Max Verstappen hat am letzten Wochenende in Brasilien etwas vollbracht, das in 75 Jahren Formel 1 nur sehr wenigen Fahrern gelungen ist: Er fuhr aus der Boxengasse auf das Podium. Damit hat er sich mit etwas verewigt, das selbst unter Weltmeistern ganz selten ist, wie Motorsport-Magazin.com beim Blick in die Statistiken feststellt. Hier sind die sechs Rennen, bei denen Boxengassen-Starts auf dem Podium endeten.

Lewis Hamilton 2014 in Ungarn

Nach einem Defekt im Qualifying hatte sein Mercedes Feuer gefangen, daraufhin musste Lewis Hamilton nach Getriebe- und Chassis-Wechsel einen feucht-fröhlichen Ungarn-GP aus der Box aufnehmen. Mit einem Dreher nach zwei Kurven verschlimmerte er seine Lage erst noch, ehe er zur großen Aufholjagd ansetzte. Ein Chaos-Rennen mit zwei Safety-Car-Phasen half ihm, mit kühlem Kopf an Ausgefallenen, Weggedrehten und Reifenwechselnden vorbeizufahren. In Runde 34 von 70 war er Zweiter, in Runde 44 lag er einmal kurz in Führung.

Fernando Alonso, Daniel Ricciardo und Lewis Hamilton 2014 auf dem Ungarn-Podium
Lewis Hamilton 2014 in Ungarn auf dem Podium, Foto: IMAGO / Crash Media Group

Nachdem sich das Feld in der Schlussphase aber strategisch sortierte, blieb Hamilton hinter dem zähen Ferrari von Fernando Alonso Alonso stecken. Die letzte Hoffnung auf einem Sensations-Sieg zerschlug sich, als mit neueren Reifen von hinten Daniel Ricciardo heran- und vorbeiflog. Hamilton behielt seinen dritten Platz. Nachdem er unter anderem davor sich gegen eine Teamorder zugunsten von Nico Rosberg gesperrt hatte.

Sebastian Vettel 2012 in Abu Dhabi

Zu wenig Sprit im Qualifying, disqualifiziert, dann Setup-Änderungen, Start aus der Box. Die erhoffte Aufholjagd des sich drei Rennen vor Schluss in einem engen WM-Kampf mit Fernando Alonso befindenden Sebastian Vettel schien dann schon in den ersten Runden in die Binsen zu gehen. Am Start beschädigte er sich den Frontflügel im Zweikampf, hinter dem Safety Car verschätzte er sich dann bei einem verlangsamenden Auto, räumte ein DRS-Schild ab, und musste zum Reparaturstopp.

Fernando Alonso, Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel jubeln 2012 bei der Formel 1 in Abu Dhabi auf dem Podium
Sebastian Vettel 2012 in Abu Dhabi auf dem Podium, Foto: IMAGO / Crash Media Group

In Runde 14 war Vettel daraufhin beim Restart wieder Letzter. Erst dann riss er das Ruder herum. Innerhalb von 10 Runden fertigte Vettel 7 Autos mit Überholmanövern ab, fuhr sich frei, brachte sich für einen Schluss-Spurt in Position, und in der viertletzten Runde fing er dann Jenson Buttons McLaren mit einem hervorragenden Manöver über die Außenbahn ab und schnappte sich den dritten Platz. Direkt hinter seinem Titelrivalen Alonso. Wichtige Punkte auf dem Weg zum engen dritten WM-Titel.

Jarno Trulli 2009 in Australien

Beim Auftakt der neuen Formel-1-Saison in Australien fielen beide Toyotas nach dem Qualifying bei der Heckflügel-Messung durch, mussten umbauen und aus der Box starten. Trullis Strategie saß bei zwei Safety-Car-Phasen, eine ansonsten solide Aufholjagd erfuhr dann in der viertletzten Runde ein Geschenk. Vor ihm schossen sich Sebastian Vettel und Robert Kubica um die Podestplätze kämpfend aus dem Rennen.

Jarno Trulli jubelt 2009 in Australien auf dem Podium
Jarno Trulli jubelt über sein Australien-Podium 2009, Foto: IMAGO / HochZwei

Trulli rückte dadurch auf den dritten Rang vor. Der wurde ihm nach dem Rennen bei einem berühmten Straf-Skandal dann erst mittels Zeitstrafe aberkannt, weil er Lewis Hamilton unter Safety Car überholte. Doch es folgte eine spektakuläre Wende: Hamilton hatte in der Stewards-Anhörung gelogen. Als das herauskam, wurde Trullis Strafe zurückgenommen.

Jarno Trulli 2009 bei der Formel 1 in Australien
Jarno Trulli bei der Formel 1 in Australien 2009, Foto: IMAGO / Kräling

Rubens Barrichello 2005 in Kanada

Nach einem Getriebeschaden an seinem Ferrari im Qualifying musste Rubens Barrichello zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere aus der Box starten. In der Nachtank-Ära bedeutete das: Gelegenheit nutzen, volltanken, lange fahren, aufs Beste hoffen. Das Bemerkenswerte an Barrichellos Rennen: Er überholte in 70 Runden nur 5 Autos auf der Strecke. In einem Rennen mit insgesamt nur 13 Überholmanövern profitierte er von freier Fahrt nach frühen Stopps der Konkurrenz, einem späten Safety Car, und schließlich einem Ausfall, um bis auf P3 zu kommen.

Michael Schumacher und Rubens Barrichello 2005 im Parc ferme von Kanada
Michael Schumacher gratuliert Rubens Barrichello zum Podium in Kanada 2005, Foto: IMAGO / Andreas Beil

Kimi Räikkönen 2003 in Australien

Eigentlich auf P15 qualifiziert, rief McLaren Kimi Räikkönen bei Mischbedingungen am Ende der Formationsrunde schon zum Wechsel auf Trockenreifen. Eine perfekte Entscheidung, der Räikkönen in einer turbulenten ersten Rennphase innerhalb von 12 Runden bis auf P4 vorkatapultierte. In Runde 17 übernahm er die Führung und war Anwärter auf einen sensationellen Sieg, dann kassierte er eine Durchfahrtsstrafe für zu schnelles Fahren in der Boxengasse. So blieb ihm nur der dritte Platz.

Kimi Räikkönen und Michael Schumacher 2003 in Australien im Duell
Kimi Räikkönen 2003 in Australien im Fight mit Michael Schumacher, Foto: IMAGO / Sven Simon

Nigel Mansell 1989 in Frankreich

Tatsächlich startete Nigel Mansell 1989 in Frankreich sogar von P3 - im ersten Versuch. Nach einem heftigen Startcrash wurde sofort abgebrochen. Wie damals üblich bedeutete das einen kompletten Reset. Als ob der erste Versuch nie geschehen wäre. Mansell war in den Crash verwickelt, verlor seinen Heckflügel, musste in die Box geschleppt und repariert werden und wurde nur ganz knapp vor dem zweiten Startversuch wieder fertig.

Nun legte Mansell eine furiose Aufholjagd hin. Innerhalb von 18 Runden überholte er 11 Autos und legte damit den Grundstein für eine legendäre Aufholjagd, bei der er am Ende nur den dominanten McLaren von Alain Prost nicht mehr einholen konnte. Mansell kam 44 Sekunden hinter Prost ins Ziel, aber 23 Sekunden vor dem drittplatzierten Riccardo Patrese. Nicht seine einzige spektakuläre Aufholjagd in dem Jahr. In Ungarn gewann er von Startplatz 12. 1989 war er das ganze Jahr eine Macht. Sofern sein Ferrari hielt. Was in 9 von 15 Rennen nur nicht der Fall war.

Alain Prost 1984 in Südafrika

Seinen fünften Startplatz konnte Alain Prost nicht antreten, weil bei seinem McLaren kurz vor dem Rennen die Benzinpumpe streikte. Prost startete im Ersatzauto aus der Box, und überholte innerhalb von 30 Runden 13 Autos. Ab Runde 43 war er endgültig Zweiter, den Platz hielt er hinter seinem Teamkollegen Niki Lauda im zweiten überlegenen McLaren TAG Turbo bis ins Ziel.