Lewis Hamiltons 10-Sekunden-Strafe beim Großen Preis von Mexiko-Stadt sorgte sowohl bei Ferrari als auch im Netz für Unverständnis. Viele warfen den Rennkommissaren vor, unfair gehandelt zu haben. Hamilton war bei Weitem nicht der Einzige, der im Rennen über die Wiese abkürzte, aber nur er bekam eine Strafe aufgebrummt – so das gängige Argument.

Formel-1-Experte Christian Danner findet das Urteil gerechtfertigt, mit dem Strafmaß stimmt er nicht überein: "Ich finde, dass es zu hart war. Fünf Sekunden hätten es auch getan." Hamilton und Max Verstappen duellierten sich in den ersten Runden des Grand Prix, bei einem Überholversuch gegen Verstappen kam Hamilton nach einem Verbremser von der Strecke. Er fuhr durchs Gras und nahm das Rennen vor seinem Erzrivalen wieder auf. Laut den Stewards hat sich Hamilton abseits der Strecke einen nachweislichen Vorteil verschafft und wurde dafür mit der Standard-Strafe abgemahnt.

Das Strafmaß für ein solches Vergehen wurde 2024 auf zehn Sekunden angehoben, nachdem sich die F1-Fahrer beschwerten, dass fünf Sekunden zu wenig seien. Deshalb hätten die Rennkommissare richtig und vernünftig entschieden. "Sie wussten genau, wenn sie ihm nur fünf Sekunden geben, dann bestrafen sie ihn eigentlich gar nicht. Aber sie wollten ihn bestrafen. Wenn man ein bisschen objektiv bleibt, dann passt das schon", verteidigt Danner die Entscheidung der Stewards.

F1-Experte: Russells Ärger verständlich, Verstappen ausgefuchst

Auch George Russell war in Mexiko unzufrieden mit der Arbeit der Stewards. Nach dem Startchaos verlangte er Strafen für Max Verstappen und Charles Leclerc, die vor ihm in der ersten Kurve über die Wiese abkürzten. "Ich dachte, wir fahren Formel-1-Rennen und nicht Rasenmäher-Rennen", kritisierte der Mercedes-Pilot später im TV. Dass bei vier nebeneinander fahrenden Autos in Kurve eins kein Platz für Verstappen und Leclerc war und sie deshalb ausweichen mussten, ließ Russell nicht als Entschuldigung gelten.

Seine Wut war nachvollziehbar, urteilte Christian Danner im AvD Motorsport-Magazin. "Diese Verstappen-Aktion war schon ein bisschen Harakiri, außen herum und durchs Gemüse. Du fädelst dich ein, verzögerst richtig, machst keinen Quatsch und dann kommt der Kerl vor dir zurück. Der kann doch nicht einfach so tun, als wäre da keiner und neben der Strecke weiterfahren, ohne einen Schaden davonzutragen", kann der Experte Russells Frust verstehen.

Jedoch ist in den Regeln in so einer Situation keine Strafe vorgesehen, denn anders als Hamilton verschaffte sich der Red-Bull-Pilot abseits der Strecke keinen Vorteil. Verstappen war, bevor er auf die Wiese abbog, schon vor Russell. Der amtierende Weltmeister gab nur eine gewonnene Position an Hamilton zurück und blieb straffrei.

Aber der Experte ist sich sicher: Die Fahrt durchs Grün war kein Missgeschick, wie Verstappen selbst sagte, sondern ein ausgefuchster Plan. "Der wusste ganz genau, was er tut. Er hat das einkalkuliert. Der wollte an den zwei Ferraris vorbeikommen, das hat nicht funktioniert. Dann ist er auf Plan B umgestiegen. Darum bewundere ich Verstappen. Der ist abgekocht", lobte Christian Danner. Russell dürfe sich trotzdem über die Situation ärgern.

Das ganze AvD Motorsport-Magazin gibt es hier zu sehen! Wer ist Christian Danners WM-Favorit? Was passiert während einem Formel-1-Rennen in der Kommentatorenbox? Was wäre, wenn Alonso 2009 zu Red Bull gegangen wäre? Alle Antworten gibt es im Video!

Hamilton-Strafe zu hart? Danner analysiert umstrittene Szenen (35:18 Min.)