Lando Norris konnte sich in Abu Dhabi erstmals zum Formel-1-Weltmeister krönen und ist damit der 35. Fahrer, dem das in der Geschichte der Königsklasse gelang. Über die Saison hinweg war Norris jedoch andauernder Kritik über seinen Umgang mit seiner Gefühlswelt ausgesetzt - auch jener von Formel-1-Experte Christian Danner.

Danner zieht Kritik an Lando Norris zurück

In der neuesten Folge des AvD-Motorsport-Magazins korrigierte Danner seine Meinung und nahm seine Kritik am Weltmeister zurück. "Ja, ich muss mich korrigieren. Ich habe das natürlich immer ein bisschen kritisch gesehen, wie Lando sich da quasi selbst gegeißelt hat und sich in Frage gestellt hat. Das war mit meinem Verständnis für einen Spitzenathleten nicht kompatibel", gab Danner zu. "Es ist unüblich und so etwas gab es einfach noch nie."

Doch genau diese angebliche Schwäche zeichnete den neuen Weltmeister aus. Nach seinem WM-Sieg in Abu Dhabi freute sich Norris sehr darüber, dass er den Titel auf seine Art und Weise - auf die sogenannte "Lando-Art" - gewinnen konnte, obwohl er von vielen als zu weich und emotional bezeichnet wurde. "Man muss Lando Norris lassen, dass er von A bis Z das Ding auf seine Art durchgezogen hat, wie er es für richtig hielt. Da kann er stolz drauf sein", meinte Danner.

Vor allem, weil Norris in der ersten Saisonhälfte immer wieder gegen seinen Teamkollegen Oscar Piastri einstecken musste. 19 Rennen lang lag der Brite auf Platz zwei in der Fahrer-Weltmeisterschaft, ließ sich jedoch nicht von seinem Weg abbringen, übernahm in Mexiko - auch durch Fehler seines Teamkollegen - die WM-Führung und behielt sie bis zum Schluss. "Er ist ein verdienter Weltmeister und was ich ihm besonders hoch anrechne, ist, dass er sich aus dem Sumpf rausgezogen hat. Das ist schwierig, mit zwei so starken Gegnern."

Dass er sich trotz des enormen Drucks im WM-Kampf gegen Piastri und Verstappen selbst treu blieb, bewunderte Danner und stellt eine These auf: "Ein Spitzensportler ist immer dann am besten, wenn er einfach nur er selbst ist." Danner meint, dass der Titelgewinn der klare Beweis dafür sei, dass nicht immer die Ellbogen ausgefahren werden müssen, um erfolgreich zu sein.

Christian Danner: McLaren hatte Glück mit den Papaya-Rules

Einer, dem McLaren zum Teil die beiden WM-Titel in der Saison 2025 zu verdanken hatte, sei Andrea Stella. Er war während der Schumacher-Ära als Performance-Engineer bei Ferrari tätig und erlebte den vergeblichen Titelkampf von Fernando Alonso als sein Renningenieur mit.

"Stella ist ein Ferrari-Mann", erinnert sich Danner. "Und ich will gar nicht wissen, was die italienischen Medien so schreiben, wenn ein Ferrari-Mann die Weltmeisterschaft gewinnt und bei Ferrari gar nichts vorwärtsgeht."

Nach seinem Wechsel zu McLaren versuchte Stella, das Thema Vertrauen im System des Teams zu verankern, was laut Danner bewundernswert sei und mittelfristig sogar funktionieren könnte. Von den Papaya-Rules ist der Experte aber nach wie vor nicht überzeugt. "Ein bisschen Glück hatten sie schon, dass das alles gut ging mit den Papaya-Rules. Sie hätten es schon einfacher haben können, wenn sie konsequent anders verfahren wären", ist sich Danner sicher.

Auf lange Sicht gesehen ist sich der Experte daher unsicher, ob die Stimmung im Team weiterhin so harmonisch bleiben kann. "Ich bin wahnsinnig gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Ob es so harmonisch weitergeht, das werden wir sehen", so Danner. Seiner Meinung nach würde es darauf ankommen, wie sich die Beziehung der beiden Piloten bei McLaren im Laufe des Jahres entwickelt.

In der Abu Dhabi Ausgabe des AvD Motorsport-Magazins sprach unser F1-Experte Christian Danner aber nicht nur über den neuen Champion Lando Norris. Unter anderem bezieht er auch Stellung zum Abschied von Dr. Helmut Marko bei Red Bull:

Norris: Weltmeister auf seine Art - Danner: Ich korrigiere mich (32:35 Min.)