Lando Norris gab am Trainingsfreitag vor dem Formel-1-Finalrennen in Abu Dhabi den Ton mit zwei Bestzeiten an. Sein McLaren-Teamkollege Oscar Piastri musste hingegen weit abreißen lassen und beendete den Tag fast sieben Zehntelsekunden hinter seinem Titelrivalen nur auf der elften Position, nachdem er im ersten Training für den zweiten verpflichtend vorgeschriebenen Rookie-Einsatz weichen musste. Der Mexikaner Pato O'Ward hatte stattdessen das Steuer übernommen.

Doch Piastri selbst wollte nichts von einem Fehlstart in das Wochenende wissen. Er gab sich stattdessen etwas überraschend zufrieden mit dem Trainings-Freitag. "Ich bin mit dem Medium ziemlich gut reingekommen. Nur auf dem Soft machte ich nicht das Beste aus dem Grip auf meiner ersten gezeiteten Runde", relativierte der Australier sein Abschneiden in FP2.

"Ich musste mich [bei dieser Runde] noch zurechtfinden, denke ich. Es gibt noch einige Dinge zu verbessern, aber nach nur einer Session ist es nicht sehr schlecht", bilanzierte Piastri. Auch bei den Veränderungen seien es nur "kleine Details", die angepasst werden müssen. Grundsätzlich befindet sich seiner Ansicht nach das Auto in einem guten Fenster.

Aus den Telemetriedaten lässt sich ablesen, wie sehr Piastri auf seiner ersten gezeiteten Qualifying-Simulation strauchelte. Er verlor in beinahe jeder nennenswerten Kurve Zeit auf Norris, vor allem in den langsamen Ecken. Von diesen gibt es auf dem Yas Marina Circuit aber gleich eine Reihe.

Nur Soft-Runde schlecht? Diese Piastri-Daten malen ein anderes Bild

Piastri legte anschließend noch eine zweite Qualifying-Sim auf den gebrauchten Soft-Reifen nach, auf der er sich allerdings in der Schikane zwischen den beiden DRS-Geraden stark verbremste. Das wäre es auch schon, wenn damit das Training vorbei wäre, aber der McLaren-Pilot fuhr anschließend natürlich auch noch Longruns und diese sahen erneut gemessen an Lando Norris nicht sehr erbaulich aus. Im Schnitt verlor er auf minimal jüngeren Reifen eine halbe Sekunde pro Runde auf Norris.

Eine Erklärung für die schwache Vorstellung könnte sein, dass die Grip-Verhältnisse auf der Wüstenstrecke alles andere als optimal sind. Wie Pirelli-Ingenieur Simone Berra am Freitagabend mitteilte, messte der Reifenlieferant eines der geringsten Grip-Levels der gesamten Saison. Damit war vor dem Wochenende nicht zu rechnen gewesen. McLaren betonte in den Herbstmonaten häufig, dass Piastri exakt unter solchen Bedingungen Probleme mit seinem Fahrstil hatte. Die Rennen etwa in Austin oder Mexiko sprachen ebenfalls dafür.

Grundsätzlich alles keine guten Vorzeichen für das restliche Grand-Prix-Wochenende in Abu Dhabi, aber auch Teamchef Andrea Stella macht sich keine großen Sorgen und erklärte den FP2-Rückstand mit dem verpassten ersten Training: "Ich bin mir sicher, dass er morgen komplett bereit sein wird, wenn es in den Sessions um etwas geht."

Piastri selbst glaubt ebenfalls noch an seine Pole-Aussichten für den Qualifying-Tag: "Ich denke es sieht ziemlich gut aus. Das Auto sah schnell aus, ich benötigte nur noch ein paar Runden, um mich zurechtzufinden und ein paar neue Reifensätze werden da helfen."

Dennoch lässt sich nach dem Freitags-Training ein Punkt nicht in Abrede stellen. Nämlich, dass Norris jetzt erst recht der absolute Topfavorit auf die Formel-1-Krone ist. Als ob das Punktepolster, mit dem er aus Katar einreiste dafür nicht schon ausreichend ist... Hier könnt ihr euch anschauen, wie der Brite am Sonntag Weltmeister werden kann: