistung. "Wir haben ein hydraulisches Leck", informierte ihn sein Renningenieur Ronan O'Hare. Der Rookie musste langsam zurück an die Box rollen, nach 15 Minuten fuhr er wieder auf die Strecke. Das Problem tauchte aber wieder auf. Nach ein paar Runden auf dem harten und einem schnellen Anlauf auf dem Medium-Reifen musste Bearman schließlich aussteigen.
Seine Zeit auf dem gelben Reifen reichte trotzdem für Platz acht. Das lag wohl auch daran, dass in der ersten Freitagssession insgesamt neun Nachwuchsfahrer unterwegs waren. "Ich bin nur eine Runde auf dem Medium gefahren und wir waren direkt konkurrenzfähig", zeigte sich Bearman zufrieden mit der Haas-Performance. Um das gleiche Ergebnis im Qualifying und Rennen zu reproduzieren, muss das US-amerikanische Team vor allem die Umsetzung schaffen.
"Das Feld ist so eng beisammen. Wir waren vier Zehntel [von der Bestzeit in FP2, Anm. d. Red.] entfernt, aber mit fünf Zehntel Rückstand bist du außerhalb der Top-10. Wir sind im Rennen generell stärker, also können wir es uns leisten, wenn wir uns mehr auf das Qualifying ausrichten", so Bearman.
Esteban Ocon verzweifelt in Abu Dhabi am Auto
Und wo war sein Teamkollege? Esteban Ocon spielt spätestens seit den Austin-Updates nur noch die zweite Geige bei Haas. Sowohl in der WM als auch im Qualifying-Duell ist er Bearman unterlegen. Im FP1 musste der Franzose auf der Ersatzbank Platz nehmen und seinen VF-25 dem Toyota-Werksfahrer Ryo Hirakawa überlassen. Im FP2 gab ihm Bearman vier Zehntel mit.
Das Verpassen von FP1 soll seine Leistung aber nicht beeinflusst haben. "Heute hat es einfach nicht funktioniert, es war ein schrecklicher Freitag. Ich hatte das Gefühl, das Fahren verlernt zu haben. Ich konnte keine einzige Runde aus dem Auto herausholen. Wir sind immer eine halbe Sekunde zu langsam", lamentierte Ocon, der im zweiten Training nicht über Platz 16 hinauskam.
Haas-Teamchef Ayao Komatsu hatte eine Erklärung für die schlechte Performance seines zweiten Fahrers: "Er hatte Probleme mit den Bremsen und der Stabilität am Kurveneingang. Wir müssen einen besseren Kompromiss für ihn finden." Ocon, der ein sehr ähnliches Setup wie Bearman fährt, ist nicht davon überzeugt, dass er und der VF-25 zusammenkommen: "Wir kriegen das Auto nicht so hin, wie ich es gerne hätte, und damit komme ich nicht klar. Es funktioniert nicht, es ist im Nirgendwo. Ich kann das Auto nicht fahren."
In Abu Dhabi fällt die WM-Entscheidung. Wer sieht nach dem Training am besten aus? Laut der Analyse von Motorsport-Magazin.com müssen sich Verstappen und Piastri in Acht nehmen...



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