Katar ist das letzte Wochenende vor der Fahrer-Entscheidung bei Red Bull, das steht fest. Und ausgerechnet an diesem Wochenende schafft Yuki Tsunoda das, was seit Baku 2024 (durch Sergio Perez) in der Formel 1 keinem bei Red Bull mehr gelungen ist: Er qualifiziert Max Verstappen aus. Was ist hier passiert?

Ein verzweifelter Max Verstappen bekam sein Setup am Freitag in Katar für das Sprint-Qualifying einfach nicht auf die Reihe. "Max wollte eine stärkere Vorderachse, Yuki eine stärkere Hinterachse, und das war die bessere Lösung", erklärt Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko nach einer Session, in der Tsunoda Verstappen am Ende um 9 Tausendstel im Kampf um Sprint-Startplatz 5 schlug.

So schlug Yuki Tsunoda im Sprint-Qualifying zu

Denn nur Verstappens Setup litt auf den Soft-Reifen den ganzen Tag über aus unerfindlichen Gründen an zu starkem Bouncing. Tsunoda hingegen gibt sich nach dem Sprint-Qualifying völlig relaxt: "Bis jetzt war es ein sauberes, lockeres Wochenende für mich. Keine großen Probleme in FP1, das gab mir Selbstvertrauen für das Sprint-Qualifying. Gut, dass es bislang ereignislos läuft!"

Nachdem Verstappen durch das Bouncing im ersten SQ3-Versuch einen Ausritt fabrizierte, wagte er es in der schnellen Doppel-Rechts-Kombination aus Kurve 4 und 5 im entscheidenden zweiten Versuch dort nicht mehr, so viel Risiko zu gehen. Tsunoda gewann in dieser Sequenz daraufhin eine gute Zehntel, und baute - äußerst ungewöhnlich - seinen Vorsprung durch die folgenden schnellen Kurven im Mittelsektor sogar noch weiter aus.

Erst im letzten Sektor schlug Verstappen zurück, aber da war es schon zu spät. In den schnellen Kurven schien Tsunoda im Sprint-Qualifying erstmals wirklich mehr Vertrauen in das Auto zu haben. Endresultat: Im 25. Anlauf - 20 reguläre Qualifyings und 5 Sprint-Qualis - hat Tsunoda erstmals Max Verstappen auf eine Runde besiegt. Vor allem ist der fünfte Platz endlich ein zählbares gutes Ergebnis, nachdem das Team in den letzten Wochen immer wieder positive Entwicklungen hervorhob. So weit vorn stand Tsunoda zuletzt in Australien, damals noch im Racing Bull.

Yuki Tsunoda endlich auch mit Ergebnis - zu spät?

So klingt auch Marko nach dem Sprint-Qualifying nicht unzufrieden mit Tsunodas jüngster Formkurve, trotz so desaströser Ergebnisse wie dem Q1-Aus von Las Vegas: "Da war er schon nah dran an Max. Nur wegen den falschen Reifendrücken ist er in Q1 raus, das hat dort sein Wochenende ruiniert. Der Speed hat sich konstant verbessert."

"Seine Leistungen verbessern sich, er beteiligt sich stärker, ist mehr an der technischen Seite interessiert", lobt Marko. Doch es bleibt der Makel, dass das Ergebnis im Sprint-Qualifying von Katar einer von sehr seltenen positiven Ausreißern ist, sofern man die letzten positiven Ausreißer überhaupt als wirkliche Ausreißer bezeichnen mag.

Ein gutes Baku-Wochenende hinter Verstappen und solide Rennpace in Austin oder Mexiko sind schließlich eher Pflicht als Kür, und selbst das schaffte Tsunoda nur selten. Der fünfte Startplatz im Sprint von Katar ist das erste echte Ausrufezeichen, und selbst das ist natürlich nur ein Sprint. Ob das wirklich noch etwas verändern kann?

Denn fest steht, dass Red Bull die Entscheidung nach diesem Wochenende finalisieren wird. Das bestätigt Marko am Freitagabend in Katar einmal mehr. Als Favorit auf einen Sitz-Erhalt gilt Tsunoda schon seit Monaten nicht. Aber womöglich kann er sich mit einem späten Ausreißer eine Rückkehr zu den Racing Bulls erkaufen. Anstatt auf die Ersatzbank zu müssen.